- Die Arbeitsmärkte sind nach wie vor resilient, lassen aber weitere Anzeichen einer Abschwächung erkennen
- Der Wohnort hat entscheidenden Einfluss auf die Beschäftigungschancen
- Der Strukturwandel schlägt sich auf den lokalen Arbeitsmärkten unterschiedlich nieder
- Wettbewerbsverbotsklauseln sind auch jenseits von hochqualifizierten Berufen weit verbreitet
OECD Beschäftigungsausblick 2026: Deutschland
Table of contents
Die Ländernotizen bieten einen Überblick über die Arbeitsmarktlage einzelner Länder auf Grundlage von Daten aus dem OECD Employment Outlook 2026. Ein besonderer Schwerpunkt der diesjährigen Ausgabe sind geografische Disparitäten bei Beschäftigung und Einkommen.
Die Arbeitsmärkte sind nach wie vor resilient, lassen aber weitere Anzeichen einer Abschwächung erkennen
Copy link to Die Arbeitsmärkte sind nach wie vor resilient, lassen aber weitere Anzeichen einer Abschwächung erkennenDie Arbeitsmärkte im OECD-Raum zeigen sich weiterhin widerstandsfähig: Die Beschäftigung und die Erwerbsbeteiligung haben Rekordniveaus erreicht (im Länderdurchschnitt 72,1 % bzw. 76,7 % im 1. Quartal 2026) und die Arbeitslosigkeit ist im historischen Vergleich niedrig (4,9 % im Mai 2026). Allerdings mehren sich auch die Anzeichen für eine Abschwächung, wie etwa steigende Arbeitslosigkeit in vielen Ländern, nachlassendes Beschäftigungswachstum und sinkender Arbeitskräftemangel. In vielen Ländern wird aufgrund des erneuten Energiepreisanstiegs mit einem Rückgang der Reallöhne gerechnet.
In Deutschland lag die Arbeitslosenquote im Mai 2026 bei 3,8 % und damit deutlich unter dem OECD-Durchschnitt. Sie hat sich jedoch im Vergleich zu Mai 2025 (3,7 %) und Mai 2024 (3,4 %) erhöht. Zugleich ist bei der Erwerbsbeteiligung in Deutschland ein Aufwärtstrend zu beobachten. Diese lag im 1. Quartal 2026 bei 80,5 %, verglichen mit 80,3 % im 1. Quartal 2025 und 79,9 % im 1. Quartal 2024. Die Erwerbstätigenquote entwickelte sich verhaltener. Im 1. Quartal 2026 betrug sie 77,3 %, ebenso wie im 1. Quartal 2025, und war damit nahezu unverändert gegenüber dem 1. Quartal 2024 (77,2 %).
Die Arbeitsmarktanspannung verringerte sich in Deutschland bis zum 1. Quartal 2026 stärker als in allen anderen OECD-Ländern. Sie sank auf 0,3 offene Stellen pro Arbeitslosen unter dem Vorpandemieniveau des 4. Quartals 2019. Bedingt durch verschiedene strukturelle Faktoren (wie z. B. die Bevölkerungsalterung, die digitale Transformation und den Umbau zu einer klimaneutralen Wirtschaft) ist die Arbeitsmarktanspannung jedoch im Vergleich zu den frühen 2010er Jahren, als sie um mehr als 0,6 offene Stellen pro Arbeitslosen unter dem Niveau des 4. Quartals 2019 lag, nach wie vor relativ hoch.
Die Arbeitskräftehortung – gemessen als der Anteil der Unternehmen, die eine rückläufige Geschäftstätigkeit erwarten, aber kein Personal abbauen – belief sich in Deutschland im 1. Quartal 2026 auf 11,8 %. Damit nahm die Arbeitskräftehortung zwar gegenüber dem 1. Quartal 2025 (13,9 %) ab, lag aber immer noch deutlich über dem Vorpandemieniveau von 10,6 % im 4. Quartal 2019. Dieser anhaltend hohe Wert ist angesichts der gleichzeitig nachlassenden Arbeitsmarktanspannung bemerkenswert.
