Politikumsetzung in der Förderung von Unternehmertum

 

  • Erarbeitung einer lokalen Entwicklungsstrategie.
    Eine lokale Entwicklungsstrategie mit Schwerpunkt Unternehmertum stellt den Rahmen dar um Bestrebungen und Zusammenwirken von Schlüsselpartnern zur Stärkung und Förderung von Unternehmertum zu formalisieren. Einem umfassenden und integrierten Ansatz folgend sollte durch öffentliche Debatte, Beratung und Konsensbildung eine Entwicklungsstrategie für Unternehmertum und KMU-Entwicklung entstehen. In einem Aktionsplan sollten klare Prioritäten und Rollen für die Partner, Zeitrahmen und Ressourcen definiert werden. Bei der Strategieformulierung sollte man auch wirtschaftlich geographische Ausdehnungen außerhalb der administrativen Grenzen berücksichtigen. 
  • Politik zugeschnitten auf das lokale und regionale Umfeld gestalten.
    Eine Anpassung der Zielsetzung in der Politikformulierung an lokale Gegebenheiten und Bedürfnisse schafft Raum für Divergenz und Diversität in der Politik. Daher sollten Anstrengungen unternommen werden, um Koordination und Integration zwischen den, auf unterschiedlichen administrativen Ebenen tätigen, Institutionen zu erhalten und zu nutzen. Ebenso wichtig sind antizipative und zukunftsorientierte Ansätze in der Unternehmensförderpolitik sowie eine über verschiedene Politikbereiche hinausgehende Kooperation.
  • Klare Prioritäten setzen.
    Eine Strategie für Unternehmertum und ein abgestimmter institutioneller Rahmen bauen auf klaren Prioritäten. Eine klare Schwerpunktsetzung kann örtlichen Einrichtungen helfen sich ein besseres Bild über regionales Unternehmertum zu verschaffen. Dies erleichtert ein frühzeitiges Erkennen von Wachstumsunternehmen und eine zugeschnittene Förderung. Ebenso kann durch eine entsprechende Schwerpunktsetzung auf Bedürfnisse und Engpässe von KMU eingegangen werden. Beispiele sind die Entwicklung von Strukturen und Instrumenten der Mikrofinanzierung in Zusammenarbeit mit örtlichen Finanzinstitutionen, um der schwachen Kapitalausstattung zu begegnen, und eine Ausweitung der Wissenstransfer-Aktivitäten in der Innovationsförderung von KMU.
  • Die Policy-Cycle-Methode übernehmen und weiter ausbauen.
    Die Entwicklung von Politiken und Programmen auf allen Regierungsebenen sollte als Einbeziehung von vier miteinander verbundenen Stufen gesehen werden – Problemdefinition, Entwicklung, Umsetzung und Bewertung. Diese Stufen unterstreichen einen stärkeren und systematischeren Ansatz in bei der Förderpolitik. Das Verbinden von Ziel- und Objektivsetzungen verschiedener Programme und Initiativen ist ein Hauptbestandteil der Formulierung und Bildung einer soliden lokalen Entwicklungsstrategie. Eine systematische Evaluierung und Bewertung früherer und laufender Projekte und Programme unter Einbeziehung bedeutender lokaler und regionaler Partner, kann dabei helfen, einen großen Erfahrungsschatz zusammen zu bringen und die verschiedenen Strategien und Aktionspläne entsprechend anzupassen.
  • Identifizierung von Unternehmenskategorien und Ausrichtung der Fördermaßnahmen.
    Ein institutioneller Rahmen, der durch ein hohes Maß an Koordination, Kooperation und Integration gekennzeichnet ist kann sich positiv auf unternehmerische Entwicklung und Unternehmenswachstum auswirken. Thematische Koordinierung in funktionellen Politikfeldern sollte verstärkt werden. Im Hinblick auf ländliche Entwicklung, können inter-ministeriellen Arbeitsgruppen auf Landesebene, das Landwirtschaftsministerium und andere für Unternehmertum zuständige Ministerien einbeziehend, dazu beitragen die Entwicklung von Unternehmertum zu einer gemeinsamen Priorität werden zu lassen. Ein solches Vorgehen könnte auch dazu beitragen hinderliche Rahmenbedingungen zu identifizieren und entsprechend umzugestalten. Weiterhin könnte dieser Prozess zu einer Vereinfachung von Auflagen verschiedener Förderprogramme beitragen. Auf lokaler Ebene könnten Schlüsselpartner von einer formaleren Zusammenarbeit profitieren, zum Beispiel, indem Partnerschafts- und Netzwerkmodelle – auch solche die administrative Grenzen übergreifend arbeiten – verstärkt zum Tragen kommen.
  • Unterstützung in den Bereichen Technologie und Innovation ausweiten.
