Die Lebenserwartung hat sich erholt und befindet sich in einem Aufwärtstrend. 2023 lag die Lebenserwartung im OECD-Durchschnitt bei 81,1 Jahren. In 13 OECD-Ländern verharrte sie jedoch unter dem Vorpandemieniveau.
Insgesamt gab es im Jahr 2023 über 3 Millionen vorzeitige Todesfälle bei Personen unter 75 Jahren, die durch bessere Prävention und medizinische Interventionen hätten vermieden werden können. Erkrankungen des Kreislaufsystems und Krebs sind die beiden häufigsten Todesursachen und machen fast die Hälfte aller Todesfälle im OECD-Raum aus.
Bei Männern sind äußere Ursachen – darunter Selbstmord, Unfälle und Gewalt – die Hauptursache für verlorene Lebensjahre, bei Frauen hingegen Krebs. Frauen leben länger als Männer, leiden aber auch mehr Jahre unter gesundheitlichen Beeinträchtigungen (6,3 Jahre nach dem 60. Lebensjahr, verglichen mit 5,0 Jahren bei Männern).
In den OECD-Ländern, die an den Patient-Reported Indicators Surveys (PaRIS) teilgenommen haben, gaben im Durchschnitt 82 % der Nutzer*innen der Primärversorgung ab 45 Jahren an, mindestens eine chronische Erkrankung zu haben, 52 % der Befragten zwei oder mehr.
Psychische Erkrankungen geben weiterhin Anlass zur Besorgnis, insbesondere bei jungen Menschen. Im Durchschnitt gaben 52 % der 15-Jährigen im Jahr 2022 an, unter mehreren Gesundheitsbeschwerden zu leiden, darunter Niedergeschlagenheit, wiederkehrende Kopfschmerzen oder Schwindel. Im Jahr 2014 lag dieser Anteil noch bei 37 %.
Gesundheit auf einen Blick 2025 (Auszugsweise Übersetzung)
Zusammenfassung
Copy link to ZusammenfassungAuch wenn sich die Länder von der Pandemie erholt haben, bestehen im Gesundheitswesen nach wie vor grundlegende Herausforderungen
Copy link to Auch wenn sich die Länder von der Pandemie erholt haben, bestehen im Gesundheitswesen nach wie vor grundlegende HerausforderungenGesundheitssysteme machen etwa ein Zehntel der Wirtschaftsleistung und Beschäftigung aus
Copy link to Gesundheitssysteme machen etwa ein Zehntel der Wirtschaftsleistung und Beschäftigung aus2024 wendeten die OECD-Länder 9,3 % ihres BIP für die Gesundheit auf. Dies ist ein Rückgang gegenüber dem während der Covid‑19-Krise erreichten Höchststand, liegt aber immer noch über dem Niveau vor der Pandemie. In 16 OECD-Ländern machen die Gesundheitsausgaben mehr als 10 % des BIP aus.
Projektionen zufolge werden die öffentlichen Ausgaben im Verhältnis zum BIP bis 2045 um durchschnittlich 1,5 Prozentpunkte steigen, was vor allem auf den technologischen Wandel, steigende Erwartungen an das Gesundheitswesen und die Bevölkerungsalterung zurückzuführen ist.
Dabei machen die Gesundheitsausgaben bereits 15 % der öffentlichen Ausgaben aus, ein Anteil, der in den meisten OECD-Ländern in den letzten zehn Jahren leicht gestiegen ist. Angesichts konkurrierender politischer Prioritäten und knapper öffentlicher Finanzen könnte es in vielen Ländern schwierig sein, diesen Anteil weiter zu erhöhen.
Die Zahl der Beschäftigten im Gesundheitswesen nimmt zu und im OECD-Durchschnitt entfällt etwa jeder neunte Arbeitsplatz auf das Gesundheits- oder Sozialwesen. Die Beschäftigtenzahl dürfte weiter steigen, da sich die Nachfrage nach Gesundheitsdienstleistungen weiter erhöht. Im Ausland ausgebildete Fachkräfte helfen, Lücken zu schließen. Im Jahr 2023 waren durchschnittlich 20 % aller Ärzt*innen im Ausland ausgebildet, gegenüber 16 % im Jahr 2010.
Die Indikatoren für die Qualität und den Zugang zur Gesundheitsversorgung verbessern sich mit der Zeit
Copy link to Die Indikatoren für die Qualität und den Zugang zur Gesundheitsversorgung verbessern sich mit der ZeitGesundheitsindikatoren zeigen eine kontinuierliche Verbesserung der Qualität der Akutversorgung. Beispielsweise sind die Überlebenschancen nach einem Herzinfarkt oder Schlaganfall heute höher als noch vor zehn Jahren: Die 30-Tage-Sterblichkeitsrate nach einem Herzinfarkt verringerte sich zwischen 2013 und 2023 im Durchschnitt von 8,2 % auf 6,5 %. Bei ischämischen Schlaganfällen wurde ein Rückgang von 9,3 % auf 7,7 % verzeichnet.
