Im Einklang mit Schritt 2 des Due-Diligence-Rahmens der OECD wird in diesem Kapitel erläutert, wie Unternehmen ein Gesamtbild ihrer Kakaolieferkette erstellen können, um potenzielle und tatsächliche negative Auswirkungen auf die Menschenrechte, wie Kinder- und Zwangsarbeit, zu ermitteln, zu bewerten und zu priorisieren.
Unternehmenshandbuch zu Sorgfaltspflichten im Kakaosektor
Schritt 2: Die Risiken von Kinder- und Zwangsarbeit in der Lieferkette ermitteln, bewerten und priorisieren
Copy link to Schritt 2: Die Risiken von Kinder- und Zwangsarbeit in der Lieferkette ermitteln, bewerten und priorisierenAbstract
Strategische Fragen für Unternehmen
Copy link to Strategische Fragen für UnternehmenHaben Sie ein Mapping Ihrer Kakaolieferkette erstellt, um Ihre wichtigsten Geschäftsbeziehungen zu ermitteln?
Kennen Sie die genauen Bedingungen, unter denen Ihre Kakaobohnen/gemahlenen Bohnen geerntet, verarbeitet und transportiert werden?
Haben Sie die Risikomanagementpraktiken der Zulieferer in der Kakaolieferkette überprüft, bei denen das Risiko von Kinder- und Zwangsarbeit besteht?
Für Hersteller, Marken, Einzelhändler (und in manchen Fällen Verarbeiter): Haben Sie die „Kontrollpunkte“ in der Kakaolieferkette ausfindig gemacht? Können Sie an diese Kontrollpunkte herantreten, um zu überprüfen, ob sie die Sorgfaltspflichten gemäß den OECD-Empfehlungen erfüllen?
Für Verarbeiter (falls zutreffend), Händler, Vertreiber, Transporteure, landwirtschaftliche Betriebe und Genossenschaften: Wissen Sie, woher Ihre Kakaobohnen und Rohstoffe über Ihren unmittelbaren Zulieferer hinaus stammen – z. B. aus welchen Ländern, von welchen landwirtschaftlichen Betrieben, von welchen Zwischenhändlern?
Erfolgt die nach der Ermittlung der Risiken durchgeführte Bewertung und Priorisierung der negativen Auswirkungen auf die Menschenrechte auf Basis der Wahrscheinlichkeit und des Schweregrads oder wird der Schwerpunkt darauf gelegt, welche Auswirkungen sich am einfachsten beheben lassen?
Bezieht Ihr Unternehmen relevante Akteure ein, um den lokalen Kontext und die Rolle dieser Akteure bei der Ermittlung und Bewertung von menschenrechtlichen Risiken, wie insbesondere Kinder- und Zwangsarbeit, zu verstehen?
Tatsächliche und potenzielle negative menschenrechtliche Auswirkungen im Zusammenhang mit Geschäftstätigkeiten, Produkten oder Dienstleistungen des Unternehmens ermitteln und bewerten
Copy link to Tatsächliche und potenzielle negative menschenrechtliche Auswirkungen im Zusammenhang mit Geschäftstätigkeiten, Produkten oder Dienstleistungen des Unternehmens ermitteln und bewertenEin Mapping der Lieferkette erstellen
Unternehmen sollten ein präzises Mapping der Lieferkette erstellen und dieses fortlaufend verbessern und vervollständigen. Ein derartiges präzises Mapping umfasst die verschiedenen beteiligten Akteure und gegebenenfalls auch die Namen der unmittelbaren Zulieferer und Geschäftspartner sowie der Standorte.
Das Mapping kann durch Daten und Informationen aus Zertifizierungs- und Rückverfolgungssystemen, Unternehmenszertifizierungen, öffentlich zugänglichen Zusammenfassungen von Auditberichten und Besuchsregistern von Standorten der Kakaoproduktion, -verarbeitung oder -lagerung ergänzt werden. Der Umfang der von Unternehmen über Geschäftspartner erfassten Informationen hängt vom Schweregrad der Risiken (hoch im Fall von Kinder- und Zwangsarbeit) und dem Zusammenhang zwischen dem Unternehmen und dem ermittelten Risiko ab.
