In Schritt 1 des OECD/FAO-Leitfadens geht es darum, in den Unternehmen solide Managementsysteme und Leitlinien zum Vorgehen gegen Entwaldung zu etablieren. Alle weiteren Schritte des OECD/FAO-Due-Diligence-Rahmens bauen darauf auf. In diesem Kapitel wird erörtert, wie Schritt 1 den Unternehmen helfen kann, ihre Verpflichtungen im Kampf gegen die Entwaldung zu erfüllen.
OECD/FAO‑Unternehmenshandbuch zu Entwaldung und Sorgfaltspflichten in landwirtschaftlichen Lieferketten
Schritt 1: Eine Anti-Entwaldungspolitik und solide Managementsysteme entwickeln
Copy link to Schritt 1: Eine Anti-Entwaldungspolitik und solide Managementsysteme entwickelnAbstract
Strategische Fragen für Unternehmen
Copy link to Strategische Fragen für UnternehmenWie ambitioniert sind wir als Unternehmen im Hinblick auf die Entwaldungsfreiheit? Wie definieren wir Wald? Haben wir in unseren Beschaffungspraktiken einen Stichtag für die Entwaldungsfreiheit vorgesehen (vgl. Definition im Glossar)?
Erfüllt oder übertrifft unsere Anti-Entwaldungspolitik die gesetzlichen Bestimmungen zum Waldschutz in unserem Heimatstaat, Produktionsstaat und unseren wichtigsten Exportmärkten?
Entspricht unsere Politik den Anforderungen von Investoren, Rechtsberatern, lokalen Gemeinschaften und der Zivilgesellschaft?
Ist sich das Management des Unternehmens (einschließlich der Board-Mitglieder) bewusst, 1. welche Verpflichtungen das Unternehmen im Hinblick auf die Entwaldung hat, 2. welche Auswirkungen die Entscheidung für eine bestimmte Unternehmenspolitik mit sich bringt, 3. welche Systeme für die Umsetzung dieser Politik erforderlich sind (z. B. die Überprüfung von bestehenden Verträgen und Geschäftsbeziehungen sowie Budget- und Personalfragen) und 4. welche Kosten damit verbunden wären, nicht gegen Entwaldung vorzugehen, sowohl für das Unternehmen selbst (direkte oder indirekte Auswirkungen auf Produktion und Umsatz) als auch global betrachtet (Klimawandel und Biodiversitätsverluste sowie die daraus resultierende mittel- und langfristige Versorgungsunsicherheit bei Agrarrohstoffen)?
Wurde innerhalb des Unternehmens eine zentrale Anlaufstelle benannt, um die Umsetzung der Due-Diligence-Maßnahmen für eine verantwortungsvolle Beschaffung (und zur Bekämpfung der Entwaldung) zu leiten und mit anderen Abteilungen (wie z. B. Rechtsabteilung, Öffentlichkeitsarbeit/Unternehmenskommunikation, Beschaffung, Marketing) zu koordinieren? Ist die Kommunikation zwischen diesen verschiedenen Stellen ausreichend?
Welche Zulieferer und sonstigen Stakeholder sollten wir in die Entwicklung unserer Zusagen im Kampf gegen die Entwaldung einbeziehen? Haben wir in unseren Lieferketten vulnerable Produzenten, wie z. B. Kleinstbetriebe, die besondere Unterstützung benötigen, um die Leitlinien des Unternehmens und die regulatorischen Anforderungen zu erfüllen?
Sind Leistungsindikatoren, die mit dem Erreichen entwaldungsbezogener Due-Diligence-Ziele verknüpft sind, Teil unserer Managementsysteme?
Welche externen Due-Diligence-Systeme oder -Prozesse nutzen wir, um unser internes Due-Diligence-Management zu unterstützen (z. B. OECD/FAO-Leitfaden, Branchenkodizes, Zertifizierungssysteme für Rohstoffe, Auditprotokolle usw.)?