    Aufgrund der Kostenstrukturen sind KMU in OECD-Ländern in wachsendem Maße darauf angewiesen, mit Technologie und anderen Wertschöpfungskomponenten ihre Wettbewerbfähigkeit zu festigen. Eine Inanspruchnahme von externen F/E-Dienstleistungen könnte örtlichen KMU bei ihren Innovationsbestrebungen unterstützen. Sollten sich die Landkreise für die Schaffung der erforderlichen Innovationsinfrastruktur als zu klein empfinden, könnte eine überregionale Zusammenarbeit mit benachbarten Kreisen oder thematisch verwandten Hochschul- und Forschungseinrichtungen Abhilfe schaffen.
  • Förderung von institutioneller Innovation.
    Ein institutioneller Rahmen, der durch ein hohes Maß an Integration, Kooperation und transparente Koordination gekennzeichnet ist, hat einen positiven Einfluss auf unternehmerische Entwicklung und Unternehmenswachstum. Es ist wichtig die Koordinierung in funktionellen Politikfeldern zu verstärken. Inter-ministerielle Arbeitsgruppen auf Landesebene können dazu beitragen die Entwicklung von Unternehmertum zu einer gemeinsamen Priorität werden zu lassen. Ein derartiges integriertes Vorgehen könnte auch dazu beitragen hinderliche Rahmenbedingungen zu identifizieren und entsprechend umzugestalten. Weiterhin könnte dieser Prozess zu einer Vereinfachung von Auflagen verschiedener Förderprogramme beitragen. Auf lokaler Ebene könnten Schlüsselpartner von einer formaleren Zusammenarbeit profitieren, zum Beispiel, indem Partnerschafts- und Netzwerkmodelle – auch solche die administrative Grenzen übergreifend arbeiten – verstärkt zum Tragen kommen.
  • Einführung von Koordinations- und Kooperationsmechanismen zur Bündelung lokaler Entwicklungsmaßnahmen von bestehenden Netzwerken.
    Die Teilnahme an der Politik und Programmgestaltung könnte durch eine Zusammenführung von unterschiedlichen Netzwerken intensiviert werden. Die Einrichtung eines „Sounding Boards“, einer Institution mit beratender Funktion haben sich andernorts als nützliches Instrument erwiesen, um Rückmeldungen zur Effektivität und den Wirkungen von Politiken und Maßnahmen zur Förderung des Unternehmertums zu erhalten. Außerdem könnten effiziente Koordinationsmechanismen und das Vorhandensein von Sozialkapital als ein starker lokaler Standortvorteil vermarktet werden.
  • Bereits bestehende Netzwerke für neue Mitglieder geöffnet lassen.
    Eine Einbeziehung weiterer Akteure, die für die Bearbeitung neuer Themen und Probleme, wie beispielsweise bei der Bereitstellung von Ausbildungsplätzen, Unternehmensnachfolge und der Entwicklung des ländlichen Tourismus von Bedeutung sind, sollte in einem bestehenden Netzwerk stets bedacht werden. Eine verstärkte Einbeziehung der Kommunalen Selbstverwaltung und ihrer Einrichtung könnte dazu beitragen bestimmte Verfahren in Bezug auf Unternehmensanmeldung sowie Verwaltungsangelegenheiten zu vereinfachen.
  • Verstärkung internationaler Netzwerkaktivitäten.
    Eine aktive Teilnahme in internationalen Netzwerken könnte einen Beitrag zur Internationalisierung der lokalen Wirtschaft leisten. Es ist wichtig Schlüsselakteure in der lokalen/regionalen Wirtschaftsentwicklung mit Kollegen in anderen Regionen zusammenzubringen. Als Beispiele solcher Netzwerken können genannt werden: die Europäische Vereinigung Regionaler Entwicklungsagenturen (European Association of Development Agencies, EURADA) - diese plant gerade den Start eines europäischen Netzwerks von Universitäten und Regionen - der Internationale Rat für Wirtschaftliche Entwicklung (International Economic Development Council, IEDC) in den Vereinigten Staaten von Amerika, das Netzwerk der Europäischen Business Engel (European Business Angels Network), die Nationale Vereinigung der Business Inkubatoren (National Business Incubation Association) sowie die Aktivitäten des Programmes für Lokale Wirtschafts- und Beschäftigungsentwicklung der OECD (Local Economic and Employment Development, LEED).
  • Steigerung des privaten Engagements in der Infrastrukturentwicklung.
    Öffentliche Bezuschussungen und Unterstützungsleistungen in der Unternehmensförderung sind in Ostdeutschland zwar möglicherweise noch auf längere Zeit gegeben, jedoch wird empfohlen verstärkt auch private Mittel einzubringen, zum Beispiel in die Immobilienkomponente einer Unternehmensförderstrategie. In Anbetracht des künftig höheren Bedarfs von Unternehmen an einer qualitativ und quantitativ diversifizierten Innovationsinfrastruktur sollten private Entwickler und Manager von High-Tech-Standorten frühzeitig in die Planung eingebunden werden. Erfolgreiche Firmen werden sich in den kommenden Jahren mit großer Geschwindigkeit entwickeln müssen. Standorte müssen hierauf vorbereitet sein andernfalls besteht das Risiko, dass erfolgreiche Start-Ups und bestehende Unternehmen andernorts nach Räumlichkeiten und Personal suchen.
  • Nachdenken über die Schaffung einer Unternehmensagentur.