Vorgelagert vs. nachgelagert: In den OECD-Empfehlungen zur Erfüllung der Sorgfaltspflichten in der Lieferkette werden entlang der Lieferkette tätige Unternehmen im Allgemeinen in vorgelagerte und nachgelagerte Unternehmen unterteilt. Im Agrarsektor werden Produktionsunternehmen als vorgelagerte Unternehmen betrachtet. Wie bereits erwähnt, handelt es sich dabei u. a. um landwirtschaftliche Unternehmen (einschl. kleiner bis großer Familienbetriebe), Bauernverbände (oder -vereinigungen), Genossenschaften und private Unternehmen sowie Unternehmen, die in Land investieren und das Management landwirtschaftlicher Betriebe oder Plantagen übernehmen. Alle anderen Unternehmen – Großhändler, Händler, Transportunternehmen, Lebensmittel-, Futtermittel- und Getränkehersteller, Textil- und Biokraftstoffhersteller sowie Einzelhändler und Supermärkte – gelten als Unternehmen im nachgelagerten Segment der Lieferkette.1 Diese Unterscheidung trifft möglicherweise nicht auf alle Unternehmen im Kakaosektor zu. Während Landwirt*innen und Genossenschaften im Allgemeinen als vorgelagerte Akteure und Hersteller, Marken und Einzelhändler als nachgelagerte Akteure betrachtet werden, können Verarbeiter (Veredler und Mahler), Händler, Vertreiber und Transporteure je nach Geschäftsmodell und Standort manchmal der einen oder der anderen dieser Kategorien zugeordnet werden. In diesem Handbuch sind die verschiedenen Arten von Unternehmen aufgeführt, für die die Empfehlungen gelten.
Nachgelagerte Unternehmen (wie z. B. Hersteller, Marken und Einzelhändler sowie in einigen Fällen Verarbeiter), die mehrere Stufen von der Quelle der Kakaoproduktion entfernt sind, sind anfangs möglicherweise nicht in der Lage, ein Mapping aller Zulieferer und Geschäftspartner zu erstellen. Hierfür kann es erforderlich sein, mit den Tier-1- und Sub-Tier-Zulieferern sowie mit Multi-Stakeholder- oder Brancheninitiativen zusammenzuarbeiten. Nachgelagerte Unternehmen sollten systematisch darum bemüht sein, sich ein vollständiges Bild ihrer Geschäftsbeziehungen zu verschaffen, mit prioritärem Blick auf den Kakao aus Ländern, Regionen und Gemeinden, in denen das Risiko von Kinderarbeit und/oder Zwangsarbeit am höchsten ist.
Landwirtschaftliche Betriebe und Genossenschaften sollten in der Lage sein, den Namen der produzierenden Einheit und/oder Genossenschaft, die Adresse und Bezeichnung des Standorts, die Kontaktdaten der Betriebsleitung, die Kakaomenge, die Herstellungsdaten und -methoden, die Zahl der Beschäftigten nach Alter und Geschlecht, eine Liste der Risikomanagementpraktiken, die Transportwege und die durchgeführten Risikobewertungen anzugeben.
Verarbeiter, Transporteure, Händler und Vertreiber können die oben genannten Informationen von den Erzeugern anfordern und sollten ähnliche Informationen für ihre eigene Geschäftstätigkeit liefern. Wenn entsprechende Informationen fehlen, sollten Anstrengungen unternommen werden, um diese in Zusammenarbeit mit den landwirtschaftlichen Betrieben und Genossenschaften zusammenzutragen. Die Überprüfung der Informationen sollte nach Möglichkeit durch Besuche vor Ort erfolgen. Mehrere große Kakaohändler nutzen die GPS-Technologie (Global Positioning System), um die Koordinaten von landwirtschaftlichen Betrieben und Genossenschaften in Hochrisikoländern zu ermitteln. Nach abgeschlossenem Mapping können diese Informationen genutzt werden, um auf regionaler und kommunaler Ebene spezifischere Risikofaktoren für Kinderarbeit und Zwangsarbeit sowie andere bedeutende Risiken, wie Entwaldung, zu erkennen.
