Alkoholkonsum in jungem Alter hat gesundheitliche Folgen, die kurz-, mittel- und langfristig eintreten können, wie Unfälle, Verletzungen und Krankheiten. Der frühe Kontakt mit und wiederholte Konsum von Alkohol wird mit einer Verschlechterung der psychischen Gesundheit, wie Angstzuständen, einer Abnahme der kognitiven Funktionen und einem höheren Konsum im Erwachsenenalter assoziiert (Spear, 2018[11]).
2022 gaben im OECD-Durchschnitt 60 % der 15-Jährigen an, in ihrem Leben schon einmal Alkohol konsumiert zu haben, und 38 % gaben an, im letzten Monat Alkohol zu sich genommen zu haben (Abbildung 4.12). Der monatliche Alkoholkonsum beginnt in jungen Jahren: Im Durchschnitt gaben 5 % der 11-Jährigen und 15 % der 13-Jährigen an, im vergangenen Monat Alkohol getrunken zu haben. Die höchsten Quoten (10 % oder mehr) unter den 11-Jährigen wurden in Frankreich, Tschechien, Ungarn und dem Vereinigten Königreich sowie in den Beitrittsländern Bulgarien und Rumänien beobachtet. Bei den 15-Jährigen verzeichneten Dänemark, Italien und Deutschland die höchsten Quoten, hier gaben 55 % oder mehr an, im vergangenen Monat Alkohol getrunken zu haben. Zwischen 2018 und 2022 sank der Anteil der 15-Jährigen, die angaben, im vergangenen Monat Alkohol konsumiert zu haben, im OECD-Durchschnitt geringfügig von 39 % auf 38 %, während der Anteil der 11-Jährigen leicht von 4 % auf 5 % anstieg.
Wiederholte Trunkenheit im Jugendalter ist ein ernstes Problem: Etwa 22 % der 15-Jährigen gaben an, in ihrem Leben bereits mehr als einmal betrunken gewesen zu sein (Abbildung 4.13). Dieser Anteil erreichte in Dänemark und Ungarn sowie im Beitrittsland Bulgarien einen Höchstwert von über 35 %, gegenüber weniger als 10 % in Island, Portugal und Israel. Bei den erfassten Fällen von Trunkenheit war in den einzelnen Ländern kein geschlechtsspezifisches Muster festzustellen: 2022 waren Mädchen im Durchschnitt genauso häufig von Trunkenheit betroffen wie Jungen. Die Lebenszeitprävalenz von Alkoholmissbrauch unter Jugendlichen war im OECD-Durchschnitt rückläufig. Allerdings kam dieser Abwärtstrend bei den Jungen jüngst zum Stillstand (die Prävalenz verharrte 2019 und 2022 bei 22 %) und kehrte sich bei den Mädchen um (die Prävalenz stieg zwischen 2018 und 2022 von 19 % auf 22 %).
Um den Alkoholkonsum von Minderjährigen zu reduzieren, haben viele Länder regulatorische und präventive Strategien eingeführt, die darauf abzielen, die Verfügbarkeit von Alkohol zu begrenzen und die Werbung für Alkohol zu beschränken. Sie umfassen in der Regel Altersbeschränkungen für den Kauf von Alkohol, Beschränkungen für Verkaufsstellen, fiskalische Maßnahmen, Werbeverbote und Aufklärungsprogramme (OECD, 2021[8]). Irland verabschiedete 2018 den Public Health Alcohol Act, um den Alkoholkonsum zu reduzieren, den Einstieg in den Alkoholkonsum bei Kindern und Jugendlichen hinauszuzögern sowie Angebot und Preise zu regulieren. Seit Inkrafttreten des Gesetzes ist Alkoholwerbung an Orten, die von Kindern und Jugendlichen besucht werden – wie Schulen, Spielplätze und Bahnhöfe – sowie zu bestimmten Tageszeiten im Fernsehen verboten, damit Kinder und Jugendliche dieser Werbung weniger ausgesetzt sind.
Estland und Finnland haben die Alkoholwerbung in digitalen Medien gesetzlich eingeschränkt. Das finnische Alkoholkontrollgesetz (2015) verbietet die Verwendung von nutzergenerierten Inhalten zur Vermarktung von alkoholischen Getränken in sozialen Medien. Außerdem darf die Werbung sich nicht an Minderjährige richten oder Minderjährige beim Alkoholkonsum darstellen. In Estland wurde Alkoholwerbung durch das geänderte Werbegesetz von 2018 in sozialen Medien verboten. Eine Ausnahme bilden Websites und offizielle Social-Media-Konten von Alkoholhändler*innen (WHO, 2023[12]).
Belgien hat kürzlich einen neuen Aktionsplan gegen Alkoholmissbrauch verabschiedet, der den Zeitraum 2023–2025 abdeckt und darauf abzielt, die Verfügbarkeit von alkoholischen Getränken zu verringern. Der Plan verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz zur Alkoholprävention und umfasst Rechtsetzungsmaßnahmen, wie ein Verkaufsverbot von alkoholischen Getränken in Automaten, eine Verstärkung der Präventionsmaßnahmen und die Verbesserung der Behandlungs- und Betreuungsangebote.