    Eine Unternehmensagentur, die (evtl. als One-Stop-Shop) auf langfristige formelle und informelle Beziehungen mit Unternehmensförderorganisationen und der lokalen Unternehmensgemeinschaft bauen kann, könnte dabei helfen, die Effektivität und Effizienz öffentlicher Förderprogramme zu steigern, potentielle Interessenten über bestehende Programmen zu informieren und so die Verbindungen zwischen Wissenschaft und Industrie erhöhen. Eine erfolgreiche Agentur ist auf aktive Unterstützung durch die lokalen und regionalen Interessensvertreter angewiesen, wie z. B. Kammern, Angestellte von größeren privaten und öffentlichen Institutionen, einschließlich des Krankenhauses und Finanzinstitutionen, deren Dienste der Schlüssel zur Entwicklung von kleinen Unternehmen ist. Ohne vorherige Erfahrungen mit einer derartigen Zusammenarbeit wird es wahrscheinlich eine schwierige Aufgabe sein Unterstützung von diesen Interessensvertretern zu erhalten. Deshalb wäre eine starke Führerschaft durch die kommunale Selbstverwaltung in politischer und praktischer Hinsicht so wichtig. Eine solche Unternehmensagentur könnte mit der Entwicklung einer Strategie zur Förderung des Unternehmertums beauftragt werden.
  • Einführung einer “Charta für Kleinunternehmen”.
    Zweck der Einführung einer Charta für Kleinunternehmen ist eine Abstimmung und entsprechende Veränderungen von internen Verwaltungsabläufen, die direkt dem Mittelstand zugute kämen. Es geht nicht darum, kleine Firmen zu bevorzugen oder große zu diskriminieren. Alle Abteilungen der betroffenen Behörden sind während der Einführungsphase der Charta an einer Bewertung der gegenwärtigen Verfahrensweisen beteiligt, um so eine unternehmensfreundlichere Verwaltung zu gestalten. Die Umsetzung einer solchen Charta erfordert viel Beratung und Schulung innerhalb der Verwaltung um bestmöglich die Bedürfnisse von KMU zu berücksichtigen. Eine starke politische Führung ist sowohl für die Einführung als auch für die bleibende Wirksamkeit solchen Charta nötig.
  • Die Existenz einer Charta für Kleinunternehmen allgemein bekannt machen.
    Für eine bestmögliche Wirkung muss die Charta allgemein bekannt gemacht werden. Repräsentative Unternehmensorganisationen können in die Ausarbeitung der Charta und in die periodische Einschätzung ihrer Wirksamkeit einbezogen werden. Bei internationalen Vermarktungsaktivitäten könnte ein Hinweis auf die Existenz einer solchen Charta die Attrakti-vität des Stadtbezirks als Unternehmensstandort erhöhen, da er das Engagement der Bezirksver-waltung für eine effektive Zusammenarbeit mit den KMU deutlich macht.
  • Überprüfung der Beschaffungspolitik örtlicher Behörden.
    Die Teilnahmebedingungen für Ausschreibungen örtlicher Behörden können oftmals von kleinen Unternehmen kaum erfüllt werden. Die zum Risikoschutz eingeführten Auflagen und Beschränkungen machen, wie Erfahrungen anderenorts zeigen, die öffentliche Verwaltung oftmals übertrieben vorsichtig. Dies kann Zur Folge haben, dass der öffentlichen Hand so ein wertvolles Instrument zur Förderung kleiner Unternehmen vorenthalten bleibt. Marketingmaßnahmen müssen gestartet werden, um kleine Unternehmen auf die Änderungen und Möglichkeiten aufmerksam zu machen. Schulungen von Mitarbeitern der Behörden sind notwendig um zu gewährleisten, dass die Bedingungen von öffentlichen Ausschreibungen die Bedürfnisse kleiner Unternehmen berücksichtigen. Schulungs- und Förderprogramme für kleine Unternehmen können diese bei der Erstellung von erfolgreichen Angeboten bei Ausschreibungen unterstützen.
  • Durchführung eines Pilotprogramms für wachstumsorientierte Unternehmen.
    Ein Pilotprogramm würde ein Ausfindigmachen von jungen und bestehenden Unternehmen mit Wachstumspotentialen erleichtern. Eine solche Initiative könnte öffentliche Förderung koordinieren, eine auf die Bedürfnisse des Unternehmens exakt zugeschnittene Betreuung und Beratung anbieten und zudem bei der Beschaffung von Privatinvestitionen zur Seite stehen. Solch ein Programm würde einen kleinen Kreis von Unternehmen über einen Zeitraum von zwei Jahren einbeziehen (angesichts der wirtschaftlichen Dimension würden pro Jahr vielleicht nur 20 Unternehmen angeworben werden). Dies könnte sich insbesondere für Regionen anbieten, in denen das unternehmerische Klima zwar nahezu den nationalen Durchschnitt erreicht, jedoch strukturelle Probleme das Wachstum von Unternehmen beeinflussen.

 Internationale Lernmodelle

Beispiele Guter Praxis in Ostdeutschland