Schädlicher Alkoholkonsum stellt eine ernsthafte Bedrohung der öffentlichen Gesundheit dar und kann zu zahlreichen chronischen Erkrankungen und Verletzungen sowie zu Alkoholabhängigkeit führen. Ganz konkret ist Alkoholkonsum mit einem erhöhten Risiko für bestimmte Krebsarten verbunden – insbesondere Mund-, Kehlkopf-, Leber-, Darm- und Brustkrebs. Bei stark Trinkenden ist das Krebsrisiko höher als bei Nichttrinkenden (NCI, 2025[7]). Alkoholbedingte Schäden stellen eine beachtliche wirtschaftliche Belastung für die Länder dar. Schätzungen zufolge machen sie 2,4 % der jährlichen Gesundheitsausgaben in den OECD-Ländern aus (OECD, 2021[8]).
Der Alkoholkonsum variiert in den OECD-Ländern stark. 2023 lag der jährliche Pro-Kopf-Alkoholkonsum im OECD-Raum bei durchschnittlich 8,5 Litern reinem Alkohol (Abbildung 4.10). In Ländern mit dem geringsten Konsum, darunter Türkiye und das Beitrittsland Indonesien, waren es im Durchschnitt weniger als 2 Liter jährlich. Dagegen lag der Wert in Ländern mit dem höchsten Verbrauch, wie Lettland, Portugal und dem Beitrittsland Rumänien, bei über 11,5 Litern pro Jahr. Nahezu ein Drittel der OECD-Länder verzeichnete einen Pro-Kopf-Konsum von mindestens 10 Litern.
In den meisten Ländern ist der Alkoholkonsum in den letzten zehn Jahren zurückgegangen. Zwischen 2013 und 2023 meldeten Belgien und Litauen sowie das Partnerland China mit einer Reduzierung um mindestens 2,5 Liter den stärksten Rückgang des Alkoholkonsums. Die größten Zuwächse wurden dagegen in Mexiko, Portugal und Spanien sowie im Beitrittsland Rumänien verzeichnet, wo der jährliche Pro-Kopf-Alkoholkonsum in diesem Zeitraum um mindestens 2 Liter zunahm.
Starker episodischer Alkoholkonsum ist ein sehr riskantes Trinkverhalten, bei dem große Mengen Alkohol in kurzer Zeit konsumiert werden. 2023 gaben im Durchschnitt der 27 OECD-Länder, für die Daten vorliegen, 27 % der Personen ab 15 Jahren an, im vergangenen Jahr mindestens einmal im Monat episodisch risikoreich getrunken zu haben (Abbildung 4.11). Die höchsten Quoten wurden in Griechenland, Irland und Schweden verzeichnet, wo mehr als 40 % der Personen monatliches Rauschtrinken angaben. Ungarn, Israel und Slowenien sowie das Beitrittsland Kroatien verzeichneten die niedrigsten Quoten (unter 15 %).
Um gegen schädlichen Alkoholkonsum vorzugehen, bedarf es eines gesamtgesellschaftlichen Ansatzes, da anerkannt ist, dass nicht nur der Staat, sondern alle Akteure, darunter die Zivilgesellschaft und der private Sektor, einen Beitrag zur Verbesserung der Gesundheitsergebnisse im Zusammenhang mit schädlichem Alkoholkonsum leisten können. Verschiedene Maßnahmen, die von bevölkerungsweiten Initiativen für alle Alkoholkonsument*innen bis hin zu gezielten Maßnahmen für Personen mit schädlichem Trinkverhalten reichen, können Auswirkungen auf die Gesundheitsergebnisse haben (OECD, 2021[8]). Die OECD-Länder haben Maßnahmen umgesetzt, um die Zugänglichkeit und Verfügbarkeit von Alkohol zu reduzieren – wie z. B. Werbebeschränkungen oder -verbote an bestimmten Orten wie Kinos – oder vollständige Werbeverbote wie in Norwegen. Um Alkohol weniger erschwinglich zu machen, haben einige Länder einen Mindestpreis je „Einheit“ Alkohol eingeführt und zusätzlich zur Steuer einen Mindestpreis je Standardeinheit festgelegt. Irland etablierte 2022 einen Mindestpreis je Maßeinheit, damit ein Standardgetränk mindestens 1 EUR kostet. Schottland und Wales führten im Vereinigten Königreich einen vergleichbaren Mindestpreis je Maßeinheit für alkoholische Getränke ein (Sheffield Addictions Research Group, o. J.[9]). Zusätzliche Maßnahmen, wie öffentliche Kampagnen und Warnhinweise, sollen das Risikobewusstsein stärken. In Irland wurde vor Kurzem ein Gesetz verabschiedet, das ab 2028 verpflichtend Warnhinweise auf allen alkoholischen Getränken vorsieht.