Nach der Rezession in den Jahren 2023–2024 wird sich das österreichische Wirtschaftswachstum den Projektionen zufolge allmählich erholen. Um das Wachstum und die wirtschaftliche Resilienz aufrechtzuerhalten, sind einer neuen OECD-Studie zufolge Reformen zur Verringerung des Haushaltsdefizits, zur Bewältigung der Folgen der Bevölkerungsalterung und zur Steigerung der Unternehmensdynamik wichtig.
Der jüngste OECD-Wirtschaftsbericht Österreich projiziert einen von steigenden Realeinkommen, einer nachlassenden Inflation und stabiler Beschäftigung gestützten Anstieg des BIP-Wachstums von 0.6 % letztes Jahr auf 1.1 % dieses Jahr und 1.3 % im Jahr 2027. Für 2027 wird mit einer Inflationsrate von 2.2 % gerechnet. Ein Hauptunsicherheitsfaktor für den Ausblick ist ein anhaltender Konflikt im Nahen Osten, der zu höherer Inflation und geringerem Wachstum führen könnte.
„Österreichs Einkommen und Lebensstandard sind hoch, was starken Institutionen, gut ausgebildeten Arbeitskräften und der tiefen Integration in die europäischen und globalen Märkte zu verdanken ist“, sagte OECD-Generalsekretär Mathias Cormann bei der Vorstellung des Wirtschaftsberichts in Wien gemeinsam mit der österreichischen Bundesministerin für europäische und internationale Angelegenheiten Beate Meinl-Reisinger, dem österreichischen Bundesminister für Finanzen Markus Marterbauer und Staatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl. „Eine nachhaltige Rückführung des Haushaltsdefizits sowie Reformen im Renten-, Arbeitsmarkt- und Gesundheitsbereich würden dazu beitragen, die Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen zu sichern und den Auswirkungen der Bevölkerungsalterung entgegenzuwirken. Die Unternehmensdynamik und Österreichs Wettbewerbsfähigkeit ließen sich durch Politikmaßnahmen steigern, die den Markteintritt im Dienstleistungssektor erleichtern und die Energiekosten senken.“
Österreich hat einen über sieben Jahre bis 2031 laufenden Haushaltskonsolidierungsplan aufgestellt, um das Defizit von 4.7 % des BIP 2024 bis 2028 auf unter 3 % des BIP zurückzuführen und die Schuldenlast mit der Zeit zu verringern. Zusätzliche Steuerreformen würden dazu beitragen, dem aufgrund der Bevölkerungsalterung, des Verteidigungsbedarfs und des Klimawandels steigenden Ausgabendruck zu begegnen. Eine zielgenauere Ausrichtung familienbezogener Transferleistungen und der schrittweise Abbau von Subventionen für fossile Brennstoffe können dabei helfen, dieses Ziel zu erreichen.
Würden das gesetzliche Renteneintrittsalter an die steigende Lebenserwartung gekoppelt und Anreize zur Frühverrentung reduziert, hätte dies eine stärkere Nachhaltigkeit der Renten zur Folge. Eine höhere Vollzeitbeschäftigung von Frauen – durch den Ausbau bezahlbarer Kinderbetreuung, die Erhöhung des Väteranteils an der Gesamtdauer der Elternzeit und die sukzessive Abschaffung des Alleinverdienerabsetzbetrags – würde zudem der Arbeitskräfteknappheit entgegenwirken und das Wachstum stützen.
Eine Lockerung der Zutrittsschranken in Dienstleistungssektoren, eine Reduzierung des Regulierungsaufwands für Unternehmen, eine schnellere Digitalisierung und eine Stärkung des Wettbewerbs auf wichtigen Märkten würden das Produktivitätswachstum steigern. Durch den Ausbau des Stromnetzes ließen sich der Einsatz erneuerbarer Energien fördern und die Energiekosten senken.
Der Druck im Zusammenhang mit bezahlbarem Wohnraum hat in Wien und anderen großen Städten zugenommen, da die Wohnimmobilienpreise und Mieten erheblich gestiegen sind. Eine regelmäßige Neubewertung der Anspruchsberechtigung von Mieter*innen für wohnbaugeförderte Genossenschaftswohnungen und eine Straffung der Verfahren zur Erteilung von Baugenehmigungen würden zu einem besser an den Bedarf angepassten Wohnungsangebot beitragen.
Weitere Informationen finden Sie im vollständigen OECD-Wirtschaftsbericht Österreich.
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