- Die Arbeitsmärkte behaupten sich weiter, es sind aber erste Anzeichen einer Abschwächung festzustellen
- Die Reallöhne steigen, es besteht aber noch erhebliches Aufholpotenzial
- Den Auswirkungen der Bevölkerungsalterung auf das Wachstum entgegenwirken
- Die Arbeitsmarktpolitik muss sich weiterentwickeln, um den Arbeitskräften eine längere Erwerbstätigkeit zu ermöglichen
Table of contents
Diese Ländernotiz bietet einen Überblick über die Arbeitsmarktlage in Deutschland auf der Grundlage von Daten aus dem OECD Employment Outlook 2025. In der vorliegenden Ausgabe liegt der Schwerpunkt insbesondere auf den Auswirkungen der Bevölkerungs- und Arbeitskräftealterung auf den Arbeitsmarkt und die Arbeitsplätze.
Die Arbeitsmärkte behaupten sich weiter, es sind aber erste Anzeichen einer Abschwächung festzustellen
Copy link to Die Arbeitsmärkte behaupten sich weiter, es sind aber erste Anzeichen einer Abschwächung festzustellenIm OECD-Raum betrug die Arbeitslosenquote im Mai 2025 weiterhin 4,9 % – genauso wie vor einem Jahr. Allerdings deutet sich allmählich eine Abschwächung an: Das Beschäftigungswachstum verlangsamt sich und die Arbeitsmarktanspannung ist in vielen Ländern auf Vor-Pandemie-Niveau zurückgegangen.
In Deutschland lag die Arbeitslosenquote im Mai 2025 bei 3,7 % und damit deutlich unter dem OECD-Durchschnitt. Allerdings war sie zwischen März 2023 und März 2024 schon langsam und stetig von 3,0 % auf 3,4 % gestiegen. Bis Q4 2025 wird sich die Arbeitslosenquote in Deutschland den Projektionen zufolge auf 3,6 % erhöhen, bis Q4 2026 aber auf 3,5 % zurückgehen.
Zugleich ist auch die Beschäftigungsquote in Deutschland gestiegen, was auf den höheren Migrantenanteil unter den Erwerbstätigen zurückzuführen ist. In Q1 2025 lag die Beschäftigungsquote bei 77,6 %, gegenüber 77,3 % in Q1 2024 und Q1 2023. Im Gesamtjahr 2025 wird sie voraussichtlich um 0,7 % und im Jahresverlauf 2026 um 0,2 % zunehmen.
Die Arbeitsmarktanspannung hat in vielen OECD-Ländern wieder das Vor-Pandemie-Niveau erreicht. Gleiches gilt für die Matchingeffizienz zwischen Arbeitgebenden und Arbeitsuchenden. Die Arbeitsmarktlage ist aufgrund struktureller Gründe jedoch nach wie vor angespannt. In Deutschland lag die Arbeitsmarktanspannung (gemessen an der Zahl der offenen Stellen je Arbeitslosen) in Q1 2025 aber weiterhin 28 % unter dem Vorkrisenniveau.
Die deutsche Wirtschaft wird Projektionen zufolge langsam wachsen. Für 2025 wird ein Wachstum von lediglich 0,4 % erwartet, das 2026 aber auf 1,2 % anziehen dürfte. Treibende Faktoren für das Wachstum werden höhere Verbraucherausgaben und höhere öffentliche Investitionen in Verteidigung und Infrastruktur sein, die zoll- und handelspolitische Unsicherheit wird die Exporte und die Investitionen im Verarbeitenden Gewerbe jedoch voraussichtlich dämpfen.
Im Juli 2024 hat die Vorgängerregierung die Wachstumsinitiative verabschiedet, die insbesondere Maßnahmen zum Bürokratieabbau, Anreize für eine längere Erwerbstätigkeit sowie Anreize für die Zuwanderung von Fachkräften enthält. Das im März 2025 gebilligte historische Sondervermögen in Höhe von 500 Mrd. EUR für Infrastrukturinvestitionen und die Aussetzung der Schuldenbremse für Verteidigungsausgaben werden den Arbeitsmarkt voraussichtlich ebenfalls grundlegend verändern.
