Deutschlands PISA-Schock

Die internationale Schulleistungsstudie PISA gab in Deutschland den Anstoß für wichtige Bildungsreformen.

Worum geht es?

Die Ergebnisse der ersten OECD-Erhebung zu den Lernergebnissen von Schülerinnen und Schülern (PISA) im Jahr 2000 waren ein Weckruf für Deutschland. Damals wurden die Ergebnisse von 31 Ländern veröffentlicht. Die Leistungen der Schülerinnen und Schüler in Deutschland lagen in den Bereichen Lesekompetenz, Mathematik und Naturwissenschaften unter dem OECD-Durchschnitt.

Dies stand nicht nur im Gegensatz zu der positiven Wahrnehmung des Bildungssystems in der Öffentlichkeit, sondern war für eine große Exportwirtschaft wie Deutschland, deren Wettbewerbsvorteil auf Kompetenzen und Wertschöpfung basiert, auch ein ernstes Warnsignal. Die PISA-Ergebnisse zeigten außerdem, dass die Leistungen stark mit dem sozioökonomischen Hintergrund zusammenhingen. Besonders fiel auf, dass Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund vergleichsweise schlecht abschnitten.

Dieser „PISA-Schock“ sorgte für einen öffentlichen Aufschrei und löste eine bildungspolitische Debatte aus, die die Medien des Landes monatelang beschäftigen sollte und schließlich den Anstoß für grundlegende Reformen gab.

Was wurde unternommen?

PISA machte deutlich, dass Verbesserungen möglich waren, und gab den nötigen Impuls für Veränderungen. Die Bildungsausgaben des Bundes wurden Anfang der 2000er Jahre nahezu verdoppelt.

In den folgenden zwei Jahrzehnten wurden an den Schulen nach und nach nationale Bildungsstandards eingeführt. Ein solcher Schritt schien in Deutschland, wo die Autonomie der Länder als unantastbar galt, schier unmöglich.

Zugleich wurden sozioökonomisch benachteiligte Schülerinnen und Schüler, insbesondere jene mit Migrationshintergrund, wesentlich stärker gefördert. Der Zugang zu frühkindlicher Bildung wurde in den Jahren nach der ersten PISA-Erhebung – und erneut in den letzten Jahren – massiv verbessert. Dabei verschob sich das Hauptaugenmerk vom Bildungszugang auf die Bildungsqualität bzw. von der reinen Kinderbetreuung auf hochwertige frühkindliche Bildung.

Eines steht fest: Das Fundament für erfolgreiches Lernen wird in der frühen Kindheit gelegt. Deshalb müssen wir unsere Anstrengungen auf die frühkindliche Bildung konzentrieren.

Edelgard Bulmahn Bundesministerin für Bildung und Forschung, 2002

Was wurde erreicht?

2009 hatten sich Deutschlands PISA-Ergebnisse deutlich verbessert. Auch die benachteiligten Schülerinnen und Schüler, z. B. jene mit Migrationshintergrund, hatten wesentlich besser abgeschnitten. OECD-Daten zur frühkindlichen Bildung in Deutschland zeigen darüber hinaus, dass sich der Anteil der unter Dreijährigen, die eine Kita besuchen, zwischen 2005 und 2016 verdoppelte. Dank dieser Fortschritte konnte das Vertrauen in die Kompetenzen und die Leistungsfähigkeit Deutschlands in den Krisenjahren und darüber hinaus wiederhergestellt werden.

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