Entwaldungsbezogene Nachhaltigkeitsleitlinien festlegen oder aktualisieren und in die Unternehmensprozesse integrieren
Copy link to Entwaldungsbezogene Nachhaltigkeitsleitlinien festlegen oder aktualisieren und in die Unternehmensprozesse integrierenBei der Entwicklung einer Unternehmenspolitik gegen Entwaldung kommt es auf folgende Schlüsselelemente an:
Die Politik gilt für das ganze Unternehmen (einschließlich Tochterunternehmen) und seine Lieferketten. Sie sorgt dafür, dass alle relevanten Abteilungen zusammenarbeiten, um durch verantwortungsvolle Produktions- und Beschaffungspraktiken gemeinsam gegen Entwaldung vorzugehen.
Sie definiert messbare Zielvorgaben für die Verringerung der Entwaldung und das akzeptable Entwaldungsrisiko in der Geschäftstätigkeit, den Lieferketten und den Geschäftsbeziehungen des Unternehmens. Das Ziel kann beispielsweise darin bestehen, die Entwaldung oder die illegale Entwaldung auf Null zu reduzieren oder eine Verringerung des Entwaldungsgrads bis zu einem bestimmten Datum zu erreichen. Die Zieldefinition umfasst klare zeitgebundene Zielvorgaben und Stichtage sowie Definitionen von Begriffen wie „Wald“, „Entwaldung“ und „Waldschädigung“ (vgl. Definitionen im Glossar).
Zielvorgaben und Definitionen ergeben sich häufig aus kollektiven Zusagen, denen sich das Unternehmen angeschlossen hat, sowie internationalen und nationalen Vereinbarungen und Verpflichtungen, nationalen Rechtsvorschriften, Leitlinien von Branchenverbänden, Erwartungen von Investoren oder freiwilligen Nachhaltigkeitsstandards in Zertifizierungssystemen (wegen weiterer Informationen vgl. Anhang A).
Die Politik ist risikobasiert, d. h., sie adressiert die schwerwiegendsten Risiken und Auswirkungen zuerst. Der Schweregrad bemisst sich nach der Wahrscheinlichkeit, dem Ausmaß, der Reichweite und der Unumkehrbarkeit der Auswirkungen.
Die Politik wird regelmäßig überprüft und überarbeitet, um neuen Beschaffungsgebieten, Veränderungen der Entwaldungsmuster, wachsenden Erkenntnissen über Entwaldungsrisiken in der Lieferkette sowie internationalen Standards und nationalen Rechtsvorschriften Rechnung zu tragen.
Anti-Entwaldungspolitik in Aufsichtsorganen und Managementsystemen sowie den verschiedenen Funktionsbereichen des Unternehmens verankern
Copy link to Anti-Entwaldungspolitik in Aufsichtsorganen und Managementsystemen sowie den verschiedenen Funktionsbereichen des Unternehmens verankernDie entwaldungsbezogenen Praktiken sollten unternehmensweit einheitlich sein. Dies gilt nicht zuletzt für alle Abteilungen oder Unternehmenseinheiten, deren Entscheidungen Rohstoffe und Produkte mit einem potenziellen Entwaldungsbezug betreffen könnten, insbesondere Einkaufs- und Beschaffungsabteilungen. Die entwaldungsbezogenen Regelungen sollten mit den übrigen Due-Diligence-Leitlinien des Unternehmens im Einklang stehen und darin integriert werden.
Erwartungen und Leitlinien in das Lieferantenmanagement und die sonstigen Geschäftsbeziehungen einbetten
Copy link to Erwartungen und Leitlinien in das Lieferantenmanagement und die sonstigen Geschäftsbeziehungen einbettenDa Sorgfaltspflichten sowohl für die eigene Geschäftstätigkeit der Unternehmen als auch für ihre gesamten Lieferketten und Geschäftsbeziehungen gelten, ist eine regelmäßige Kommunikation mit Zulieferern und anderen Geschäftspartnern unabdingbar. Bei Produkten und Lieferketten mit großen Entwaldungsrisiken sollte das Unternehmen
Zulieferern und anderen relevanten Geschäftspartnern die wesentlichen Aspekte seiner Anti-Entwaldungspolitik mitteilen. Bei langfristigen Geschäftsbeziehungen kann das Unternehmen möglicherweise größeren Einfluss geltend machen, um die Geschäftspartner zur Umsetzung dieser Politik zu bewegen und die Transparenz zu verbessern.
