Übergewicht und Adipositas zählen zu den größten Risikofaktoren für nicht übertragbare Krankheiten, die weltweit zu einer zunehmenden Belastung werden. Bei übergewichtigen oder adipösen Personen ist die Gefahr von Typ–2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Fettleber, bestimmten Krebsarten und Demenz größer. Adipositas kostet viele Lebensjahre. Projektionen zufolge werden bis 2050 in den OECD-, G20- und EU-Ländern rd. 92 Millionen vorzeitige Todesfälle durch Krankheiten in Verbindung mit Adipositas zu verzeichnen sein (OECD, 2019[18]). Die Adipositasraten korrelieren mit sozioökonomischen Gradienten, d. h., Personen mit niedrigerem Einkommen sind einem höheren Risiko ausgesetzt. Dies ist teilweise dadurch bedingt, dass sie in einem Adipositas begünstigenden Umfeld leben, das den Konsum von energiedichten Lebensmitteln, trans- und gesättigten Fettsäuren sowie einen sitzenden Lebensstil fördert.
In 32 OECD-Ländern, die auf Eigenangaben beruhende Daten zu Körpergröße und Gewicht erheben, sind die Adipositasraten in den letzten zwanzig Jahren gestiegen. Im OECD-Durchschnitt nahm der Anteil der Adipösen an der Bevölkerung zwischen 2003 und 2023 von 13 % auf 19 % zu (Abbildung 4.20). Die Länder, die in diesem Zeitraum den höchsten Anstieg der Adipositasraten verzeichneten, sind Chile, Finnland und die Vereinigten Staaten sowie das Beitritts-/Partnerland Brasilien (mit einem Plus von über 10 Prozentpunkten). Der geringste Anstieg (um 1–2 Prozentpunkte) wurde dagegen in Island, Portugal, Spanien und Tschechien verzeichnet. In Australien, Chile, Finnland, den Niederlanden und Norwegen sind die Adipositasraten zwischen 2013 und 2023 rascher gestiegen als im Zeitraum 2003–2013.
2023 waren mehr als die Hälfte der Personen ab 15 Jahren im OECD-Raum übergewichtig oder adipös. Im Durchschnitt von 32 OECD-Ländern, für die Eigenangaben zu Größe und Gewicht vorliegen, waren 54 % der Bevölkerung ab 15 Jahren übergewichtig oder adipös und 19 % waren 2023 bzw. im letztverfügbaren Jahr adipös (Abbildung 4.21). Männer waren in allen Ländern mit höherer Wahrscheinlichkeit übergewichtig oder adipös als Frauen, außer in Chile, wo die Genderdifferenz minimal ist. Besonders groß waren die geschlechtsspezifischen Unterschiede mit durchschnittlich rd. 18–20 Prozentpunkten in Deutschland, Island, Korea, Luxemburg, der Schweiz und Tschechien sowie im Beitrittsland Bulgarien.
Die Messungen von Körpergröße und Gewicht liefern trotz eines unvollständigen Datensatzes genauere und verlässlichere Informationen über die Raten von Übergewicht und Adipositas in den einzelnen Ländern. In den 13 OECD-Ländern, für die entsprechende Messdaten vorliegen, waren 2023 oder im letztverfügbaren Jahr 60 % der Bevölkerung ab 15 Jahren übergewichtig oder adipös und 26 % adipös (Abbildung 4.22). In 11 OECD-Ländern waren über 50 % der Bevölkerung ab 15 Jahren übergewichtig oder adipös. In Ländern wie Finnland, Mexiko und den Vereinigten Staaten betrug dieser Anteil mindestens 70 %. Umgekehrt waren in Japan und Korea weniger als 40 % der Bevölkerung übergewichtig oder adipös. Im Ländervergleich waren Männer durchweg mit größerer Wahrscheinlichkeit übergewichtig oder adipös als Frauen, Mexiko und das Beitrittsland Peru zählen zu den wenigen Ausnahmen. Besonders groß waren die geschlechtsspezifischen Unterschiede in Irland, Kanada, Korea und Ungarn.
Die OECD-Mitgliedsländer haben ihre Politikanstrengungen verstärkt, um die wachsenden Gesundheitsprobleme im Zusammenhang mit Übergewicht und Adipositas anzugehen. Angesichts der Tatsache, dass die Kosten von Adipositas im OECD-Raum rd. 8 % der gesamten Gesundheitsausgaben und 3,3 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) ausmachen, sind sich die Länder des dringenden Handlungsbedarfs bewusst (OECD, 2019[18]). Zu den wirkungsvollsten und am weitesten verbreiteten Initiativen zählen Massenmedien und Aufklärungskampagnen, Lebensmittelkennzeichnungen, Steuern auf energiedichte Lebensmittel und zuckerhaltige Erfrischungsgetränke sowie Vereinbarungen mit der Lebensmittelindustrie zur Verbesserung des Nährwerts von Produkten. Ebenso wichtig sind die raschen Fortschritte bei der Entwicklung von Medikamenten gegen Adipositas, wie Glucagon-like Peptide–1 Rezeptor-Agonisten (GLP–1 RAs). Diese ursprünglich für Diabetes entwickelten Medikamente haben sich für Gewichtsverlust und die Linderung von Komorbiditäten im Zusammenhang mit Adipositas als wirksam erwiesen, obwohl ihre Langzeitfolgen noch nicht bekannt sind. Eine wachsende Zahl von OECD-Ländern erwägt, sie in ihre nationalen Strategien zur Bekämpfung von Adipositas einzubeziehen (OECD, erscheint demnächst[20]).