Ernährung und körperliche Aktivität sind das Herzstück eines gesunden Lebensstils. Die Gesundheitsergebnisse im Kindes- und Erwachsenenalter stehen damit in engem Zusammenhang. Eine gesunde Ernährung und regelmäßige körperliche Aktivität können das Risiko der Entwicklung chronischer Erkrankungen wie Adipositas, Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen verringern. Die globalen Empfehlungen für Kinder und Jugendliche umfassen die tägliche Aufnahme von Obst und Gemüse (wobei die Mengen je nach Alter variieren, für Kinder ab 10 Jahren werden beispielsweise mindestens 400 Gramm Gemüse pro Tag empfohlen) und mindestens eine Stunde körperliche Aktivität mit moderater bis hoher Intensität pro Tag sowie mindestens dreimal pro Woche intensive Ausdauerbelastungen und kräftigende Aktivitäten (WHO, 2023[16]; WHO, 2020[17]).
Im OECD-Durchschnitt ist der Anteil der Jugendlichen, die angeben, täglich mindestens eine Stunde eine moderate bis intensive körperliche Aktivität durchzuführen, seit 2014 insgesamt unverändert geblieben, wobei nur 15 % der 15-Jährigen diese täglichen Empfehlungen einhalten (Abbildung 4.17). In diesem Zeitraum ist der Anteil der Jugendlichen, die sich an die Empfehlungen zu körperlicher Aktivität halten, in sieben OECD-Ländern gestiegen und in vier OECD-Ländern (um über 3 Prozentpunkte) gesunken. 2022 erfüllten mehr als 20 % der Jugendlichen in Finnland, Kanada und Ungarn die Empfehlungen für körperliche Aktivität, verglichen mit weniger als 10 % in Italien und Israel.
Ein Überblick über die Trends bei der körperlichen Aktivität von Jugendlichen im Alter von 11, 13 und 15 Jahren zeigt in allen Altersgruppen und im Zeitverlauf fortbestehende Disparitäten zwischen Mädchen und Jungen. Der Anteil der Jungen, die Empfehlungen für körperliche Aktivität erfüllen, ist im Durchschnitt in allen drei Altersgruppen 1,6-mal höher als der der Mädchen.
Die Essgewohnheiten haben sich im Lauf der Zeit generell verbessert. Im OECD-Durchschnitt sank der Anteil der Jugendlichen, die nicht täglich Gemüse essen, zwischen 2014 und 2022 von 68 % auf 64 % (Abbildung 4.18). Obwohl in diesem Zeitraum mehr als die Hälfte der OECD-Länder einen Rückgang (um über 3 Prozentpunkte) verzeichnete, essen in der Hälfte der OECD-Länder immer noch über zwei Drittel der Jugendlichen nicht täglich Gemüse.
Die Prävalenzraten des täglichen Konsums von zuckerhaltigen Getränken sind bei Jugendlichen in 22 von 28 OECD-Ländern mit der Zeit zurückgegangen. Am stärksten war der Rückgang in Ländern wie die Niederlande, Polen und Spanien. 2022 gaben 13 % der Jugendlichen an, täglich zuckerhaltige Getränke zu konsumieren, gegenüber einem OECD-Durchschnitt von 18 % 2014 (Abbildung 4.19). In einigen Ländern sind die Prävalenzraten jedoch gestiegen. Hierzu gehört insbesondere Finnland, wo sich der Anteil der Jugendlichen, die täglich zuckerhaltige Getränke konsumieren, seit 2014 verdoppelt hat, wenngleich er weiterhin zu den niedrigsten im OECD-Raum zählt.
Um ungesunden Lebensgewohnheiten entgegenzuwirken, haben die OECD-Länder eine Reihe von Politikmaßnahmen eingeführt, die darauf ausgerichtet sind, die Gesundheitsinformation und -erziehung zu verbessern, eine gesündere Ernährung zu fördern und Werbung für ungesunde Lebensmittel einzuschränken. 2019 gab es in der überwiegenden Mehrheit der OECD-Länder in den Schulen Aufklärungsprogramme für Kinder zu Ernährung und/oder körperlicher Aktivität. 24 OECD-Länder hatten verbindliche Ernährungsrichtlinien für die Verpflegung in Schulen eingeführt (OECD, 2019[18]). Um einen gesünderen Lebensstil für Kinder und Jugendliche zu ermöglichen, bedarf es eines Multi-Setting-Ansatzes, der über die Schulen hinausgeht und sich auch auf lokale Gemeinschaften und öffentliche Einrichtungen erstreckt. Die Niederlande führten 2010 beispielsweise die nationale Initiative Jongeren op Gezond Gewicht (JOGG) ein – eine multisektorale, gemeindebasierte Strategie zur Schaffung eines gesünderen Umfelds für Kinder und Jugendliche. Evaluierungen zeigen, dass die JOGG-Initiative das Gesundheitsverhalten von Kindern effektiv verbessern und zur Verringerung von Übergewicht und Adipositas beitragen kann (OECD, 2022[19]). Mehrere Länder haben Maßnahmen ergriffen, um Kinder und Jugendliche von Werbung für ungesunde Lebensmittel weitestmöglich fernzuhalten. Das Vereinigte Königreich hat vor Kurzem ein Gesetz verabschiedet, das Werbung für zu fette, zu süße und zu salzige Lebensmittel im Fernsehen zu bestimmten Tageszeiten und im Internet generell untersagt. Diese Maßnahme zielt darauf ab, die Ernährung von Kindern zu verbessern und ernährungsbedingten chronischen Erkrankungen wie Adipositas vorzubeugen.