Faire Besteuerung multinationaler Konzerne

Die Initiative „Steuerprüfer ohne Grenzen“ hilft Finanzbehörden in Entwicklungsländern bei der Prüfung multinationaler Unternehmen, um sicherzustellen, dass sie richtig besteuert werden.

Worum geht es?

Wie können Entwicklungsländer ihre Anstrengungen zur Verwirklichung der Ziele für nachhaltige Entwicklung finanzieren? Entwicklungszusammenarbeit und Kredite reichen nicht aus. Es gilt, inländische Mittel zu mobilisieren. 

Der Schlüssel ist eine bessere Steuererhebung. Multinationale Unternehmen sind jedoch sehr geschickt darin, ihre Steuerschuld zu senken – manchmal sogar auf null. Entwicklungsländer stellt dies vor eine besondere Herausforderung, nicht zuletzt, weil es ihnen häufig an qualifizierten Steuerprüfern fehlt, die multinationalen Unternehmen die Stirn bieten könnten.

Es geht darum, dass die Steuerprüfer den Unternehmen auf Augenhöhe begegnen können. Dann können die Entwicklungsländer selbst die Richtung vorgeben und durch eine bessere Besteuerung die Einnahmen erzielen, die sie so dringend für ihre wirtschaftliche und soziale Entwicklung brauchen.

James Karanja Leiter des Sekretariats von Tax Inspectors Without Borders

Was wurde unternommen?

Steuerprüfer ohne Grenzen“ (Tax Inspectors Without Borders – TIWB) ist eine gemeinsame Initiative von OECD und UNDP. Sie entsendet erfahrene Steuerprüfer in Entwicklungsländer in Afrika, Asien, Europa, Lateinamerika und die Karibik. Diese Steuerprüfer unterstützen die Teams vor Ort bei komplexen Steuerprüfungen großer Unternehmen.

So wird den Finanzverwaltungen nicht nur geholfen, Steuern einzutreiben, sondern auch, wichtiges fachliches Know-how zu entwickeln. Durch das Lernen von Kollegen – „Peer-to-peer“ – sorgt das Programm dafür, dass globale Steuerherausforderungen besser verstanden werden.

So konnte z. B. die liberianische Finanzverwaltung (LRA) durch ihre Teilnahme an einem TIWB-Programm Kapazitäten zur Prüfung multinationaler Unternehmen entwickeln, dank derer sie heute deutlich selbstbewusster auftritt.

Vor ein, zwei Jahren führten wir unsere Steuerprüfungen noch nach dem Zufallsprinzip durch. Multinationale Unternehmen wurden nicht geprüft, weil uns das nötige Fachwissen fehlte.

Darlington Talerys Leiter der Hauptabteilung Steuern der Liberia Revenue Authority (LRA)

Was wurde erreicht?

Zwischen 2015 und März 2019 konnten Finanzverwaltungen in Entwicklungsländern dank der Unterstützung von TIWB insgesamt 445 Mio. USD zusätzlicher Steuereinnahmen erzielen. Jeder US-Dollar für TIWB bringt Steuermehreinnahmen in Höhe von 100 USD.

Die „Steuerprüfer ohne Grenzen“ haben die Situation für alle Beteiligten verändert. Die Kollegen vor Ort konnten mit ihrer Hilfe wichtige Kompetenzen und Fähigkeiten entwickeln. Ihre Steuerprüfungen sind dadurch effektiver geworden. TIWB bringt jedoch nicht nur Geld in die Kassen. Die Initiative fördert auch die internationale Zusammenarbeit und sorgt dafür, dass es in der Weltwirtschaft gerechter zugeht. Den Unternehmen verschafft sie zugleich mehr steuerliche Planungs- und Rechtssicherheit.

Bislang haben 15 Länder Finanzbeamte in Staaten und Gebiete entsandt, die TIWB um Unterstützung bei ihren Steuerprüfungen gebeten haben. Dabei spielen auch Süd-Süd-Initiativen eine immer größere Rolle: Entwicklungsländer mit gut ausgebauten Steuerprüfungskapazitäten teilen ihr Fachwissen mit anderen Ländern ihrer Region. TIWB arbeitet eng mit wichtigen Partnerorganisationen zusammen, z. B. dem Forum Steuerverwaltung (FTA) der OECD, in dem 53 führende Steuerverwaltungen aus aller Welt zusammenarbeiten, dem African Tax Administrations Forum (ATAF), der Europäischen Kommission und der Weltbankgruppe (WBG).

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