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PISA-Studie: Häufig gestellte Fragen

 

 

Was ist PISA?

PISA wurde von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ins Leben gerufen, um die Lese-, Mathematik- und Naturwissenschaftskenntnisse und -kompetenzen 15-jähriger Schülerinnen und Schüler zu evaluieren. An der PISA-Erhebung 2018, bei der die Lesekompetenz den Schwerpunktbereich bildete, nahmen 79 Länder und Volkswirtschaften teil. Die Daten wurden am 3. Dezember 2019 von der OECD veröffentlicht.

2020 werden weitere Daten zur finanziellen Allgemeinbildung, zur Schulorganisation und zur globalen Kompetenz veröffentlicht.

 

Was wird bei PISA getestet und warum?

Das Hauptaugenmerk der Erhebung gilt den Lese-, Mathematik- und Naturwissenschaftsleistungen der Schülerinnen und Schüler, da sie für den weiteren Bildungsverlauf von grundlegender Bedeutung sind. Gleichzeitig werden bei PISA wichtige Daten zu den Einstellungen und zur Motivation der Schülerinnen und Schüler erhoben und ihre Fähigkeiten in Bereichen wie kollaboratives Problemlösen und globale Kompetenz erfasst. Außerdem wird untersucht, wie andere wichtige Kompetenzen evaluiert werden könnten, z.B. kreatives Denken.

PISA basiert auf Lehrplaninhalten, die weltweit behandelt werden. Geprüft wird, inwieweit die Schülerinnen und Schüler in der Lage sind, beim Untersuchen, Interpretieren und Lösen von Aufgaben Kenntnisse und Kompetenzen anzuwenden, analytisch vorzugehen, logisch zu denken und ihre Überlegungen klar auszudrücken. Bei PISA geht es weder darum, bestimmte Lehrplaninhalte vorzugeben oder zu propagieren, noch darum, einen gemeinsamen Nenner zu finden. Ziel der PISA-Erhebung 2018 war es, die Lesekenntnisse und -kompetenzen zu evaluieren, die nach Ansicht der Experten in den Teilnehmerländern und -volkswirtschaften Grundvoraussetzung für eine volle Teilhabe an einer wissensbasierten Gesellschaft sind, die sich zunehmend auf digitale Technologien stützt.

 

Was sind die wichtigsten Merkmale von PISA 2018?

Inhalte: Schwerpunkt der PISA-Erhebung 2018 war die Lesekompetenz, untergeordnete Erhebungsbereiche waren Mathematik und Naturwissenschaften sowie globale Kompetenz. Auch die finanzielle Allgemeinbildung junger Menschen wurde evaluiert. Die Teilnahme an dieser Komponente war für die Länder und Volkswirtschaften jedoch fakultativ.

Teilnehmer: Etwa 600 000 Schülerinnen und Schüler absolvierten stellvertretend für die rd. 32 Millionen 15-Jährigen in den Schulen der 79 teilnehmenden Länder und Volkswirtschaften die Testrunde 2018.

Testdurchführung: In den meisten Ländern wurden computergestützte Tests eingesetzt. Die Tests dauerten insgesamt zwei Stunden. Im Bereich Lesekompetenz basierten die computergestützten Tests auf einem mehrstufigen adaptiven Ansatz. Dabei wurden den Schülerinnen und Schülern je nach ihrer Leistung in den vorangegangenen Testabschnitten unterschiedliche Aufgabenblöcke zugeteilt.  Die Schülerinnen und Schüler füllten zudem einen Hintergrundfragebogen aus, wofür rd. 35 Minuten vorgesehen waren. Bei den Testitems handelte es sich um eine Mischung aus Multiple-Choice-Aufgaben und Aufgaben, bei denen die Schülerinnen und Schüler selbst Antworten formulieren mussten. Die Items wurden basierend auf einer Textpassage, die eine reale Lebenssituation beschreibt, verschiedenen Kategorien zugeordnet. Insgesamt enthielt der Aufgabenkatalog für die Bereiche Lesekompetenz, Mathematik, Naturwissenschaften und globale Kompetenz Items für eine Testdauer von mehr als 15 Stunden, wobei die einzelnen Schülerinnen und Schüler unterschiedliche Kombinationen von Items bearbeiteten.