Die Reallöhne haben sich in Deutschland zwischen dem 1. Quartal 2025 und dem 1. Quartal 2026 um 1,2 % erhöht, während im OECD-Durchschnitt ein stärkerer Anstieg von 1,7 % verzeichnet wurde. Nach geringfügigen Zuwächsen in den letzten Jahren liegen die Reallöhne in Deutschland nun um 0,9 % über dem Niveau des 1. Quartals 2021 (vor der Hochinflationsphase). Im OECD-Durchschnitt haben sich die Reallöhne gegenüber dem 1. Quartal 2021 um 1,2 % erhöht. Trotz des jüngsten Inflationsdrucks infolge des Energiepreisanstiegs dürften die Reallöhne in Deutschland den Projektionen zufolge 2026 und 2027 um rund 1 % steigen. Dabei wird angenommen, dass die Störungen durch den Konflikt im Nahen Osten zwar erheblich, aber auf einen relativ kurzen Zeitraum begrenzt sind.
Der Wohnort hat entscheidenden Einfluss auf die Beschäftigungschancen
Copy link to Der Wohnort hat entscheidenden Einfluss auf die BeschäftigungschancenDie Arbeitsmarktlage im OECD-Raum weist erhebliche regionale Disparitäten auf. In über der Hälfte der OECD-Länder klaffen die Erwerbstätigenquoten verschiedener Regionen um mehr als 20 Prozentpunkte auseinander. Diese Disparitäten sind nicht allein durch Unterschiede in der Wohnbevölkerung verschiedener Regionen zu erklären. Sie sind auch durch die ungleichen wirtschaftlichen Chancen der Regionen bedingt und schlagen sich unmittelbar in Disparitäten beim Lebensstandard nieder.
In Deutschland beträgt der Abstand zwischen den Regionen im obersten und im untersten Quintil der Erwerbstätigenquoten 12,4 Prozentpunkte. Dies ist etwas mehr als der durchschnittliche Abstand von 11,4 Prozentpunkten in den OECD-Ländern, für die Daten zur Verfügung stehen (wobei die Bandbreite von 3,2 Prozentpunkten in Costa Rica bis zu 24,8 Prozentpunkten in Italien reicht). Diese regionalen Disparitäten bei den Erwerbstätigenquoten sind in Deutschland besonders verfestigt. Sie haben sich, anders als in den meisten anderen OECD-Ländern, seit Anfang der 2010er Jahre nicht wesentlich verringert.
Die Beschäftigungschancen der Menschen hängen stark davon ab, wo sie wohnen. 2023 lag die Arbeitslosenquote in Gelsenkirchen, dem Kreis mit der höchsten Arbeitslosigkeit, bei 16,1 % und damit um ein Vielfaches höher als in dem Kreis mit der niedrigsten Arbeitslosenquote, Pfaffenhofen an der Ilm (2,1 %).
Starke und schwache Arbeitsmärkte sind in der Regel geografisch geclustert. Kreise mit hoher Arbeitslosigkeit sind insbesondere im Osten anzutreffen, der immer noch unter den strukturellen Nachwirkungen der Wiedervereinigung leidet, sowie im Ruhrgebiet, das vom jahrzehntelangen Niedergang der Kohle- und Stahlindustrie gezeichnet ist. Die Kreise mit niedriger Arbeitslosigkeit konzentrieren sich in den südlichen Bundesländern. Daher müssen Arbeitskräfte, die ihre Beschäftigungschancen verbessern möchten, oft einen Umzug über weite Entfernungen in Kauf nehmen.
Der Strukturwandel schlägt sich auf den lokalen Arbeitsmärkten unterschiedlich nieder
Copy link to Der Strukturwandel schlägt sich auf den lokalen Arbeitsmärkten unterschiedlich niederGlobalisierung und digitale Technologien gestalten die lokalen Arbeitsmärkte in den OECD-Ländern weiter um, die Auswirkungen unterscheiden sich jedoch in den einzelnen Regionen erheblich. In Regionen, die stark vom Importwettbewerb aus Niedriglohnländern betroffen sind, kommt es häufig zu dauerhaften Arbeitsplatzverlusten im Verarbeitenden Gewerbe. Regionen, in denen der Einfluss digitaler Technologien besonders groß ist, verzeichnen dagegen in der Regel ein stärkeres Wachstum bei nicht routinemäßigen Tätigkeiten und höher qualifizierter Beschäftigung.
In Deutschland macht sich der Importwettbewerb aus Niedriglohnländern am stärksten im Kreis Dingolfing-Landau bemerkbar, was insbesondere auf die hohe Konzentration an Automobilherstellern und -zulieferern zurückzuführen ist. Der Kreis Vorpommern-Rügen hingegen ist am wenigsten vom Importwettbewerb betroffen.