Die Reallöhne steigen, es besteht aber noch erhebliches Aufholpotenzial
Copy link to Die Reallöhne steigen, es besteht aber noch erhebliches AufholpotenzialDie Reallöhne ziehen in fast allen OECD-Ländern an, sind jedoch in der Hälfte dieser Länder immer noch niedriger als Anfang 2021 – unmittelbar vor dem drastischen Inflationsanstieg nach der Pandemie.
In Deutschland sind die Nominallöhne zwischen Q1 2024 und Q1 2025 um 2,7 % gestiegen. Auch wenn die Reallöhne in diesem Zeitraum um 0,4 % zugelegt haben, liegen sie immer noch 0,2 % unter dem Niveau von Q1 2021 (vgl. unten stehende Abbildung). Diese kumulativen Veränderungen seit Q1 2021 entsprechen in etwa dem OECD-Medianwert, liegen aber deutlich unter dem OECD-Durchschnitt (was auf positive Ausreißer mit einem starken Reallohnwachstum – z. B. Türkiye – zurückzuführen ist).
Die Anhebungen des 2015 in Deutschland eingeführten Mindestlohns haben dazu geführt, dass die Löhne im Niedriglohnsektor in den letzten Jahren gestiegen sind. So beträgt der Mindestlohn nach der jüngsten Erhöhung im April 2025 nun 12,82 EUR pro Stunde. Im Januar 2021 waren es nur 9,50 EUR. In realer Rechnung hat sich der Mindestlohn in Deutschland in diesem Zeitraum um 12,0 % erhöht, was deutlich über dem OECD-Durchschnitt (7,9 %) und weit über dem Median (4,7 %) liegt. Zwischen 2021 und 2023 stieg das Verhältnis zwischen Bruttomindestlohn und Bruttomedianlohn von 44,8 % auf 51,7 % (verglichen mit einem Anstieg von 55,3 % auf 56,7 % im OECD-Durchschnitt).
Den Auswirkungen der Bevölkerungsalterung auf das Wachstum entgegenwirken
Copy link to Den Auswirkungen der Bevölkerungsalterung auf das Wachstum entgegenwirkenWeltweit leben die Menschen heute länger und erfreuen sich einer besseren Gesundheit als jemals zuvor. Diese bemerkenswerte Entwicklung ging mit einem Rückgang der Geburtenziffern einher, was bedeutende demografische Veränderungen zur Folge hat. Die Zahl der älteren Personen je Person im Erwerbsalter wird im OECD-Raum bis 2060 um 67 % steigen. Der Anteil der Beschäftigten in der Bevölkerung wird sinken, sofern sich kein Kurswechsel vollzieht. Folglich wird sich das jährliche Wachstum des Pro-Kopf-BIP um 0,4 Prozentpunkte verlangsamen.
Für Deutschland wird im Basisszenario bis 2060 von einem Rückgang der Bevölkerung im traditionellen Erwerbsalter um 22 % ausgegangen. Das bedeutet, dass die Zahl der Personen im Rentenalter je Person im Erwerbsalter von 0,39 auf 0,60 steigen wird. Zugleich wird die Erwerbstätigenquote bis 2060 um 4,63 Prozentpunkte zurückgehen (vgl. unten stehende Abbildung), was den Druck auf das umlagefinanzierte Rentensystem in Deutschland weiter erhöhen dürfte.
Unter der Annahme, dass das Produktivitätswachstum konstant auf dem Niveau des Zeitraums 2006–2019 verharrt, bedeutet dies, dass das Pro-Kopf-BIP bis 2060 nur um 0,27 % jährlich wachsen wird (im Vergleich zu einem Zuwachs um 1,4 % im Zeitraum 2006–2019).
Durch die Schaffung von mehr Arbeitsplätzen für ältere Arbeitskräfte und die Förderung der Erwerbsbeteiligung von Frauen könnte die Erwerbstätigenquote in den meisten OECD-Ländern stabilisiert werden. Allerdings wird sich das Wachstum des Pro-Kopf-BIP in vielen Ländern weiter verlangsamen. Nur durch die Ankurbelung des Produktivitätswachstums können die Länder ein Wachstumsniveau nahe des in der Vergangenheit verzeichneten Niveaus aufrechterhalten.