Hersteller, Marken und Einzelhändler sollten die von den vorgelagerten Geschäftspartnern weitergegebenen Informationen in ihr Lieferkettenmapping einbeziehen. Die nachgelagerten Unternehmen sollten die an Kontrollpunkten der Lieferkette tätigen Unternehmen ausfindig machen und mit ihnen zusammenarbeiten, um zu überprüfen, ob diese Unternehmen ihre Sorgfaltspflichten im Einklang mit den OECD-Empfehlungen erfüllen.
Kontrollpunkte sind Unternehmen, die an wichtigen Transformationspunkten in der Lieferkette, wie beispielsweise Verarbeitung, tätig sind und mehr Einblick sowie größere Einflussmöglichkeiten gegenüber ihren vorgelagerten Zulieferern in der Lieferkette haben.2 Kontrollpunkte befinden sich in der Regel in dem Teil der Lieferkette, in dem relativ wenige Akteure die größte Menge eines bestimmten Rohstoffs verarbeiten. Sie haben einen guten Einblick in die Herstellungs- und Handelsbedingungen in der vorgelagerten Lieferkette. Bei den Kontrollpunkten in der Kakaolieferkette kann es sich um Händler, Kakaomahler, Exporteure oder Importeure handeln.
Risiken und Effekte in jedem Teil der Lieferkette ermitteln
Nach dem Mapping der Lieferkette sollten die Unternehmen die wichtigsten menschenrechtlichen Risiken und Auswirkungen entlang der Lieferkette ermitteln. Abbildung 6 enthält ein vereinfachtes Schema der Kakaolieferkette und veranschaulicht die Stellen in der Lieferkette, an denen menschenrechtliche Risiken, wie Kinderarbeit und Zwangsarbeit, in der Regel auftreten.
Abbildung 6. Menschenrechtliche Risiken in der Kakaolieferkette
Copy link to Abbildung 6. Menschenrechtliche Risiken in der Kakaolieferkette
Quelle: Nach UNICEF (2018[24]), Children’s Rights in the Cocoa-Growing Communities of Côte d’Ivoire: Synthesis Report, https://sites.unicef.org/csr/css/synthesis-report-children-rights-cocoa-communities-en.pdf; Fountain, A. und F. Hütz-Adams (2020[25]), Cocoa Barometer 2020, https://www.cocoainitiative.org/knowledge-hub/resources/2020-cocoa-barometer.
Dieser Schritt der Due-Diligence-Prüfung kann durchgeführt werden anhand von Berichten über den Kakaosektor und die Lieferkette, Informationen von Zulieferern und Branchenverbänden, Multi-Stakeholder-Initiativen, Enthüllungsreportagen von NRO und internationalen Organisationen über Situationen von Kinderarbeit und Zwangsarbeit sowie unternehmenseigenen Analysen des Sektors und aktueller Menschenrechtsthemen.
Risiken und Situationen von Kinder- und Zwangsarbeit in Kakaolieferketten bewerten
Wenn die globalen menschenrechtlichen Risiken und Situationen entlang der Lieferkette ermittelt sind, können Unternehmen eine detailliertere Bewertung der Risiken und Situationen von Kinderarbeit und Zwangsarbeit vornehmen.
Bei der Durchführung einer Risikobewertung ist es wichtig
jede Stufe des Produktions- und Handelsprozesses regelmäßig zu überprüfen und neue bzw. sich abzeichnende Trends zu analysieren, insbesondere die Ursachen von Kinderarbeit und Zwangsarbeit in der Region, die Art und Größe der landwirtschaftlichen Betriebe sowie die politischen, rechtlichen, wirtschaftlichen, sozialen oder kontextuellen Faktoren, die zu Kinderarbeit und Zwangsarbeit führen können.
mit lokalen Behörden und Stakeholdern vor Ort zusammenzuarbeiten, um die Risikobewertung und das Monitoring auf der Ebene der landwirtschaftlichen Betriebe zu fördern.