Bedingungen und Erwartungen hinsichtlich entwaldungsbezogener Sorgfaltspflichten in Verträge mit Zulieferern bzw. Geschäftspartnern, Verhaltenskodizes für Zulieferer oder anderweitige schriftliche Vereinbarungen aufnehmen, die auf die Kapazitäten der Zulieferer abgestimmt sind.
Präqualifizierungsverfahren für entwaldungsbezogene Due-Diligence-Prüfungen von Zulieferern und sonstigen Geschäftspartnern entwickeln und umsetzen. Soweit möglich, sollten diese Verfahren den spezifischen Risiken und Gegebenheiten dieser Zulieferer und Geschäftspartner angepasst werden.
Zulieferer und andere Geschäftspartner durch hinreichende Ressourcen, Kapazitätsentwicklung und Schulungen dabei unterstützen, die Leitlinien besser zu verstehen und anzuwenden und ihre Sorgfaltspflichten zur Bekämpfung der Entwaldung umzusetzen. Dies könnte beispielsweise einen standardisierten Berichtsrahmen für Zulieferer umfassen. Einige Zulieferer, wie z. B. Kleinstbetriebe, werden dabei mehr Unterstützung benötigen als andere.
Hemmnisse ermitteln und abbauen, die aus den Geschäftspraktiken des Unternehmens resultieren und es Zulieferern und anderen Geschäftspartnern erschweren könnten, die Sorgfaltsregeln zur Bekämpfung der Entwaldung umzusetzen, wie z. B. die Beschaffungspraktiken und kommerziellen Anreize des Unternehmens.
Die Möglichkeiten von Unternehmen, ihre Geschäftspartner zu beeinflussen und sie dazu zu bewegen, negative Effekte ihrer Aktivitäten auf Wälder zu verhindern, zu stoppen, zu mindern oder zu beheben, können sowohl praktischen als auch rechtlichen Beschränkungen unterliegen. Sie können versuchen, ihren Einfluss auf die Geschäftspartner durch vertragliche Vereinbarungen, Präqualifizierungsanforderungen, Voting Trusts, Lizenz- oder Franchise-Vereinbarungen sowie durch die Bündelung von Einflussmöglichkeiten in Branchenverbänden oder sektorübergreifenden Initiativen zu verstärken.
Umsetzungspläne, die in Abstimmung mit Geschäftspartnern und gegebenenfalls unter Einbindung zentralstaatlicher Organe und nachgeordneter Gebietskörperschaften, internationaler Organisationen, lokaler Gemeinschaften und der Zivilgesellschaft entwickelt werden, können ebenfalls für eine bessere Einhaltung der Vorgaben sorgen, vor allem wenn Kapazitätsentwicklung und Schulungen angeboten werden. Häufig können Branchenverbände und Multi-Stakeholder-Initiativen viele der beschriebenen Schritte unterstützen.
Kontrollsysteme entlang der Lieferkette einrichten
Copy link to Kontrollsysteme entlang der Lieferkette einrichtenSysteme, mit denen das Unternehmen die Umsetzung und die Effekte seiner Anti-Entwaldungspolitik überwachen kann, sind entscheidend für die Glaubwürdigkeit und Wirksamkeit dieser Politik und gute Beziehungen zu Stakeholdern wie z. B. Investoren und staatlichen Stellen. Dazu gehören
Prüfverfahren, mit denen die Einhaltung der Unternehmenspolitik regelmäßig unabhängig und transparent überprüft wird; sie können einen kontinuierlichen Austausch mit den Zulieferern und deren laufende Überwachung sowie interne und unabhängige externe Audits beinhalten (letztere sind vorzuziehen, wenn das Risiko eines Zusammenhangs mit Entwaldung größer ist) und erfassen sowohl das Unternehmen selbst als auch seine Zulieferer.