Durch die Mobilisierung von ungenutztem Arbeitskräftepotenzial – z. B. durch eine Verringerung der Geschlechterdifferenzen in der Beschäftigung und vor allem durch die Aktivierung älterer Arbeitskräfte in guter Gesundheit sowie eine Erhöhung der regulären Migration – kann Deutschland das jährliche Pro-Kopf-BIP-Wachstum auf 0,58 % erhöhen. Dieser Wert könnte auf 1,08 % steigen, wenn zusätzlich das Produktivitätswachstum die Hälfte des OECD-Medianwerts im Zeitraum 1991–2000 erreicht. Hiermit könnte Deutschland die Bremswirkung, die der demografische Wandel auf das Wachstum ausübt, teilweise – oder sogar vollständig – kompensieren.
Die Arbeitsmarktpolitik muss sich weiterentwickeln, um den Arbeitskräften eine längere Erwerbstätigkeit zu ermöglichen
Copy link to Die Arbeitsmarktpolitik muss sich weiterentwickeln, um den Arbeitskräften eine längere Erwerbstätigkeit zu ermöglichenDie Erwerbstätigkeit von Männern und Frauen geht nach dem 60. Lebensjahr in den meisten Ländern drastisch zurück. Die Förderung von lebenslangem Lernen, gesunden Arbeitsplätzen, flexiblem Renteneintritt und inklusiven Arbeitgeberpraktiken ist entscheidend, um die Beschäftigungsfähigkeit älterer Arbeitskräfte zu erhöhen und ihre Lebensarbeitszeit zu verlängern.
Zwischen 2000 und 2024 sind in Deutschland die Beschäftigungsquoten in der Altersgruppe 55–59 Jahre um 27 Prozentpunkte und in der Altersgruppe 60–64 Jahre um 57 Prozentpunkte gestiegen. Gründe dafür sind die schrittweise Anhebung des gesetzlichen Rentenalters auf 67 Jahre seit 2012 und das höhere Bildungsniveau, das mit einer längeren Lebensarbeitszeit verbunden ist. In der Altersgruppe 60–64 Jahre lag die Beschäftigungsquote in Deutschland 2024 mit 66,7 % deutlich über dem OECD-Durchschnitt von 55,9 % (vgl. unten stehende Abbildung). Bei Frauen, insbesondere ab dem Alter von 60 Jahren, sind die Erwerbstätigenquoten jedoch deutlich niedriger.
In Deutschland liegt das durchschnittliche Erwerbsaustrittsalter weiterhin unter dem Regelrentenalter. Frauen verlassen den Arbeitsmarkt generell 2,4 Jahre früher, bei Männern beträgt der Abstand 2,1 Jahre. Beide Werte liegen deutlich über dem OECD-Durchschnitt. Möglichkeiten, Erwerbstätigkeit und Renteneinkommen zu kombinieren, können einen gleitenden Übergang in den Ruhestand erleichtern. Allerdings arbeiten in Deutschland nur 14,3 % der Arbeitskräfte im Alter von 50–69 Jahren beim ersten Rentenbezug weiter, verglichen mit einem Durchschnitt von 22,4 % in 24 europäischen OECD-Ländern.
Die Ampelkoalition hatte zwar Vorschläge zur Förderung einer längeren Lebensarbeitszeit unterbreitet, die Umsetzung der Maßnahmen erfolgte jedoch aufgrund der politischen Instabilität und der Regierungsauflösung nur eingeschränkt. Die neue Regierung hat ebenfalls mehrere Initiativen zur Erhöhung der Beschäftigung im Alter vorgeschlagen, darunter die sogenannte Aktivrente, die es Rentner*innen ermöglicht, bis zu 2 000 EUR im Monat steuerfrei hinzuzuverdienen. Bisher wurde aber noch keine Initiative beschlossen oder umgesetzt.
Kontakt
Stéphane CARCILLO (✉ stephane.carcillo@oecd.org
Jonas FLUCHTMANN (✉ jonas.fluchtmann@oecd.org)
Dieses Dokument sowie die darin enthaltenen Daten und Karten berühren weder den völkerrechtlichen Status von Territorien noch die Souveränität über Territorien, den Verlauf internationaler Grenzen und Grenzlinien sowie den Namen von Territorien, Städten oder Gebieten.
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Die vollständige Studie ist auf Englisch verfügbar: OECD (2025), OECD Employment Outlook 2025: Can We Get Through the Demographic Crunch?, OECD Publishing, Paris, https://doi.org/10.1787/194a947b-en.
Übersetzung durch den Deutschen Übersetzungsdienst der OECD.
© OECD 2025
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