Fragebogen: Der Schülerfragebogen enthielt Fragen über die Schüler selbst, über ihre Einstellungen, Interessen und Überzeugungen sowie über ihr Zuhause und ihre Schul- und Lernerfahrungen. Die Schulleitungen füllten einen Fragebogen zur Schulverwaltung und -organisation sowie zum Lernumfeld aus.  Einige Länder und Volkswirtschaften verwendeten zusätzliche Fragebogen, um weitere Informationen einzuholen:  In 19 Ländern und Volkswirtschaften kam ein Lehrerfragebogen zum Einsatz, in dem die Lehrkräfte zu ihrem beruflichen Hintergrund und ihren Unterrichtsmethoden befragt wurden. 17 Länder und Volkswirtschaften nutzten einen Elternfragebogen, um zu erfahren, wie die Eltern die Schule und das Lernen ihres Kindes einschätzen und inwiefern sie sich dabei selbst einbringen. Drei weitere optionale Schülerfragebogen standen zur Verfügung: ein Fragebogen, in dem die Schüler zu ihrer Erfahrung im Umgang mit Computern befragt wurden (der in 52 Ländern und Volkswirtschaften eingesetzt wurde), ein Fragebogen zu ihren Erwartungen für ihren weiteren Bildungsweg (32 Länder und Volkswirtschaften) und ein für PISA 2018 entwickelter Fragebogen zum persönlichen Wohlbefinden der Schüler (9 Länder und Volkswirtschaften).

Nähere Informationen finden sich in Band I des Ergebnisberichts von PISA 2018 im Abschnitt „Was ist PISA“.

 

Welcher Zusammenhang besteht zwischen den PISA-Ergebnissen und dem Erfolg im späteren Leben?

In vier Ländern – Australien, Kanada, Dänemark und der Schweiz – wurden Längsschnittstudien durchgeführt, bei denen die Schülerkohorte, die Anfang der 2000er Jahre an den ersten PISA-Tests teilgenommen hatte, bis ins Erwachsenenalter begleitet wurde. Dabei zeigte sich in allen Ländern, dass Studienteilnehmer, die als 15-Jährige beim PISA-Test besser abgeschnitten hatten, im Alter von 25 Jahren ein höheres Bildungsniveau aufwiesen. Bei ihnen kam es auch seltener vor, dass sie weder im Erwerbsleben standen noch eine Bildungseinrichtung besuchten.

Zwischen dem sozioökonomischen Status des Elternhauses – d.h. den materiellen Lebensbedingungen und dem Bildungsniveau der Eltern – und den Schülerleistungen beim PISA-Test besteht natürlich ein Zusammenhang. Allerdings wiesen Studienteilnehmer, die als 15-Jährige beim PISA-Test bessere Ergebnisse erzielt hatten, auch nach Berücksichtigung dieser Faktoren im Alter von 25 Jahren bessere Bildungs- und Beschäftigungsergebnisse auf. Auch zwischen der in den PISA-Fragebogen erfassten Selbstwahrnehmung der Schülerinnen und Schüler und ihren Zukunftsaussichten scheint ein Zusammenhang zu bestehen. Nähere Einzelheiten hierzu finden sich in der Novemberausgabe 2019 von PISA in Focus und im Bericht Equity in Education.

 

Welche Neuerungen gab es bei PISA 2018?

Das letzte Mal bildete die Lesekompetenz im Jahr 2009 den Schwerpunktbereich der PISA-Erhebung. Damals wurde das Rahmenkonzept für die Erfassung der Lesekompetenz zum letzten Mal aktualisiert. Für PISA 2018 wurde daher ein neues Rahmenkonzept entwickelt, das den Veränderungen im Bereich der Lesekompetenzanforderungen Rechnung trägt. In den letzten zehn Jahren war eine zunehmende Verlagerung hin zu Texten in elektronischen Formaten zu beobachten und das Angebot an Texten hat sich massiv erhöht. Beim PISA-Lesekompetenztest 2018 rückte daher die Fähigkeit, Informationen in verschiedenen Texten zu finden bzw. sie zu vergleichen, gegenüberzustellen und zu verknüpfen, stärker in den Vordergrund.

Zudem wurden im Bereich Lesekompetenz erstmals adaptive Tests durchgeführt. Das bedeutet, dass Schülerinnen und Schülern, die bei den ersten Aufgaben gut abschnitten, in den nachfolgenden Testabschnitten mit höherer Wahrscheinlichkeit schwierigere Aufgaben gestellt wurden. Schülerinnen und Schülern, die bei den ersten Aufgaben schlechter abschnitten, wurden anschließend mit höherer Wahrscheinlichkeit leichtere Aufgaben zugeteilt.

Bei PISA 2018 wurde erstmals auch die globale Kompetenz getestet. Die Ergebnisse werden 2020 veröffentlicht werden.

Einige Länder nahmen 2018 zum ersten Mal an PISA teil, und zwar Belarus, Bosnien und Herzegowina, Brunei Darussalam, Marokko, die Philippinen, Saudi-Arabien und die Ukraine. Nähere Einzelheiten hierzu finden sich in der Oktoberausgabe 2019 von PISA in Focus und im Bericht PISA 2018 Assessment and Analytical Framework.