Überwachungs- und Kontrollsysteme für die Chains of Custody der Rohstoffe und Produkte, bei denen nach Einschätzung des Unternehmens ein Zusammenhang mit Entwaldung bestehen könnte. Dies wird in Schritt 4 des OECD/FAO-Leitfadens (Überprüfung der Due-Diligence-Praktiken) näher beschrieben.
In der Regel finden diese Schritte zusammen mit dem Mapping der Lieferketten gemäß Schritt 2 des OECD/FAO-Leitfadens (Identifizierung der Risiken) oder kurz danach statt.
Beschwerdemechanismen auf Betriebsebene einrichten, in Konsultation und Zusammenarbeit mit relevanten Stakeholdern
Copy link to Beschwerdemechanismen auf Betriebsebene einrichten, in Konsultation und Zusammenarbeit mit relevanten StakeholdernBeschwerdemechanismen sollten sowohl Beschwerdesysteme als auch Frühwarnsysteme zur Risikoerkennung umfassen. Sie bieten den Unternehmen einerseits einen Mechanismus für Konfliktprävention und -lösung und helfen ihnen andererseits, Abweichungen von ihrer Anti-Entwaldungspolitik in ihren Geschäftstätigkeiten bzw. den Aktivitäten ihrer Zulieferer oder sonstigen Geschäftspartner zu erkennen und Risiken zu ermitteln und zu mindern, u. a. durch bessere Kommunikation mit den Stakeholdern. Beschwerdemechanismen können auch einen Kanal für Feedback und Vorschläge umfassen. Sie können auf Projekt-, Unternehmens- oder Branchenebene eingerichtet werden. Unternehmen können ihre eigenen Beschwerdemechanismen einrichten, sich aber auch an anderen Beschwerdemechanismen beteiligen. Entscheidend ist, dass die Beschwerdemechanismen leicht zugänglich sind, und zwar gegebenenfalls insbesondere für lokale Stakeholder, darunter Frauen und andere vulnerable und marginalisierte Gruppen. Beschwerden sollten innerhalb eines angemessenen Zeitraums bearbeitet werden und Anonymitätswünsche sollten respektiert werden.
Empfehlungen für KMU
Copy link to Empfehlungen für KMUEntscheiden Sie, in welchem Umfang Sie angesichts nationaler Rechtsvorschriften und internationaler Verpflichtungen sowie der Verpflichtungen gegenüber Ihren Kunden zu Zusagen im Rahmen Ihrer Anti-Entwaldungspolitik bereit sind.
Wählen Sie Ihre Definitionen für „Wald“ und „Entwaldung“ und Ihren Stichtag/Ihre Stichtage für die Entwaldungsfreiheit. Sektorspezifische Initiativen oder die Leitlinien und Verpflichtungen anderer KMU können dabei als nützliche Beispiele dienen.
Entscheiden Sie, wie die Verpflichtungen aus Ihrer Anti-Entwaldungspolitik mit Ihren finanziellen und personellen Ressourcen umgesetzt werden sollen.
Machen Sie Ihre Zusicherungen bekannt, entweder durch eine schriftliche Verpflichtung oder eigenständige Erklärung oder als Teil Ihrer Unternehmensvision, Ihres Wertekatalogs oder Ihrer Leitlinien für verantwortungsvolle Beschaffung.
Engagieren Sie sich in Multi-Stakeholder-Plattformen für nachhaltige Rohstoffe, die darauf abzielen, die Entwaldung durch gemeinsames Handeln auf ein Minimum zu reduzieren.
Legen Sie die Grenzen Ihrer Politik und Ihre Risikopriorisierung dar und nennen Sie Maßnahmen, die Sie ergreifen werden, wenn Sie feststellen, dass einer Ihrer Geschäftspartner Produkte oder Rohstoffe aus entwaldeten Gebieten bezieht.
Verweisen Sie in Ihren Unternehmensleitlinien auf nationale oder regionale Verpflichtungen im Hinblick auf Entwaldung und Waldschädigung.