Das OECD/FAO-Unternehmenshandbuch zu Entwaldung und Sorgfaltspflichten in landwirtschaftlichen Lieferketten (das Handbuch) soll Unternehmen helfen, Entwaldung und Waldschädigung in ihren Due-Diligence-Verfahren zu berücksichtigen. Es stützt sich auf den Rahmen für risikobasierte Due Diligence, der im OECD/FAO-Leitfaden für verantwortungsvolle landwirtschaftliche Lieferketten (OECD/FAO-Leitfaden) und im OECD-Leitfaden für die Erfüllung der Sorgfaltspflicht für verantwortungsvolles unternehmerisches Handeln dargelegt ist.
Dieses Handbuch ist Teil der Arbeiten der OECD und der FAO zum OECD/FAO-Leitfaden (OECD/FAO, 2016[1]) und zu verantwortungsvollem unternehmerischem Handeln in der Landwirtschaft.
Viele Agrarrohstoffe werden über ein komplexes Netz geschäftlicher Beziehungen beschafft und gehandelt, in das Erzeuger, Landwirt*innen, Händler, Zulieferer und andere Akteure der globalen Lieferketten für Agrarnahrungsmittel eingebunden sind. Die mit der steigenden weltweiten Nachfrage nach Nahrungsmitteln einhergehende Ausweitung der landwirtschaftlichen Nutzflächen kann sich negativ auf Wälder und andere natürliche Ökosysteme auswirken. Geschäftsentscheidungen von Unternehmen, die Agrarrohstoffe und -produkte beziehen, verarbeiten und verkaufen, können folglich Entwaldung oder Waldschädigung verursachen, dazu beitragen oder in direkter Verbindung damit stehen.
Als Reaktion auf Rechtsvorschriften, die die legale Herkunft von Holz sicherstellen sollen (so z. B. die Holzverordnung der Europäischen Union oder der Lacey Act in den USA (APHIS, o. J.[2])), verfolgen Unternehmen und Stakeholder im Holzsektor seit fast 15 Jahren verstärkt Due-Diligence-Ansätze. Um die Erfüllung der Sorgfaltspflichten zu erleichtern und die Risiken zu reduzieren, haben holzexportierende Länder Verifizierungs- oder Sicherungssysteme entwickelt, die die Legalität, Nachhaltigkeit und Rückverfolgbarkeit von Holzerzeugnissen nachweisen und dokumentieren. Parallel dazu haben die Vereinten Nationen und die OECD Empfehlungen und Leitlinien zu der Frage erarbeitet, wie Unternehmen risikobasierte Sorgfaltspflichten in ihre Geschäftsentscheidungen und -beziehungen aufnehmen können, um Lieferkettenrisiken mit Auswirkungen auf die Menschen und den Planeten zu ermitteln und anzugehen. In Zusammenarbeit mit Stakeholdern aus Bauernverbänden, der Zivilgesellschaft und betroffenen Unternehmen wurden Empfehlungen erarbeitet, wie die Agrarnahrungsmittelindustrie ökologische und soziale Risiken reduzieren kann. Vielen Unternehmen ist indessen nach wie vor nicht klar, wie sich Entwaldungs- und Waldschädigungsrisiken in ihren Lieferketten äußern können und welche Maßnahmen sie als Unternehmen konkret ergreifen können, um diese Risiken durch risikobasierte Due-Diligence-Prüfungen zu erkennen, zu verhindern und zu beseitigen.
Dieses Handbuch soll den Unternehmen bei diesen Maßnahmen und Prüfungen helfen, gegebenenfalls unter Einbeziehung bereits bestehender Maßnahmen zur Legalitätssicherung von Holz. Es richtet sich an Agrarnahrungsmittelunternehmen, die Rohstoffe bzw. Produkte beschaffen oder verwenden, die mit Entwaldung oder Waldschädigung verbunden sein können. Die Auswirkungen auf die Wälder entstehen am Anfang der Lieferkette, die nachgelagerten Unternehmen treiben jedoch die Nachfrage nach diesen Rohstoffen, womit sie die Entwaldungsrisiken vergrößern. Dieses Handbuch ist daher auf Unternehmen entlang der gesamten Lieferkette von der Produktion bis zum Einzelhandel ausgerichtet.
Eine von der OECD und der FAO eingerichtete Multi-Stakeholder-Sachverständigengruppe (MSWG), in der u. a. Unternehmen, staatliche Stellen, Zivilgesellschaft und Wissenschaft vertreten waren, half bei der Ausarbeitung dieses Handbuchs und lieferte wertvolle Beiträge, die Unternehmen bei der Operationalisierung risikobasierter Sorgfaltspflichten zur Bekämpfung der Entwaldung helfen können. Zusätzlich zum Feedback der MSWG fand von Juni bis Juli 2022 eine informelle öffentliche Konsultation statt.