In diesem Kapitel wird der Due-Diligence-Rahmen der OECD vorgestellt und erläutert, wie Unternehmen sich ihrer Verantwortung für negative Effekte bewusst werden können und was dies für das unternehmerische Handeln bedeutet.
Unternehmenshandbuch zu Sorgfaltspflichten im Kakaosektor
OECD-Rahmen für die Erfüllung der Sorgfaltspflichten
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Was versteht man unter Due Diligence?
Copy link to Was versteht man unter Due Diligence?Die OECD hat einen Risikomanagementrahmen entwickelt, an dem sich Unternehmen orientieren sollten, um die von ihren Geschäftstätigkeiten, Lieferketten und anderen Geschäftsbeziehungen ausgehenden tatsächlichen und potenziellen negativen Effekte zu ermitteln, zu vermeiden und zu mindern sowie Rechenschaft darüber abzulegen, wie sie diesen Effekten begegnen.
Dieses Rahmenwerk, das im OECD-Due-Diligence-Leitfaden weiter ausgeführt wird, enthält sechs Maßnahmen, um die Verpflichtungen für verantwortungsvolles unternehmerisches Handeln (responsible business conduct – RBC) zu erfüllen:
1. verantwortungsvolles unternehmerisches Handeln in Strategien und Managementsystemen verankern
2. tatsächliche und potenzielle negative Effekte auf RBC-Belange erkennen
3. negative Effekte beseitigen, verhindern oder mindern
4. Umsetzung und Ergebnisse nachverfolgen
5. Umgang mit Effekten kommunizieren
6. gegebenenfalls Abhilfe ermöglichen
Abbildung 4. OECD-Rahmen für die Erfüllung der Sorgfaltspflichten und unterstützende Maßnahmen
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Quelle: OECD (2018[22]), OECD-Leitfaden für die Erfüllung der Sorgfaltspflicht für verantwortungsvolles unternehmerisches Handeln, OECD, Paris, http://mneguidelines.oecd.org/OECD-leitfaden-fur-die-erfullung-der-sorgfaltspflicht-fur-verantwortungsvolles-unternehmerisches-handeln.pdf.
Bei der Erfüllung der Sorgfaltspflichten sollte den Bedürfnissen der am stärksten gefährdeten Gruppen und Gemeinschaften, und insbesondere der Frauen, Rechnung getragen werden.1 In Côte d’Ivoire und Ghana deuten Studien beispielsweise darauf hin, dass Kinderarbeit in Gemeinschaften mit höherem Bildungsniveau der Erwachsenenbevölkerung, insbesondere der Frauen, weniger verbreitet ist (ICI, 2019[23]).
Der OECD/FAO-Leitfaden, der in Verbindung mit dem OECD-Due-Diligence-Leitfaden und diesem Handbuch eingesetzt werden sollte, enthält detaillierte Empfehlungen dazu, wie im Agrarsektor tätige Unternehmen und Investoren den Due-Diligence-Rahmen nutzen können, um soziale, ökologische und Governancerisiken und Schäden, die in landwirtschaftlichen Lieferketten auftreten können, darunter Kinder- und Zwangsarbeit, zu verhindern und dagegen vorzugehen.
Kasten 2. Was ist unter „negativen Effekten“ und „Risiko“ zu verstehen?
Copy link to Kasten 2. Was ist unter „negativen Effekten“ und „Risiko“ zu verstehen?In den OECD-Leitsätzen für multinationale Unternehmen wird anerkannt, dass Unternehmen positive Beiträge zur Wirtschaft eines Landes und zum Leben lokaler Gemeinschaften leisten können. Es wird aber auch eingeräumt, dass die Geschäftstätigkeit auch negative Effekte in Bezug auf Corporate Governance, Arbeitskräfte, Menschenrechte, Umwelt, Bestechung und Verbraucher*innen haben kann. Im Kontext des Kakaoanbaus beziehen sich diese negativen Effekte auf Kinderarbeit, Zwangsarbeit und Menschenhandel, Entwaldung, Herausforderungen im Zusammenhang mit Armut und angemessenen Löhnen, Leistungen und Arbeitsbedingungen bei der Kakaoverarbeitung oder beim Kakaobohnentransport.
Für viele Unternehmen bedeutet der Begriff „Risiko“ zwar primär Risiken für das Unternehmen selbst – finanzielles Risiko, Marktrisiko, operatives Risiko, Reputationsrisiko usw. Die OECD-Empfehlungen für verantwortungsvolles unternehmerisches Handeln beziehen sich jedoch auf die Wahrscheinlichkeit negativer Effekte auf Menschen, Umwelt oder Gesellschaft, die das Unternehmen verursacht, zu denen es beiträgt oder mit denen es in unmittelbarer Verbindung steht. Anders gesagt, es handelt sich um einen nach außen gerichteten Risikoansatz.