Ebenso wie in anderen Ländern geht in Deutschland die regionale Betroffenheit von Niedriglohnwettbewerb mit einem Rückgang der Beschäftigung im Verarbeitenden Gewerbe einher, der jedoch von Anfang an durch regionales Beschäftigungswachstum im Nichtverarbeitenden Gewerbe ausgeglichen wird. Insbesondere in den 2010er Jahren führten diese kompensierenden Effekte im Zusammenhang mit dem Niedriglohnwettbewerb zu einem robusten Wachstum der Gesamtbeschäftigung.
Auf nationaler Ebene verdrängten Importe aus China vor allem die deutschen Importe aus anderen Niedriglohnländern, anstatt direkt mit inländischen Herstellern zu konkurrieren. Dies dämpfte die negativen Auswirkungen auf das Verarbeitende Gewerbe. Die Zunahme der Importe aus Niedriglohnländern ging mit einem Anstieg der Exporte einher, was den Schluss zulässt, dass der internationale Handel insgesamt mehr Arbeitsplätze im Verarbeitenden Gewerbe geschaffen als vernichtet hat.
Ebenso wie in anderen Ländern vollzieht sich die Anpassung der regionalen Beschäftigung im Verarbeitenden Gewerbe an den Strukturwandel auch in Deutschland vor allem über Beschäftigungszugänge und -abgänge (d. h. Arbeitskräfte, die in den Arbeitsmarkt eintreten oder aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden). Regionale und sektorale Mobilität spielen dagegen nur eine untergeordnete Rolle.
Wettbewerbsverbotsklauseln sind auch jenseits von hochqualifizierten Berufen weit verbreitet
Copy link to Wettbewerbsverbotsklauseln sind auch jenseits von hochqualifizierten Berufen weit verbreitetWettbewerbsverbotsklauseln – Vertragsbedingungen, die Arbeitskräfte daran hindern, zu einem Konkurrenzunternehmen zu wechseln oder selbst ein Konkurrenzunternehmen zu gründen – und ähnliche vertragliche Beschränkungen sind auf den Arbeitsmärkten im OECD-Raum weitverbreitet. 2025 waren rund 30 % der Beschäftigten von solchen Klauseln betroffen, und zwar zunehmend auch jenseits hochspezialisierter Tätigkeiten. Unternehmen können solche Klauseln nutzen, um Geschäftsgeheimnisse oder Investitionen zu schützen. Analysen deuten jedoch darauf hin, dass sie die Arbeitsplatzmobilität verringern, das Lohnwachstum schwächen, die Wissensdiffusion verlangsamen und das Produktivitätswachstum beeinträchtigen können.
Arbeitgeberangaben zufolge sind in Deutschland derzeit 24–35 % der Beschäftigten im privaten Sektor an Wettbewerbsverbotsklauseln gebunden, verglichen mit einem OECD-Durchschnitt von 20–30 %. Die Unternehmen in Deutschland vermelden dabei eine steigende Tendenz, was auf eine zunehmende Nutzung vertraglicher Beschränkungen am deutschen Arbeitsmarkt hindeutet.
Wie in mehreren anderen OECD-Ländern haben Wettbewerbsverbotsklauseln in Deutschland mittlerweile auch Arbeitsmarktsegmente erreicht, in denen die herkömmliche Rechtfertigung, wie z. B. der Schutz sensibler Daten oder wertvoller Investitionen, kaum zutreffend scheint. So geben beispielsweise 9–25 % der Arbeitskräfte ohne Zugang zu vertraulichen Informationen an, eine Wettbewerbsverbotsvereinbarung unterzeichnet zu haben, ebenso wie 10–24 % der Geringverdiener.
Rund 30 % der befragten Unternehmen in Deutschland berichteten von Abwerbeverboten, Lohnabsprachen oder beidem in ihrer Branche, verglichen mit 48 % im Durchschnitt der befragten Länder.
Kontakt
Jonas FLUCHTMANN (✉ jonas.fluchtmann@oecd.org)
Stéphane CARCILLO (✉ stephane.carcillo@oecd.org)
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Die Republik Zypern wird von allen Mitgliedern der Vereinten Nationen mit Ausnahme der Republik Türkiye anerkannt. Die Informationen in diesem Dokument beziehen sich auf das Gebiet, das sich unter der tatsächlichen Kontrolle der Regierung der Republik Zypern befindet.
Englischer Gesamtbericht: OECD (2026), OECD Employment Outlook 2026: Geographic Disparities in Jobs and Incomes, OECD Publishing, Paris, https://doi.org/10.1787/7e710f54-en.
Übersetzung durch den Deutschen Übersetzungsdienst der OECD.
© OECD 2026
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