Systeme einzuführen, wie z. B. das System zur Überwachung und Behebung von Kinderarbeit (Child Labour Monitoring and Remediation Systems – CLMRS), um Kinderarbeit und Zwangsarbeit zu verhindern, zu erkennen und zu beseitigen, und den zuständigen oberen Führungskräften über die Ergebnisse Bericht zu erstatten.
Unternehmen, die im Kakaosektor tätig sind, sind eher in der Lage, Kinderarbeit und Zwangsarbeit als schwere Menschenrechtsverletzungen auf der Ebene der landwirtschaftlichen Betriebe zu erkennen. Das CLMRS ist ein Instrument, das (zusätzlich zu Verhinderungs- und Behebungsmaßnahmen) helfen kann, Risiken genauer zu ermitteln und zu bewerten. CLMRS-Programme setzen auf sogenannte Community-Multiplikatoren (oft sind es Einheimische der Kakaoregionen, die selbst Kakaoanbauer*innen sind), die mit Kakaoanbaugenossenschaften in Verbindung stehen. Sie gehen in die Haushalte, sensibilisieren für die Gefahren von Kinderarbeit und finden heraus, welche Kinder gefährliche Arbeiten verrichten. Kasten 4 enthält nähere Informationen zu CLMRS.
Kasten 4. In welchen Bereichen der risikobasierten Due-Diligence-Prüfung kann das Programm zur Überwachung und Behebung von Kinderarbeit (CLMRS) eingesetzt werden?
Copy link to Kasten 4. In welchen Bereichen der risikobasierten Due-Diligence-Prüfung kann das Programm zur Überwachung und Behebung von Kinderarbeit (CLMRS) eingesetzt werden?Das CLMRS kann ein hilfreiches Instrument sein, um die menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten in Bezug auf Kinderarbeit wahrzunehmen. Das Konzept wurde ursprünglich von der ILO entwickelt, um Kinderarbeit in einer Vielzahl von geografischen Kontexten entlang von Lieferketten zu überwachen. 2012 passte die International Cocoa Initiative (ICI) das CLMRS an den Kakaosektor an. Heute wird das CLMRS von vielen Unternehmen verwendet.
Einer vor Kurzem veröffentlichten Benchmark-Studie zufolge sollte ein effektives CLMRS (ICI, 2021[26]) vier Kernfunktionen erfüllen:
das Bewusstsein von Landwirt*innen, Kindern und Mitgliedern der betroffenen Gemeinschaft für Kinderarbeit und die daraus resultierenden Schäden schärfen
Fälle von Kinderarbeit durch aktives Monitoring unter Verwendung standardisierter Datenerhebungsinstrumente aufdecken
Präventions- und Behebungsmaßnahmen für Kinder ergreifen, die von Kinderarbeit bedroht oder betroffen sind, und die erbrachten Leistungen dokumentieren
Folgebesuche bei Kindern, die Opfer von Kinderarbeit sind, durchführen, um ihren Status regelmäßig zu verfolgen, bis sie aus der Kinderarbeit befreit sind
Abbildung 7. Das ICI-System zur Überwachung und Behebung von Kinderarbeit (CLMRS)
Copy link to Abbildung 7. Das ICI-System zur Überwachung und Behebung von Kinderarbeit (CLMRS)
Anmerkung: Wegen näherer Einzelheiten vgl. den Abschnitt Ausmaß und Wirkung der Bekämpfung von Kinderarbeit und Zwangsarbeit durch Zusammenarbeit steigern: Gegebenenfalls Abhilfe leisten oder dabei kooperieren.
Quelle: Nach ICI (o. J.[27]), „Child Labour Monitoring and Remediation Systems: Introduction“, https://clmrs.cocoainitiative.org/introduction.