 

Wer wird bei PISA getestet?

Getestet werden Schülerinnen und Schüler, die zwischen 15 Jahre und 3 Monate und 16 Jahre und 2 Monate alt sind und die 7. oder eine höhere Klassenstufe einer Bildungseinrichtung besuchen. Alle Schülerinnen und Schüler, die diese Kriterien erfüllen, bilden die Grundgesamtheit, aus der die Schulen und Schüler für den Test ausgewählt werden – unabhängig davon, welche Art von Bildungseinrichtung sie besuchen und ob es sich dabei um eine Ganztags- oder eine Halbtagsschule handelt.

Manchmal werden jedoch einige Schulen und Schüler aus der Grundgesamtheit ausgeschlossen. In den PISA-Standards ist festgelegt, dass dies nicht mehr als 5% der Zielpopulation betreffen sollte. Bis zu dieser Obergrenze ist jedoch aus verschiedenen Gründen ein Ausschluss möglich, insbesondere im Fall von abgelegenen und schwer zugänglichen Schulen, Schülern mit kognitiven oder körperlichen Behinderungen oder mangelnden Kenntnissen in der Testsprache (Schüler, die z.B. weniger als ein Jahr lang Unterricht in der Testsprache hatten) oder fehlenden Testmaterialien in der Unterrichtssprache. Von Ländern, in denen die maximale Ausschlussquote deutlich überschritten wird, werden zusätzliche Informationen eingeholt, um sicherzustellen, dass die Vergleiche (im Zeitverlauf oder mit anderen Ländern) dadurch nicht verzerrt werden.

Nicht alle der übrigen Schülerinnen und Schüler nehmen am PISA-Test teil – außer in sehr kleinen Ländern und Volkswirtschaften. Von den Schulen sowie von den Schülerinnen und Schülern in diesen Schulen wird eine Stichprobe gezogen. Anschließend werden den ausgewählten Schülerinnen und Schülern bestimmte Stichprobengewichte zugewiesen, um zu gewährleisten, dass die Stichprobe repräsentativ für die gesamte PISA-Kohorte ist.

Die demografische Struktur der PISA-Stichprobe kann sich verändern, was z.B. auf Veränderungen der Schulbesuchsquoten oder auf Migrationstrends zurückzuführen sein kann. Solche Veränderungen können sich auch auf die Interpretation von Trends auswirken. Damit die Trends richtig interpretiert werden können, werden in den PISA-Berichten sowohl die Leistungstrends als auch bedeutende Kontextveränderungen erläutert. Neben den nichtbereinigten Grundtrends werden auch bereinigte Trends präsentiert, in denen Veränderungen der Schülerpopulation berücksichtigt sind.

Nähere Informationen über die PISA-Zielpopulation in den einzelnen Ländern liefern Kapitel 3 und Anhang A2 in Band I des PISA-Ergebnisberichts.

 

Wie viele 15-Jährige werden durch die PISA-Stichprobe erfasst?

Die PISA-Stichprobe ist repräsentativ für die Grundgesamtheit aller Schülerinnen und Schüler, die zwischen 15 Jahre und 3 Monate und 16 Jahre und 2 Monate alt sind und die 7. oder eine höhere Klassenstufe einer Bildungseinrichtung besuchen (abzüglich der ausgeschlossenen Schülerinnen und Schüler). Der Anteil der Gesamtpopulation der 15-Jährigen, der durch die PISA-Stichprobe erfasst wird, ist immer angegeben. Dies ist der sogenannte Erfassungsindex 3. Er liegt zwischen fast 100% in Ländern, in denen kaum Schulen bzw. Schüler ausgeschlossen werden und alle 15- bis 16-Jährigen eine Bildungseinrichtung besuchen, und weniger als 50% in einigen Ländern der unteren und mittleren Einkommensgruppe. In den meisten Ländern und Volkswirtschaften werden mehr als 80% der 15-Jährigen erfasst.

In vielen Ländern hat sich der Erfassungsgrad der Gesamtpopulation der 15-Jährigen im Vergleich zu früheren PISA-Erhebungen erhöht. In Indonesien z.B. ist die Gesamtpopulation der 15-Jährigen, die die Voraussetzungen für eine PISA-Teilnahme erfüllen, zwischen 2003 und 2018 um fast 1,8 Millionen gewachsen, in Mexiko und der Türkei um mehr als 400 000. Auch in Uruguay und Brasilien hat sich die Zahl der 15-Jährigen erhöht, die für eine PISA-Teilnahme in Frage kommen, obwohl die Gesamtpopulation der 15-Jährigen in diesen Ländern 2018 kleiner war als 2003.

