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Regierungen müssen sich den unvermeidlichen Risiken des Klimawandels stellen

 

(Paris/Berlin, 1. November 2021) – Die Regierungen müssen sich parallel zu ihrer Verpflichtung zur Klimaneutralität bis 2050 darauf konzentrieren, das Risiko weiterer Schäden und Verluste durch den Klimawandel so weit wie möglich einzudämmen. Dies ist die Kernbotschaft einer aktuellen OECD-Studie.

 

Managing Climate Risks, Facing up to Losses and Damages betont, dass die Risiken für Volkswirtschaften, Ökosysteme, Unternehmen und Menschen unvermeidlich zunehmen werden und mit dem Ausmaß der Erderwärmung anwachsen. Die Risiken treffen Länder und Menschen jedoch sehr ungleich. Die Ärmsten und Schwächsten sind unverhältnismäßig stark betroffen. Das zwingt uns, jetzt zu handeln.

 

Drei Typen von Klimagefahren – jeweils mit großen Ungewissheiten behaftet – rufen diese Risiken hervor: Extremwetterereignisse, die an Häufigkeit und Intensität immer weiter zunehmen; allmählichere Veränderungen wie der Anstieg des Meeresspiegels; und die potenziell dramatischen globalen Auswirkungen des Überschreitens kritischer Schwellenwerte im Klimasystem. Wie groß die Schäden und Verluste ausfallen, hängt stark davon ab, wie anfällig Menschen, Güter und Ökosysteme für die genannten Risiken sind.

 

„Ein Großteil der aktuellen und künftigen Weltbevölkerung wird mit häufigeren und extremeren Klimaereignissen konfrontiert werden", so OECD-Generalsekretär Mathias Cormann bei der Vorstellung der Studie mit der deutschen Parlamentarischen Staatssekretärin beim Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Maria Flachsbarth im Rahmen einer Nebenveranstaltung zur COP26-Klimakonferenz. „Es ermutigt zwar, dass sich immer mehr Regierungen Klimaneutralität bis 2050 zum Ziel setzen, aber es braucht nun konkrete Maßnahmen und Ergebnisse“, so Cormann.

 

Maria Flachsbarth betonte: „Die Ärmsten leiden am meisten unter den klimabedingten Verlusten und Schäden. Wir müssen uns stärker um einen umfassenden Ansatz bemühen, damit niemand zurückgelassen wird. Mehr und bessere Klimarisikofinanzierung kann dazu beitragen, Schutzlücken zu schließen."

 

Um Klimarisiken zu mindern, ist es das Wichtigste, jetzt zu handeln und die Länder der Welt auf den gemeinsamen Weg der Klimaneutralität bis 2050 zu bringen.

 

Gleichzeitig müssen alle Länder jetzt ihre Gefährdung und Anfälligkeit für Verluste und Klimaschäden verringern. Die Industrieländer und die großen Emittenten unter den Schwellenländern müssen bei der Emissionsverminderung eine Führungsrolle übernehmen. Die Industrieländer stehen zudem in der Verantwortung, Finanzmittel und Technologien bereitzustellen und den Aufbau von Kapazitäten zu unterstützen, um Entwicklungsländern bei der Bewältigung der Klimarisiken zu helfen.

 

Zu den Empfehlungen der Studie gehört, auf globaler Ebene die Erforschung und Überwachung von für das Klima kritischen Kipppunkten zu stärken. Es braucht bessere Daten über Klimaextreme und die Auswirkungen der Klimaveränderung in Entwicklungsländern und es braucht internationale Partnerschaften, um Beobachtungs- und Modellierungskapazitäten auszubauen. Die Studie unterstreicht, wie wichtig andauernde länderübergreifende Solidarität ist, damit nicht die Schwächsten der Gesellschaft und künftige Generationen die Last unzureichender Maßnahmen zur Emissionsreduzierung tragen müssen.

 

Die Studie plädiert zudem dafür, dass die Länder beim Risikomanagement einen umfassenden Ansatz verfolgen. Dazu gehören finanzielle Mechanismen zur Minderung, Bindung und Übertragung von Risiken sowie Wege, um private Akteure zu befähigen und zu ermutigen, ihre eigenen Risiken soweit wie möglich zu verringern und zu steuern. Der Studie zufolge braucht es eine stärkere globale Architektur für die Finanzierung von Klima- und Katastrophenrisiken. Die Industrieländer sollten die Auswirkungen der Klimarisiken auf die Schuldentragfähigkeit von Entwicklungsländern berücksichtigen, die wiederholt von Naturkatastrophen betroffen sind. Und sie sollten ihre Unterstützung so gestalten, dass insbesondere die am wenigsten entwickelten Länder und die kleinen Inselstaaten nicht noch mehr unter Druck geraten. Die Geberländer müssen sich auch bemühen, ihren Verpflichtungen zur Bereitstellung von Klimafinanzierungsmitteln nachzukommen, um die Klimaschutzmaßnahmen der Entwicklungsländer zu unterstützen. Und sie müssen darüber nachdenken, wie mit Ländern umzugehen ist, die Klimagefahren ausgesetzt sind, die aber nicht mehr für öffentliche Entwicklungshilfe (ODA) in Frage kommen.

 

Eine Zusammenfassung der Studie können Sie hier herunterladen.

 

Die OECD ist ein globales Forum, das mit über 100 Ländern zusammenarbeitet. Sie tritt ein für eine Politik, die die individuellen Freiheiten wahrt und das wirtschaftliche und soziale Wohlergehen der Menschen weltweit fördert.

 

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