Digitale Geräte bieten Kindern und Jugendlichen wertvolle Möglichkeiten, um zu lernen, kreativ zu sein und soziale Bindungen aufzubauen. Zugleich herrscht aber auch Besorgnis über mögliche negative Effekte auf ihr Wohlbefinden. So besteht z. B. das Risiko, dass ihre persönlichen Kontakte abnehmen, dass sie mit schädlichen Inhalten und Verhaltensformen konfrontiert werden, Online-Missbrauch erleben oder dass sie sich weniger bewegen und dass ihr Schlaf sowie ihre physische und psychische Gesundheit insgesamt leiden. Gleichwohl bergen nicht alle digitalen Aktivitäten die gleichen Risiken. Zudem ist der Großteil der vorliegenden Evidenz eher korrelativer, nicht kausaler Natur. Bei vielen Heranwachsenden sind die Effekte im Allgemeinen neutral oder positiv, bei einer besonders anfälligen Minderheit kommt es jedoch zu einer problematischen Nutzung digitaler Medien, die negative Auswirkungen auf ihr Wohlbefinden hat. Diese Ergebnisse werden durch Erfahrungsberichte von Fachleuten aus erster Hand gestützt, darunter Lehrkräfte, Ärzt*innen und Sozialarbeiter*innen.
Von einer problematischen Nutzung digitaler Medien wird bei Kindern und Jugendlichen gesprochen, wenn es ihnen schwerfällt, weniger Zeit online zu verbringen, und sie ihre Online-Aktivitäten auch dann nicht einschränken können, wenn sie ihre Tagesabläufe stören oder ihrem Wohlbefinden schaden. In manchen Fällen führt dies zu exzessiver Nutzung oder suchtartigem Verhalten. Forschungsarbeiten zufolge besteht bei einer problematischen Nutzung ein erhöhtes Risiko von Depressionen, Angststörungen, Vereinsamung, schulischen Schwierigkeiten, Körperbildstörungen und Schlafstörungen. Mädchen sind davon häufiger betroffen als Jungen. Manche Faktoren erhöhen diese Risiken, so z. B. ein intensiver Sozialvergleich, die Konfrontation mit unrealistischen Idealen und Cybermobbing. In Kapitel 4 dieser Studie wird der Zusammenhang zwischen der Nutzung digitaler Medien und dem kindlichen Wohlergehen untersucht, wobei die Ergebnisse unter verschiedenen Aspekten betrachtet werden: Art der Aktivität (z. B. soziale Medien oder Videospiele), Technologiedesign, passive oder aktive Nutzung sowie Austausch mit Gleichaltrigen und Eltern bzw. anderen Erwachsenen. Dabei wird auch der Einfluss von Kontextfaktoren im Zusammenhang mit den persönlichen Lebensumständen und dem familiären Umfeld der Kinder und Jugendlichen beleuchtet.
Verschiedene persönliche bzw. kontextbezogene – nicht digitale – Faktoren können Kinder und Jugendliche anfälliger für eine problematische Nutzung digitaler Medien machen. Dazu gehören ein mangelndes Interesse an körperlicher Bewegung, Verhaltensprobleme, unzureichende soziale Kontakte, Probleme im familiären Umfeld (z. B. Misshandlung, Konflikte mit den Eltern und elterliches Versagen) oder psychische Probleme. Außerdem kann zwischen einer problematischen Nutzung digitaler Medien und dem Wohlbefinden eine Wechselwirkung bestehen, die bereits vorhandene Vulnerabilitäten verstärkt. Zu den wesentlichen Erkenntnissen dieser Studie gehört, dass weitere Daten und Analysen notwendig sind, um besser zu verstehen, wie Offline-Faktoren zu einer problematischen Nutzung digitaler Medien beitragen und deren Auswirkungen verstärken oder wie sie im Gegenteil davor schützen.
Neue Technologien wie künstliche Intelligenz (KI) und virtuelle Realität (VR) bergen sowohl Chancen als auch Risiken für das Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen. KI kann Lernprozesse fördern, die Analyse medizinischer Daten verbessern und den Wissenszugang erweitern, sie bringt aber auch Risiken mit sich, z. B. Bias, Privatsphärenverlust, Betrug und schädliche Inhalte. VR kann gewinnbringend in der Bildung, zum Schmerzmanagement oder in der Kinderpsychiatrie eingesetzt werden, birgt aber ebenfalls Risiken, z. B. Übelkeit, Augenschmerzen oder eine Verwischung der Grenzen zwischen realem und virtuellem Erleben, die Auswirkungen auf die kognitive Entwicklung kleiner Kinder haben kann. Um diese Risiken zu verringern, gilt es, ein sicheres Technologiedesign zu gewährleisten, Zeitbegrenzungen und Pausen einzuhalten und eine elterliche Aufsicht zu sichern.