Nähere Informationen über den Anteil und die Zahl der durch die PISA-Erhebung erfassten 15-Jährigen sind in Kapitel 3 und Anhang A2 von Band I des Ergebnisberichts zu PISA 2018 nachzulesen.

 

Warum werden bei PISA 15-Jährige getestet?

Diese Altersgruppe wurde ausgewählt, weil sich die Schülerinnen und Schüler mit 15 Jahren in den meisten OECD-Ländern dem Ende der Pflichtschulzeit nähern. Bei der Auswahl der Schulen und der Schüler wurde versucht, ein möglichst breites Spektrum abzudecken, um sicherzustellen, dass die Stichprobe verschiedenste Hintergründe und Fähigkeiten abbildet.

 

Was ist das Besondere an PISA?

Einzigartig an PISA ist u.a. die globale Reichweite und die regelmäßige Durchführung. Bislang haben mehr als 90 Länder und Volkswirtschaften an PISA teilgenommen. Die Erhebung wird alle drei Jahre durchgeführt. Dadurch können die Teilnehmerländer und -volkswirtschaften ihre Fortschritte bei der Umsetzung wichtiger Lernziele beobachten. PISA ist die einzige internationale Erhebung im Bildungsbereich, bei der die Kenntnisse und Kompetenzen 15-Jähriger evaluiert werden.

Einzigartig ist bei PISA auch die Herangehensweise an bestimmte Aspekte:

  • Bildungspolitische Fragen: Regierungen, Schulleitungen, Lehrkräfte und Eltern wollen Antworten auf Fragen, wie z.B. „Werden junge Menschen in unseren Schulen gut auf die Herausforderungen des Lebens vorbereitet?“, „Sind bestimmte Unterrichtsmethoden und Schultypen effektiver als andere?“ oder „Können Schulen zu einer Verbesserung der Zukunftsaussichten von Schülern mit Migrationshintergrund bzw. von benachteiligten Schülern beitragen?“.
  • Grundbildungskonzept: Bei PISA wird nicht evaluiert, ob die Schülerinnen und Schüler bestimmte Lehrplaninhalte beherrschen. Vielmehr geht es um ihre Fähigkeit, in Schlüsselbereichen Kenntnisse und Kompetenzen anzuwenden und beim Untersuchen, Interpretieren und Lösen von Aufgaben analytisch vorzugehen, logisch zu denken und ihre Überlegungen klar auszudrücken.
  • Lebenslanges Lernen: In der Schule können nicht alle Kenntnisse vermittelt werden, die man im Leben braucht. Damit sich junge Menschen zu lebenslang Lernenden entwickeln können, benötigen sie nicht nur Kenntnisse und Kompetenzen. Sie müssen sich auch bewusst werden, warum und wie sie lernen. Daher werden bei PISA nicht nur die Lese-, Mathematik- und Naturwissenschaftsleistungen der Schülerinnen und Schüler erfasst, sondern auch ihre Motivation, ihr Selbstbild und ihre Lernstrategien untersucht.

 

Wo findet man weiterführende Informationen über die PISA-Erhebung und darüber, wer sie entwickelt hat?

Die OECD stellt der Öffentlichkeit und Fachleuten auf ihrer Website sowie in ihren Publikationen alle relevanten Informationen zur Methodik und zu den Verfahren von PISA zur Verfügung. Auf den Seiten zu Publikationen und Daten finden sich z.B. die Rahmenkonzepte, die erläutern, was, wie und warum evaluiert wird, Beispiele aus den Fragebogen, Erhebungsdaten, die Instrumente zur Umsetzung und zur sprachlichen Qualitätssicherung sowie ein umfassender technischer Bericht zu jeder Erhebungsrunde mit detaillierten Informationen zu allen Erhebungs- und Analyseaspekten.

Nach jeder Erhebung werden Beispielaufgaben veröffentlicht. Viele Aufgaben werden allerdings in mehreren Erhebungen verwendet, damit die Länder beobachten können, wie sich die Schülerleistungen entwickeln. Eine Veröffentlichung ist erst möglich, wenn die Aufgaben nicht mehr eingesetzt werden.

An der Entwicklung, Analyse und Berichterstattung wirken neben OECD-Mitarbeitern auch Vertragspartner sowie Hunderte von Experten und Wissenschaftlern aus den PISA-Teilnehmerländern und -volkswirtschaften mit. Genauere Informationen hierzu finden sich in den PISA-Berichten.

 

» Weitere Fragen und Antworten (in Englisch)

» Zur Hauptseite "PISA - Internationale Schulleistungsstudie der OECD"

 

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