Trotz beträchtlicher Fortschritte im Umweltbereich in den letzten zehn Jahren sind mit Blick auf die Umwelt- und Klimaziele weitere umfangreiche Investitionen notwendig. Die Umweltergebnisse haben sich verbessert, große Herausforderungen bestehen jedoch nach wie vor bei der Stärkung des Klimaschutzes und der -resilienz, der Eindämmung des Biodiversitätsverlusts und der Verwirklichung der Kreislaufwirtschaft. Ihre Bewältigung wird erhebliche öffentliche und private Mittel erfordern. Gleichzeitig muss Österreich die Erholung von der Rezession Anfang 2020 vorantreiben und die Haushaltsstabilität gewährleisten. Zur Schließung der Investitionslücke müssen daher öffentliche Mittel effizienter eingesetzt, klarere langfristige Signale zur Mobilisierung privater Investitionen gesetzt und der Finanzsektor stärker eingebunden werden. Erhebliche wirtschaftliche und beschäftigungspolitische Chancen können erschlossen werden, wenn auf den industriellen und wissenschaftlichen Stärken des Landes aufgebaut wird.
Mit Blick auf die Erfüllung der nationalen Ziele ist eine stärkere Abstimmung zwischen den Regierungsebenen unerlässlich. Österreich verfügt zwar über robuste Institutionen und Koordinierungsmechanismen, doch unterschiedliche Prioritäten zwischen dem Bund und den neun Bundesländern führen oft zu schwachen Vereinbarungen und einer begrenzten Durchsetzung. Die Verknüpfung eines größeren Anteils der Finanztransfers mit messbaren Umwelt- und Klimaergebnissen würde die Rechenschaftspflicht verbessern und zu kohärenteren Maßnahmen im ganzen Land beitragen.
Österreich benötigt einen kosteneffizienteren und ausgewogeneren Policy-Mix, um den grünen Wandel voranzutreiben. Jüngste Reformen, einschließlich der umweltgerechten Haushaltsplanung und eines nationalen Emissionshandelssystems, haben den politischen Rahmen gestärkt. Die CO2-Preise gehören aktuell zu den höchsten unter den OECD-Mitgliedern; die Aufrechterhaltung starker und vorhersehbarer Preissignale ist für die Erreichung der Klimaziele von entscheidender Bedeutung. Die Umweltpolitik ist jedoch nach wie vor auf grüne Subventionen angewiesen, die rationeller gestaltet und gezielter eingesetzt werden sollten. Gleichzeitig gibt es immer noch einige schädliche Förderungen, vor allem im Energie- und Verkehrssektor. Ihre schrittweise Abschaffung würde die Wirksamkeit der Politik und die Haushaltsdisziplin fördern.
Eine stärkere Einbindung des Finanzsektors ist entscheidend für eine umfangreichere Finanzierung von Klimaschutzmaßnahmen. Österreich hat seine „Green Finance Agenda“ vorangetrieben, doch die verfügbaren Daten deuten darauf hin, dass die Finanzströme nur in geringem Maße auf die Klimaziele ausgerichtet sind. Die Bestände der österreichischen Banken und der Aktienmarkt sind nach wie vor auf klimapolitisch relevante Aktivitäten konzentriert. Die Ausweitung der Datenerfassung, der Analysekapazitäten und der öffentlich-privaten Zusammenarbeit würde Österreich in die Lage versetzen, die Auswirkungen der Finanzpolitik besser einzuschätzen und Mittel in klimarelevante Investitionen zu lenken.