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Coronavirus ist größtes Wirtschaftsrisiko seit der Finanzkrise

 

(Berlin/Paris, 2. März 2020) – Das Coronavirus ist die größte Gefahr für die Weltwirtschaft seit der globalen Finanzkrise. Zu diesem Schluss kommt die OECD in ihrer aktuellen Konjunkturprognose.

Das sich von China in andere Regionen der Welt ausbreitende Coronavirus hat großes menschliches Leid verursacht und zu wirtschaftlichen Brüchen geführt. Weitere Einschränkungen des Personen-, Waren- und Dienstleistungsverkehrs sind absehbar und dürften zu einer Verschlechterung des Geschäfts- und Konsumklimas und einer Verlangsamung der Produktion führen.

Der OECD Interim Economic Outlook untersucht zwei Szenarien: Das erste geht von der denkbar günstigsten Entwicklung mit weitgehender Eindämmung des Virus aus. Das zweite Szenario beschreibt einen Dominoeffekt mit starker Weiterverbreitung des Virus. In beiden Fällen sollten die Regierungen dringend handeln, um die Zahl der Ansteckungen zu begrenzen, Menschen und Unternehmen zu schützen und die wirtschaftliche Nachfrage zu stärken.

Selbst im günstigsten Fall einer nur schwachen Virusverbreitung über China hinaus wird sich das weltweite Wirtschaftswachstum in der ersten Jahreshälfte voraussichtlich stark verringern, als Folge von unterbrochenen Lieferketten, einem Rückgang des Tourismus und einer Verschlechterung des Geschäftsklimas. Entsprechend dürfte sich das Wachstum der Weltwirtschaft von bereits schwachen 2,9 Prozent in 2019 auf 2,4 Prozent in 2020 abschwächen. 2021 könnte das Wachstum wieder auf verhaltene 3,3 Prozent steigen.

Die Wachstumsaussichten für China werden für 2020 deutlich auf unter fünf Prozent gesenkt – verglichen mit 6,1 Prozent in 2019.

 


Eine breitere Ansteckungswelle im Asien-Pazifik-Raum; und den Industrieländern, wie jetzt in China, könnte hingegen das globale Wachstum auf 1,5 Prozent reduzieren – die Weltwirtschaft wüchse dann 2020 nur noch halb so stark wie in der OECD-Prognose vom letzten November angenommen. Die Maßnahmen zur Eindämmung des Virus und der Vertrauensverlust würden sich auf Produktion und Konsum derart auswirken, dass einige Länder in eine Rezession abrutschen könnten, darunter Japan und die Eurozone.

„Das Virus droht der Weltwirtschaft, die bereits durch Handelsstreitigkeiten und politische Spannungen geschwächt ist, einen zusätzlichen Schlag zu versetzen. Es ist wichtig, dass die Regierungen jetzt unverzüglich handeln, um die Epidemie einzuschränken, die Gesundheitssysteme zu stützen, Bürgerinnen und Bürger zu schützen, die Nachfrage zu stärken und das finanzielle Überleben der am stärksten betroffenen Unternehmen und Haushalte zu garantieren“, so OECD-Chefökonomin Laurence Boone bei der Vorstellung des Interim Economic Outlook in Paris.

Der Interim Economic Outlook empfiehlt, flexible Arbeitsformen wie Kurzarbeit zu nutzen, um Arbeitsplätze zu sichern. Die Regierungen sollten über zeitlich begrenzte Steuer- und Budgetmaßnahmen dafür sorgen, dass die Auswirkungen auf die am stärksten vom Abschwung betroffenen Branchen abgefedert werden, wie etwa die Reise- und Tourismusbranche und die Automobil- und Elektronikindustrie.

In den am stärksten betroffenen Ländern muss ausreichend Liquidität bereitgestellt werden, damit Banken Unternehmen über vorübergehende Engpässe während der Eindämmungsmaßnahmen hinweghelfen können.

Im Falle einer weiteren Ausbreitung der Epidemie sollten die G20-Länder sich an die Spitze gemeinsamer Anstrengungen zur Unterstützung des Gesundheitswesens stellen und dabei auch abgestimmte geld- und finanzpolitische Impulse einsetzen, um verlorenes Vertrauen wiederaufzubauen.

» Bericht lesen (engl.)


Für Interviews in deutscher Sprache steht die Leiterin des OECD Berlin Centre, Nicola Brandt, zur Verfügung.

Für Rückfragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Pressekontakt:
OECD Berlin Centre
Nadja Nolting
[email protected]
Tel: +49 (0)30 28 88 35 43

 

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