Ressourcen zur Unterstützung von Unternehmen bei der Bewertung von Risiken und Situationen von Kinder- und Zwangsarbeit
Es gibt zahlreiche nützliche Ressourcen, um Unternehmen bei der Bewertung von Risiken und Situationen von Kinder- und Zwangsarbeit zu unterstützen. Tabelle 2 kann als Leitfaden genutzt werden, um Unternehmen bei der Bewertung des mit bestimmten Indikatoren verbundenen Risikoniveaus von Kinder- und Zwangsarbeit zu helfen.
Tabelle 2. Kriterien und Risikoindikatoren zur Bewertung von Kinder- und Zwangsarbeit bei der Beschaffung von Kakao
Copy link to Tabelle 2. Kriterien und Risikoindikatoren zur Bewertung von Kinder- und Zwangsarbeit bei der Beschaffung von Kakao|
Kriterium |
Indikatoren |
Mögliche Fragen |
Datenquellen |
|---|---|---|---|
|
Entwicklungskontext des Landes oder der Region der Kakaobeschaffung |
Wirtschaftliche Indikatoren
Soziale und kontextuelle Indikatoren
|
|
|
|
Internationaler Rahmen (Rechts- und Politikrahmen) |
|
|
|
|
Nationales Regulierungsumfeld (Rechts- und Politikrahmen) |
|
|
|
|
Risikoindikatoren für Kinderarbeit |
Prävalenzdaten zu Kinderarbeit sind der beste Indikator für die Wahrscheinlichkeit von Kinderarbeit. Wenn keine Daten zur Prävalenz von Kinderarbeit vorliegen oder diese Daten nicht nach den einzelnen Regionen, Bauernvereinigungen oder Gemeinschaften aufgeschlüsselt sind, können Faktoren, die bekanntermaßen mit einer höheren Prävalenz von Kinderarbeit korrelieren, Aufschluss darüber geben, wo die Risiken u. U. höher sind. Auf der Ebene der Gemeinschaften:
Auf der Ebene der Haushalte:
|
|
|
Quelle: ICI (2019[27]), „Using community-level data to understand child labour risk in cocoa-growing areas of Côte d’Ivoire and Ghana: Executive summary”,,https://www.cocoainitiative.org/sites/default/files/resources/Using-community-level-data-to-understand-child-labour-risk_summary_Oct-2019_EN_1.pdf; ICI (2022[28]), Protective Community Index, https://www.cocoainitiative.org/knowledge-hub/resources/protective-community-index; ICI (2020[29]), Community Child Labour Risk Assessment – Data Collections Tools, https://www.cocoainitiative.org/knowledge-hub/resources/community-child-labour-risk-assessment-data-collections-tools; Sadhu (2020[9]), Assessing Progress in Reducing Child Labor in Cocoa Growing Areas of Côte d’Ivoire and Ghana, https://www.norc.org/PDFs/Cocoa%20Report/NORC%202020%20Cocoa%20Report_English.pdf.
Die Ermittlung und Bewertung von Zwangsarbeit kann schwierig sein, da viele Formen von Nötigung und Ausbeutung verborgen bleiben. Im Kakaosektor befinden sich die Opfer möglicherweise auch in abgelegenen Gebieten, außerhalb der Reichweite des Community-Monitoring. Die ICI und Verité untersuchen gemeinsam, wie die ILO-Indikatoren zur Zwangsarbeit eingesetzt werden können, um Fälle von Zwangsarbeit im Kakaosektor zu erkennen. Tabelle 3 kann als Leitfaden dienen, um Unternehmen zu helfen, das mit den verschiedenen Indikatoren verbundene Risikoniveau von Kinder- und Zwangsarbeit zu bewerten. Grundsätzlich gilt, dass sofortiger Handlungsbedarf besteht, wenn ein Indikator der Kategorie „Unfreiwilligkeit“ und ein Indikator der Kategorie „Strafandrohung“ vorliegen. Präventivmaßnahmen werden empfohlen, wenn mindestens ein Indikator der Kategorie „Unfreiwilligkeit“ oder der Kategorie „Strafandrohung“ vorliegt. Die zweite Tabelle stellt häufig verwendete Indikatoren der Kategorien „Unfreiwilligkeit“ und „Strafandrohung“ im Kakaosektor dar.