Die primärmedizinische Versorgung trägt maßgeblich dazu bei, dass Menschen gesund bleiben und nicht ins Krankenhaus müssen. In den letzten zehn Jahren sind die vermeidbaren Krankenhauseinweisungen in 28 von 30 OECD-Ländern zurückgegangen. Die Zufriedenheit der Patient*innen mit den Leistungen der Primärversorgung ist hoch, auch bei Patient*innen mit komplexerem Versorgungsbedarf: Im Durchschnitt bewerteten 87 % der chronisch kranken Nutzer*innen der Primärversorgung ab 45 Jahren die von ihnen erhaltene Versorgung positiv, und 78 % hatten Vertrauen in die letzte medizinische Fachkraft, die sie aufgesucht hatten.
Die Leistungsfähigkeit des Gesundheitssystems kann weiter verbessert werden, obwohl höhere Gesundheitsausgaben nicht immer bessere Ergebnisse garantieren
Copy link to Die Leistungsfähigkeit des Gesundheitssystems kann weiter verbessert werden, obwohl höhere Gesundheitsausgaben nicht immer bessere Ergebnisse garantierenObwohl die meisten Länder über Gesundheitssysteme mit universellem Zugang für alle verfügen, bestehen weiterhin Zugangsprobleme. Wartezeiten stellen in mehreren Ländern nach wie vor eine politische Herausforderung dar. Die sozioökonomischen Unterschiede sind groß: Menschen im untersten Einkommensquintil geben 2,5-mal häufiger Versorgungsdefizite bei medizinischen Leistungen an als Menschen im obersten Einkommensquintil.
Die Patientensicherheit ist ein kritischer Aspekt – beispielsweise empfanden nur 44 % der Ärzt*innen und Pflegekräfte die Personalausstattung und das Arbeitstempo als sicher. Und obwohl sich die Verordnungspraxis in der Primärversorgung im Laufe der Zeit im Durchschnitt leicht verbessert hat, da weniger Antibiotika und Opioide verschrieben werden, waren diese Verbesserungen in den meisten Ländern nur geringfügig.
Insgesamt erzielen Länder mit höheren Gesundheitsausgaben bessere Gesundheitsergebnisse, dies ist aber nicht immer der Fall. Beispielsweise geben acht Länder einen unterdurchschnittlichen BIP-Anteil für Gesundheit aus, verzeichnen aber dennoch bessere (d. h. niedrigere) vermeidbare Sterblichkeitsraten.
Eine stärkere Fokussierung auf ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis ist für eine gesunde Bevölkerung und nachhaltige Gesundheitssysteme unerlässlich, wobei Präventionsmaßnahmen eine Schlüsselrolle zukommt
Copy link to Eine stärkere Fokussierung auf ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis ist für eine gesunde Bevölkerung und nachhaltige Gesundheitssysteme unerlässlich, wobei Präventionsmaßnahmen eine Schlüsselrolle zukommtDie Bekämpfung von Gesundheitsrisiken während des gesamten Lebenszyklus ist für langfristig bessere Gesundheit zu geringen Kosten von entscheidender Bedeutung. In mehr als vier Fünfteln der OECD-Länder steigen die Adipositasraten jedoch weiter an; im Durchschnitt sind 54 % der Erwachsenen übergewichtig, 19 % sogar adipös. Der Alkoholmissbrauch gibt Anlass zur Sorge. 27 % der Erwachsenen geben an, mindestens einmal im Monat exzessiv zu trinken. Obwohl die Raucherquote zurückgegangen ist, rauchen immer noch 15 % der Erwachsenen täglich, und die Zahl der E-Zigaretten-Konsumenten steigt.
Diese Risikofaktoren betreffen auch Kinder. Im OECD-Durchschnitt waren 20 % der 15-Jährigen übergewichtig oder adipös, 38 % hatten im letzten Monat Alkohol getrunken und 15 % bzw. 20 % rauchten mindestens einmal im Monat eine Zigarette oder E-Zigarette. Einige riskante Verhaltensweisen sind sogar in noch jüngeren Altersgruppen zu beobachten: Im Durchschnitt gaben 15 % der 13-Jährigen und 5 % der 11-Jährigen an, im letzten Monat Alkohol getrunken zu haben.
Viele Präventionsmaßnahmen und primärmedizinische Interventionen sind bei der Bekämpfung dieser Risiken äußerst kosteneffizient. Dennoch machten die Ausgaben für Prävention nur 3 % und die Ausgaben für die medizinische Primärversorgung 14 % der gesamten Gesundheitsausgaben im Jahr 2023 aus. Die Priorität, die sowohl der Prävention als auch der Primärversorgung bei der Ausgabenverteilung eingeräumt wird, ist seit einem Jahrzehnt weitgehend unverändert, und die Steigerung der Ausgaben für Prävention während der Pandemie hat sich als vorübergehend erwiesen.
Effizienzsteigerungen bei der Ressourcenverwendung sind unabdingbar. Dies könnte u. a. durch eine andere Zusammensetzung des Gesundheitspersonals erreicht werden, doch die Zahl der Pflegekräfte und Krankenpflegeschüler*innen ist langsamer gewachsen als die der Ärzt*innen und Medizinstudent*innen. Auch Innovationen bei der Leistungserbringung bergen ein großes Effizienzpotenzial, insbesondere durch den verstärkten Einsatz digitaler Gesundheitsdienste. Hier zeigen Indikatoren einige vielversprechende Entwicklungen auf: So nimmt beispielsweise die Bedeutung von Telekonsultationen weiter zu, die 2023 bereits 13 % aller Arztkonsultationen ausmachten.