Übergewicht und Adipositas stellen eine große Belastung für die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen dar. Sie sind erwiesenermaßen Risikofaktoren für viele chronische Erkrankungen – wie z. B. Insulinresistenz und Atemwegserkrankungen – und können die Lebenserwartung verringern, da negative Auswirkungen auf die Gesundheit häufig bis ins Erwachsenenalter andauern. In den letzten Jahrzehnten war in vielen Ländern bei Kindern und Jugendlichen ein Anstieg der Übergewichts- und Adipositasraten zu beobachten, der vor allem auf Veränderungen im Gesundheitsverhalten – insbesondere schlechte Ernährungsgewohnheiten und unzureichende körperliche Aktivität – zurückzuführen war (OECD, 2019[18]).
2022 war im OECD-Durchschnitt jeder fünfte 15-Jährige übergewichtig oder adipös (Abbildung 4.23). Die niedrigsten Raten wurden in den Niederlanden und Dänemark beobachtet, wo 14–15 % der Jugendlichen übergewichtig oder adipös waren. Die höchsten Raten waren dagegen in Griechenland, Kanada und Ungarn zu beobachten, wo mindestens 25 % der Jugendlichen als übergewichtig oder adipös gelten. Es besteht ein großer geschlechtsspezifischer Unterschied: In allen Ländern sind Jungen (25 %) stärker von Übergewicht und Adipositas betroffen als Mädchen (16 %). Die Genderdifferenzen sind in einigen Ländern erheblich: In 5 von 27 Ländern sind die Übergewichts- und Adipositasraten bei Jungen um mindestens 50 % höher als bei Mädchen.
Die Übergewichts- und Adipositasraten sind in den meisten Ländern im Zeitverlauf gestiegen. Zwischen 2014 und 2022 wurde in fast 50 % der OECD-Länder ein Anstieg der Übergewichts- und Adipositasraten Jugendlicher (um mehr als 3 Prozentpunkte) beobachtet. Am größten war die Zunahme in Österreich und Litauen sowie im Beitrittsland Kroatien. Im Länderdurchschnitt stieg die Prävalenz von Übergewicht und Adipositas unter Jugendlichen zwischen 2014 und 2022 bei Jungen von 22 % auf 25 % und bei Mädchen von 13 % auf 16 %.
Übergewicht und Adipositas bei Jugendlichen werden durch soziale Bestimmungsfaktoren beeinflusst – darunter insbesondere der sozioökonomische Status der Familie. 2022 waren die Übergewichts- und Adipositasraten bei Kindern und Jugendlichen aus den ärmsten Familien höher als bei Kindern und Jugendlichen aus den wohlhabendsten Familien. Es gibt nach wie vor erhebliche Disparitäten: In den OECD-Ländern sind die Übergewichts- und Adipositasraten in der Gruppe der 11-, 13- und 15-Jährigen in den ärmsten Familien um 60 % höher (Abbildung 4.24). Zu den Ländern mit den größten Unterschieden zählen Dänemark und Belgien sowie das Beitrittsland Bulgarien. Hier ist die Prävalenz von Übergewicht und Adipositas in den ärmsten Familien mindestens doppelt so hoch wie in den wohlhabendsten Familien. In Dänemark und Belgien ist die Prävalenz von Übergewicht und Adipositas allerdings auch unterdurchschnittlich.
Um gegen Übergewicht und Adipositas bei Jugendlichen anzugehen, haben sich viele Länder für eine Reihe von Strategien entschieden, die darauf abzielen, die Ernährung und die körperliche Aktivität zu verbessern und Anreize für einen gesünderen Lebensstil zu bieten. Als Reaktion auf die steigenden Adipositasraten hat Irland den Obesity Policy and Action Plan 2016–2025 umgesetzt, der multisektorale Maßnahmen umfasst– darunter eine Beschränkung der Werbung für ungesunde Lebensmittel und Getränke für Kinder, die Einbeziehung der Ernährungswirtschaft, insbesondere durch die Neuformulierung von verarbeiteten Lebensmitteln, familienorientierte Sensibilisierungskampagnen und gemeindebasierte Gesundheitsförderungsprogramme sowie die Stärkung der medizinischen Grundversorgung für die Prävention und das Management von Adipositas bei Kindern (Department of Health, 2016[21]). Frankreich führt nach und nach in den einzelnen Regionen das Programm „Mission: Retrouve ton cap“ durch, das übergewichtigen und adipösen Kindern und Jugendlichen bis zu zwei Jahre lang kostenlose Gesundheitsleistungen sowie ernährungsbezogene und psychologische Unterstützung bietet (Assurance Maladie, 2023[22]).