Tabelle 3. Indikatoren für Zwangsarbeit auf Unternehmensebene
Copy link to Tabelle 3. Indikatoren für Zwangsarbeit auf Unternehmensebene|
Indikator der Kategorie „Unfreiwilligkeit“ |
Indikator der Kategorie „Strafe/Strafandrohung“ |
Zwangsarbeit |
Anmerkung |
|---|---|---|---|
|
Mindestens ein Indikator |
Mindestens ein Indikator |
Ja |
Alarmstufe Rot Handeln erforderlich |
|
Mindestens ein Indikator |
Kein Indikator |
Risiko |
Alarmstufe Orange Präventivmaßnahmen empfohlen |
|
Kein Indikator |
Mindestens ein Indikator |
Risiko |
Alarmstufe Orange Präventivmaßnahmen empfohlen |
|
Kein Indikator |
Kein Indikator |
Nein |
Alarmstufe Grün Kein sofortiges Handeln erforderlich |
Quelle: Nach Verité und ICI, basierend auf ILO-Indikatoren zur Zwangsarbeit.
Tabelle 4. Im Kakaosektor häufig verwendete Indikatoren
Copy link to Tabelle 4. Im Kakaosektor häufig verwendete Indikatoren|
Indikatoren der Kategorie „Unfreiwilligkeit“ |
Indikatoren der Kategorie „Strafandrohung“ |
|---|---|
|
|
Kasten 5. Empfehlungen für ...
Copy link to Kasten 5. Empfehlungen für ...… Landwirt*innen und Genossenschaften, Händler, Vertreiber, Transporteure und (soweit zutreffend) Verarbeiter:
Ein Mapping der Lieferkette erstellen, Risiken und Auswirkungen ermitteln und bewerten:
Unterstützen Sie Genossenschaften dabei, glaubwürdige, überprüfbare, verlässliche und aktuelle Informationen über das Ausmaß von menschenrechtlichen Risiken und Verletzungen, darunter Kinderarbeit und Zwangsarbeit, zu generieren und zu verbreiten. Liegen noch keine Daten vor, können die Mitarbeiter*innen vor Ort sie möglicherweise erheben oder gegebenenfalls ein eigenes Bewertungsteam einrichten.
Stellen Sie sicher, dass effektive und zielführende Konsultationen mit den lokalen Gemeinschaften und Landwirt*innen durchgeführt werden, um Risiken zu ermitteln, da sie häufig eine gute Informations- und Hinweisquelle sind.
Verwenden Sie vorhandene Lieferkettendaten (u. a. Alter und Bildungsniveau des Produzenten und seiner Kinder, Größe des landwirtschaftlichen Betriebs und Zahl der Arbeitskräfte), um ein Risikomodell zu erstellen.1
Setzen Sie Methoden wie das CLMRS ein, um festzustellen, welche Kinder von Kinderarbeit betroffen oder bedroht sind. Dabei können auch spezifische Vulnerabilitätsfaktoren in Bezug auf das Risiko von Zwangsarbeit bei Kindern erfasst werden.
Teilen Sie nachgelagerten Unternehmen die Ergebnisse der Risikobewertungen Ihres Unternehmens mit, insbesondere wenn diese Bewertungen Risiken oder Situationen von Kinderarbeit und Zwangsarbeit aufgedeckt haben.
… Hersteller, Marken, Einzelhändler und (soweit zutreffend) Verarbeiter:
Ein Mapping der Lieferkette erstellen:
Arbeiten Sie mit Ihren Zulieferern der ersten Stufe zusammen, um Einblick in die Herkunft des Kakaos zu erhalten, insbesondere durch die Festlegung von Kontrollpunkten. Richten Sie weiter oben in der Lieferkette Kontrollsysteme ein.
Bemühen Sie sich ständig um Informationen zur Herkunft Ihres Kakaos und unterstreichen Sie die Bedeutung dieser Informationen und Einblicke in die vorhandenen Geschäftsbeziehungen.
