Psychische Erkrankungen sind außergewöhnlich weit verbreitet. Schätzungen zufolge litten 2023 etwas mehr als 20 % der Bevölkerung im OECD- und EU-Raum an einer psychischen Störung, was für die öffentliche Gesundheit und die Wirtschaft eine der größten Herausforderungen darstellte. Dabei dürfte diese Zahl die tatsächliche Tragweite des Problems zu niedrig ausweisen, da viele leichtere Erkrankungen aufgrund der anhaltenden sozialen Stigmatisierung und Einschränkungen in den bestehenden Gesundheitssystemen nicht diagnostiziert oder gemeldet werden. Unter den diagnostizierten Fällen sind Angststörungen am häufigsten, sie machen ungefähr 40 % aller Fälle aus. Danach folgen depressive Störungen mit einem Anteil von 20 % und Substanzmissbrauchsstörungen – worunter Alkoholkonsumstörungen fallen – mit 17 %. Zu den weniger verbreiteten Erkrankungen gehören schwere Erkrankungen wie Schizophrenie und bipolare Störungen ebenso wie Essstörungen, Autismus-Spektrum-Störungen und geistige Behinderungen, die nicht im Fokus dieser Publikation stehen.
Einige Bevölkerungsgruppen sind stärker betroffen als andere. Frauen weisen durchweg eine höhere Inzidenz von Angstzuständen und Depressionen auf, während Männer häufiger unter Substanzgebrauchs- und Alkoholkonsumstörungen leiden. In den letzten Jahren war der Anstieg psychischer Erkrankungen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen besonders ausgeprägt. Derzeit leidet mehr als ein Viertel der 15- bis 24-Jährigen an einer psychischen Störung. Dies gibt Anlass zur Sorge, da solche Erkrankungen, wenn sie in einem frühen Alter auftreten und unbehandelt bleiben, häufig bis ins Erwachsenenalter andauern, mit lang anhaltenden Folgen für Gesundheit und Produktivität.