Quelle: OECD (2018[3]), OECD-Leitfaden für die Erfüllung der Sorgfaltspflicht für verantwortungsvolles unternehmerisches Handeln, OECD, Paris, http://mneguidelines.oecd.org/OECD-leitfaden-fur-die-erfullung-der-sorgfaltspflicht-fur-verantwortungsvolles-unternehmerisches-handeln.pdf.
Die Verantwortung eines Unternehmens in Bezug auf negative Effekte verstehen
Copy link to Die Verantwortung eines Unternehmens in Bezug auf negative Effekte verstehenEin Unternehmen kann negative Effekte entweder verursachen, zu ihnen beitragen oder durch seine Geschäftsbeziehungen unmittelbar mit ihnen verbunden sein. Je nachdem, wie stark der Zusammenhang zwischen dem Unternehmen und den negativen Effekten ist, können die zu ihrer Behebung ergriffenen Maßnahmen variieren. Das Unternehmen kann die Handlungen, die den negativen Effekt verursachen oder dazu beitragen, einstellen oder seine Einflussmöglichkeiten nutzen, um auf die Einheit, die den negativen Effekt verursacht oder dazu beiträgt, einzuwirken (Abbildung 5).
Um Maßnahmen gegen negative Effekte wie Kinder- und Zwangsarbeit konzipieren und umsetzen zu können, ist es unerlässlich, den Zusammenhang zwischen dem Unternehmen und diesen negativen Effekten zu verstehen. Die Unternehmen werden ermutigt, bei Erkenntnissen über einen Zusammenhang mit einem negativen Effekt den OECD-Due-Diligence-Leitfaden zu konsultieren, der nähere Informationen dazu liefert, was es bedeutet, negative Effekte zu verursachen, zu ihnen beizutragen oder unmittelbar mit ihnen verbunden zu sein.
Abbildung 5. Umgang mit potenziellen und tatsächlichen negativen Effekten
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Quelle: OECD (2018[3]), OECD-Leitfaden für die Erfüllung der Sorgfaltspflicht für verantwortungsvolles unternehmerisches Handeln, OECD, Paris, http://mneguidelines.oecd.org/OECD-leitfaden-fur-die-erfullung-der-sorgfaltspflicht-fur-verantwortungsvolles-unternehmerisches-handeln.pdf.
Tabelle 1 liefert Beispiele, die veranschaulichen, was dieser Zusammenhang mit dem Schaden für im Kakaosektor tätige Unternehmen in Bezug auf Kinder- und Zwangsarbeit bedeuten kann.
Tabelle 1. Beispiele, die helfen sollen, den Zusammenhang zwischen einem Unternehmen und Situationen von Kinderarbeit und Zwangsarbeit zu definieren
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Das Unternehmen ... |
Beispiele aus dem Kakaosektor |
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verursacht (oder würde) einen negativen Effekt (verursachen), wenn die Aktivitäten des Unternehmens allein ausreichen, um den negativen Effekt auszulösen. |
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leistet einen Beitrag (oder würde einen Beitrag) zu einem negativen Effekt (leisten), wenn seine Aktivitäten in Kombination mit denen anderer Einheiten die Auswirkung verursachen oder wenn die Aktivitäten des Unternehmens es bewirken, begünstigen oder Anreize dafür schaffen, dass eine andere Einheit den negativen Effekt verursacht. Der Beitrag muss erheblich sein, d. h., es darf sich nicht um geringfügige oder unerhebliche Beiträge handeln. |
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ist (oder wäre) direkt mit einem negativen Effekt verbunden, wenn zwischen dem negativen Effekt und den Produkten, Dienstleistungen oder Geschäftstätigkeiten des Unternehmens über eine andere Einheit (z. B. eine Geschäftsbeziehung) ein Zusammenhang besteht. |
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Quelle: OECD/FAO (2016[2]) OECD/FAO-Leitfaden für verantwortungsvolle landwirtschaftliche Lieferketten, http://doi.org/10.1787/9789264261235-de; ILO/IOE (2015[5]), How to do business with respect for children’s right to be free from child labour: ILO-IOE child labor guidance tool for business, https://www.ilo.org/ipec/Informationresources/WCMS_IPEC_PUB_27555/lang-en/index.htm.
Anmerkung
Copy link to Anmerkung← 1. Weitere Informationen zur geschlechtergerechten Erfüllung der Sorgfaltspflichten finden sich unter https://www.genderduediligence.org/.