Der Klimawandel ist eine der größten Herausforderungen für heutige und zukünftige Generationen. Er ist mit vielen verschiedenen Arten von Umweltbelastungen verbunden, darunter Luftverschmutzung, Temperaturanstieg und Extremwetterereignisse. In den OECD-Ländern wirkt sich der Klimawandel bereits heute auf die Gesundheit und das Wohlergehen der Bevölkerung aus und wird in den kommenden Jahren die Gesundheitssysteme zunehmend unter Druck setzen. Luftverschmutzung ist eine der Hauptursachen für Tod und Behinderung. Den Projektionen zufolge könnte die Außenluftverschmutzung bis 2060 weltweit jährlich zwischen 6 und 9 Millionen vorzeitige Todesfälle verursachen und infolge von Krankheitstagen, Arztrechnungen und einer verminderten Agrarproduktion 1 % des globalen BIP kosten (OECD, 2015[23]).
Im Durchschnitt der OECD-Länder war die Bevölkerung 2020 11,2 Mikrogramm Feinstaub (PM2,5) pro Kubikmeter ausgesetzt (Abbildung 4.25). Nur in einem Land – Finnland – lag die durchschnittliche PM2,5-Belastung 2020 unter dem Richtwert der WHO-Luftgüteleitlinien von 5 Mikrogramm pro Kubikmeter. Die Feinstaubbelastung in der Außenluft ging zwischen 2010 und 2020 in den meisten OECD-Ländern um durchschnittlich 24 % zurück, nahm jedoch in drei OECD-Ländern (Australien, Chile und Japan) in diesem Zeitraum zu. Die Maßnahmen zur Verringerung der Luftverschmutzung haben in vielen OECD-Ländern zwar zu einem deutlichen Rückgang der Zahl der durch Luftverschmutzung bedingten Todesfälle geführt, die Belastung durch Feinstaub in der Luft stellt jedoch nach wie vor ein großes Problem für die Umwelt und die öffentliche Gesundheit dar: Weltweit waren 2019 schätzungsweise 4,1 Millionen vorzeitige Todesfälle auf Feinstaubbelastung zurückzuführen (IHME, 2019[24]).
Zu den Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheitsergebnisse kommt hinzu, dass die Gesundheitssysteme selbst einen erheblichen Beitrag zu den Treibhausgasemissionen leisten. Eine neue OECD-Analyse zeigt, dass die Emissionen im Zusammenhang mit der Gesundheitsversorgung in den OECD-Ländern im Jahr 2018 durchschnittlich 4,4 % der gesamten Treibhausgasemissionen der Gesamtwirtschaft ausmachten, was mehr als 960 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalenten (CO2-Äq.) entspricht (Abbildung 4.26). Im OECD-Durchschnitt entfielen 2018 auf Pro-Kopf-Basis 523 Kilogramm CO2-Äq.-Emissionen auf die Gesundheitsversorgung. Hinter diesem Durchschnittswert verbirgt sich eine 15-fache Variationsbreite zwischen den einzelnen Ländern: Die CO2-e-Emissionen reichen von 1 430 kg in den Vereinigten Staaten bis zu 95 kg in Kolumbien.
Im OECD-Raum und darüber hinaus werden sich die Länder zunehmend der Rolle bewusst, die der Gesundheitssektor bei der Reduzierung seines ökologischen Fußabdrucks, einschließlich der Treibhausgasemissionen, spielen kann (OECD, 2025[25]). Eine Umgestaltung der Gesundheitsversorgung zur Minderung der Treibhausgasemissionen – z. B. durch Maßnahmen, die geringwertige Gesundheitsleistungen reduzieren – könnte dazu beitragen, die Treibhausgasemissionen zu senken und zugleich Verschwendung im Gesundheitssystem zu verringern. Es entstehen nationale und internationale Initiativen, die darauf abzielen, Lieferketten zu dekarbonisieren und Standards für eine umweltfreundliche Beschaffung von Gesundheitsprodukten und -dienstleistungen einzuführen.