Unterstützen Sie vorgelagerte Unternehmen oder Organisationen, die möglicherweise weniger Kapazitäten für das Mapping ihrer Lieferkette haben, indem Sie in den Aufbau von Kapazitäten und Ressourcen investieren.
Risiken erkennen und Auswirkungen bewerten:
Überprüfen Sie die von Ihren Zulieferern eingeführten Due-Diligence-Maßnahmen oder bewerten Sie deren Geschäftstätigkeit direkt, z. B. durch Besuche bei landwirtschaftlichen Betrieben und ihren Gemeinschaften.
Holen Sie Informationen sowohl über die Systeme der Zulieferer als auch über die von ihnen gelieferten Produktmengen ein.
Erwägen Sie die Teilnahme an branchenweiten Programmen und Multi-Stakeholder-Initiativen, um relevante Informationen zu erhalten, die Ihnen bei Ihren Bewertungen helfen können.
Fordern Sie von vorgelagerten Unternehmen Unterlagen an, wie beispielsweise Nachweise, dass ein Mapping der Lieferkette erstellt wurde, das die landwirtschaftlichen Betriebe in der Lieferkette erfasst, Nachweise über Risikobewertungen und Vor-Ort-Monitoring sowie Berichte über die Einbeziehung der betroffenen Akteure auf Gemeinschafts- und Betriebsebene.
… vor- und nachgelagerte KMU:
Ein Mapping der Lieferkette erstellen:
Arbeiten Sie mit anderen Unternehmen zusammen, beispielsweise auf nationalen Kakaoplattformen oder im Rahmen von Branchen- oder Multi-Stakeholder-Initiativen, um die Einflussmöglichkeiten und die Nachfrage nach Kontrollsystemen (insbesondere Chain of Custody und/oder Rückverfolgung) sowie Lieferkettentransparenz zu erhöhen.
Beteiligen Sie sich an glaubwürdigen Zertifizierungsprogrammen, die mit den OECD-Empfehlungen zur Erfüllung der Sorgfaltspflicht im Einklang stehen, um die Transparenz in Ihrer Lieferkette zu erhöhen.
Risiken erkennen und Auswirkungen bewerten:
Nutzen Sie für die Risikobewertungen Ihres Unternehmens die vielfältigen Ressourcen von Branchen- und Multi-Stakeholder-Initiativen sowie von staatlichen Stellen, da diese aktuelle Informationen zur Verfügung stellen. Darunter befinden sich Ressourcen, die KMU helfen, Risikoanalysen für Kakaoanbauländer durchzuführen, mit denen sie zusammenarbeiten.2
Einige kleine Schokoladenhersteller kaufen den Kakao direkt bei den Landwirt*innen und kennen ihre Lieferkette bis ins kleinste Detail. Der Direktkauf von Kakao beim Hersteller kann auch den Prozess der Risikoerkennung und -bewertung vereinfachen, da die Landwirt*innen wissen, unter welchen Bedingungen der Kakao angebaut und geerntet wird.
Anmerkungen:
1. Um mehr über Risikomodelle zu erfahren, besuchen Sie die ICI-Website (ICI, 2021[30]).
2. Weitere Ressourcen finden Sie auf der Website des Forum Nachhaltiger Kakao (German Initiative on Sustainable Cocoa) (Hütz-Adams, 2021[31]).
Anmerkungen
Copy link to Anmerkungen← 1. Vgl. OECD/FAO-Leitfaden (OECD/FAO, 2016[2]) S. 20 Abb. 1.1. zu den verschiedenen Stufen landwirtschaftlicher Lieferketten und den beteiligten Unternehmen.
← 2. Wegen weiterer Einzelheiten vgl. „Kasten 5. Dialog mit Geschäftsbeziehungen, die an Kontrollpunkten in der Lieferkette operieren“ im OECD-Leitfaden (OECD, 2018[3]) sowie Seite 33 im OECD/FAO-Leitfaden (OECD/FAO, 2016[2]).