Rauchen ist für zahlreiche Krankheiten verantwortlich, darunter einige Krebsarten sowie Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen. Viele fangen in der Adoleszenz und im frühen Erwachsenenalter mit dem Rauchen an. Je früher der Tabakkonsum beginnt, desto größer ist das Abhängigkeitsrisiko. Obwohl das gesetzliche Mindestalter für den Tabakverkauf in den meisten OECD-Ländern zwischen 18 und 21 Jahren liegt, findet der erste Kontakt mit der Zigarette in vielen Ländern generell vor dem Alter von 18 Jahren statt (Reitsma et al., 2021[5]).
2022 gaben im OECD-Durchschnitt 15 % der 15-Jährigen an, im vorangegangenen Monat mindestens einmal Zigaretten geraucht zu haben (Abbildung 4.7). Einen Höchstwert erreichte dieser Anteil mit mehr als 25 % in Ungarn und Italien sowie in den Beitrittsländern Bulgarien und Kroatien, gegenüber weniger als 10 % in Island, Kanada, Irland, Norwegen und Portugal. Im OECD-Durchschnitt gaben 2022 geringfügig mehr Mädchen (15 %) als Jungen (14 %) an, zu rauchen.
Seit 2014 sind die Raucherquoten der 15-Jährigen in 27 von 28 OECD-Ländern zurückgegangen. Allerdings war der Rückgang im Zeitraum 2014–2018 generell deutlicher als zwischen 2018 und 2022. Diese Verlangsamung ist z. T. der Coronapandemie und dem zunehmenden Gebrauch von E-Zigaretten zuzuschreiben.
Gleichzeitig hat der Konsum von E-Zigaretten bei 15-Jährigen zugenommen. Der E-Zigaretten-Konsum von Jugendlichen ist insofern ein besorgniserregender Trend, als nachweislich die Gefahr besteht, dass er bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen den Einstieg ins Rauchen fördert (O’Brien et al., 2021[6]). 2022 gaben im OECD-Durchschnitt 20 % der 15-Jährigen an, im vorangegangenen Monat eine E-Zigarette konsumiert zu haben (Abbildung 4.8). In Ländern wie Litauen, Ungarn und Polen sowie im Beitrittsland Bulgarien übersteigt der E-Zigarettenkonsum 30 %, gegenüber weniger als 10 % in Portugal und den Niederlanden. In den meisten Ländern ist der E-Zigarettenkonsum bei Mädchen (21 %) stärker verbreitet als bei Jungen (18 %). Besonders groß ist die Genderlücke in Estland, Irland und dem Vereinigten Königreich.
Die OECD-Länder haben ein breites Spektrum an Maßnahmen ergriffen, die den Tabakkonsum unter jungen Menschen wirkungsvoll verringert haben. Dazu gehören die Anhebung des gesetzlichen Mindestalters für den Kauf von Tabakwaren, die Erhöhung der Tabaksteuer, die Einführung von Rauchverboten an öffentlichen Orten und Werbebeschränkungen. Um dem steigenden E-Zigarettenkonsum von Jugendlichen entgegenzuwirken, haben die Länder jüngst zahlreiche Vorschriften verschärft: das Verbot von E-Zigaretten in öffentlichen Innenräumen, Werbebeschränkungen sowie Produktstandards wie Gesundheitswarnungen und Etikettierung. Mehrere Länder – darunter Belgien, Frankreich und das Vereinigte Königreich – haben außerdem Verkaufsverbote für Einweg-E-Zigaretten erlassen, die bei jüngeren Nutzern besonders beliebt sind. In dem Bestreben, eine rauchfreie Generation zu schaffen, hat das Vereinigte Königreich einen neuen Gesetzentwurf zur Eindämmung des Tabak- und Vape-Konsums vorgelegt. Dieser sieht u. a. ein altersbasiertes schrittweise steigendes Tabak-Verkaufsverbot und eine Ausdehnung des Rauchverbots im Freien vor (z. B. rund um Schulen und Krankenhäuser).
Beim Cannabiskonsum ist ein weiterer Trend substanzbezogenen Risikoverhaltens bei Jugendlichen festzustellen. 2022 gaben im OECD-Durchschnitt 7 % der 15-Jährigen an, im Vormonat mindestens einmal Cannabis konsumiert zu haben (Abbildung 4.9). Dieser Anteil reichte von über 10 % der Jugendlichen in Kanada, Polen und Italien sowie dem Beitrittsland Bulgarien bis zu weniger als 5 % in Island, Portugal und Dänemark sowie dem Beitrittsland Rumänien. Der Cannabiskonsum von 15-Jährigen ist seit 2014 zwar in etwa 40 % der OECD-Länder gesunken, im selben Zeitraum aber auch in über 50 % der Länder gestiegen. Frankreich, Dänemark und Spanien verzeichneten den deutlichsten Rückgang, Österreich, Finnland und Schweden dagegen den größten Anstieg. Die Prävalenz des Cannabisgebrauchs lässt geschlechtsspezifische Unterschiede erkennen: Jungen geben mit größerer Wahrscheinlichkeit (8 %) als Mädchen (6%) an, Cannabis konsumiert zu haben. Die OECD-Länder haben verschiedene Präventivmaßnahmen eingeführt, um den Cannabiskonsum bei Jugendlichen zu reduzieren, wie z. B. öffentliche Aufklärungskampagnen oder gesetzliche Altersbeschränkungen für den Besitz oder Kauf von Cannabis.