Belgiens Wirtschaft hat die jüngsten Energiepreisschocks gut überstanden, doch die Wachstumsaussichten bleiben verhalten. Einer neuen OECD-Studie zufolge sind weitere Reformen notwendig, um die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken, die öffentlichen Finanzen zu stabilisieren und so langfristig einen hohen Lebensstandard zu sichern.
Im OECD-Wirtschaftsbericht über Belgien wird prognostiziert, dass sich das BIP-Wachstum des Landes von 0,9 % im Jahr 2025 auf 0,7 % im Jahr 2026 abschwächen wird, bevor es 2027 wieder auf 1,0 % anzieht. Die Inflation dürfte nach 3,0 % im Jahr 2025 bei 3,6 % im Jahr 2026 und 3,4 % im Jahr 2027 liegen.
Belgiens Staatsverschuldung ist bereits hoch und nimmt weiter zu. Um die öffentlichen Finanzen zu konsolidieren, müssen das Ausgabenwachstum begrenzt und unwirksame Steuervergünstigungen abgebaut werden. Umfassendere Ausgabenüberprüfungen und eine bessere Planung öffentlicher Investitionen könnten diese Bemühungen unterstützen. Auch eine weitere Rentenreform, die das Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung koppelt, könnte dazu beitragen, die steigenden Kosten der Bevölkerungsalterung einzudämmen.
Um Belgiens Wettbewerbsfähigkeit zu stärken, muss das Land mehr in die Vermittlung der für die Digitalisierung und die Energiewende benötigten Kompetenzen investieren und die Lohnfindung flexibler gestalten. Auch eine Verbesserung der regulatorischen Rahmenbedingungen und eine wirksamere und effizientere Förderung von Forschung und Entwicklung würden die Wettbewerbsfähigkeit steigern.
Bis 2050 wird ein Viertel der belgischen Bevölkerung 65 Jahre oder älter sein. Ein Ausbau der häuslichen Langzeitpflege könnte die Lebensqualität pflegebedürftiger Menschen verbessern und gleichzeitig dazu beitragen, die Kosten einzudämmen. Auch eine bessere Zusammenarbeit zwischen den Gesundheitsdienstleistern und die Förderung einer gesünderen Lebensweise könnten dazu beitragen, die Gesundheitsversorgung effizienter zu gestalten und Kosten zu senken.
Weitere Fortschritte bei der Dekarbonisierung der Industrie würden Belgien widerstandsfähiger gegenüber künftigen Energiepreisschocks machen. Eine bessere Abstimmung der Klimaschutzmaßnahmen zwischen der Föderalregierung und den Regionalregierungen, der Abbau von Subventionen für fossile Energieträger und eine Reform der Energiebesteuerung würden zudem dazu beitragen, die Emissionen schneller zu senken und die Klimaziele mit geringeren Kosten zu erreichen.
Einen Überblick über die wichtigsten Ergebnisse und Grafiken des Wirtschaftsberichts finden Sie hier: Overview of the 2026 Economic Survey of Belgium. (Dieser Link kann in Medienberichten verwendet werden.)
Für weitere Informationen können sich Journalist*innen an Olivier Clavet oder das OECD-Pressebüro (+33 1 45 24 82 75) wenden.
Die OECD ist ein globales Forum, das mit über 100 Ländern zusammenarbeitet. Sie tritt ein für eine Politik, die die individuellen Freiheiten wahrt und das wirtschaftliche und soziale Wohlergehen der Menschen weltweit fördert.