Marzahn-Hellersdorf (Berlin), Studienbesuch, vom 26. bis 28. Juni 2006

 

Ein internationales Expertenteam begleitete das OECD-Sekretariat vom 26. bis 28. Juni 2006 auf einem einwöchigen Studienbesuch in den Berliner Stadtbezirk Marzahn-Hellersdorf. In einem regionalen Workshop am 28. September 2006 in Berlin wurden die vorläufigen Ergebnisse dieser Vor-Ort-Untersuchungen zur Diskussion gestellt. Der Workshop, gedacht als interaktiver Erfahrungsaustausch, bat zudem die Möglichkeit ausgewählte internationale Modellprogramme/-projekte auch hinsichtlich ihrer Übertragbarkeit zu begutachten.

 

Der Schwerpunkt dieses OECD-Berichtes über die Entwicklung des Unternehmertums in Marzahn-Hellersdorf ist darauf gerichtet, wie die Anzahl von Start-Ups und das Wachstum bestehender kleiner und mittelständischer Unternehmen erhöht und wie Investitionen aus dem Ausland nach Berlin geholt werden können. Marzahn-Hellersdorf ist keine eigenständige Wirtschaftsregion, sondern Teil des Ballungsraumes Berlin. Die Bezirksgrenzen sind mehr administrativer als funktionaler Natur und der lokalen Regierung fehlt es an den politischen Möglichkeiten, um einen größeren Einfluß mit ihren eigenen Mitteln auszuüben. Deshalb ist eine Schlüsselbotschaft, dass die wirtschaftlichen und politischen Verbindungen zwischen dem Bezirk Marzahn-Hellersdorf und der Stadt sowie dem Land erkannt und in jede Entscheidung über Bedürfnisse und Möglichkeiten mit einbezogen werden müssen. Die breiter angelegte Wirtschaftsstrategie für Berlin macht einen wichtigen Schritt in diese Richtung, zum Beispiel, in dem zwei Branchen festgelegt wurden (Zulieferer für das Gesundheitswesen und für die Automobilindustrie), in denen Marzahn-Hellersdorf Wettbewerbsvorteile aufweist. Diese werden im Mittelpunkt der politischen Bemühungen stehen.

 

Auf diesen Gebieten und für die Entwicklung kleiner Unternehmen allgemein bietet Marzahn-Hellersdorf einige wertvolle Vorteile. Dazu gehören eine Vielzahl an verschiedenen Industriestandorten, ein umfassendes Angebot an Geschäftsräumen zu günstigen Mietpreisen und mit einer guten Infrastruktur, zahlreiche junge, gut ausgebildete Arbeitskräfte mit Berufserfahrung und eine lokale Wirtschaftsgemeinschaft, zu der Unternehmen verschiedenster Größe und Ausrichtung zählen. Dennoch muss sich Marzahn-Hellersdorf mit dem Problem auseinandersetzen, dass es peripher inmitten einer geschrumpften Stadtwirtschaft gelegen ist. Außerdem muss es mit anderen Stadtbezirken um die vorhandenen Investitionen konkurrieren. Das bedeutet, dass ein Großteil der erforderlichen Wirtschaftsentwicklung aus dem Bezirk selbst kommen muss und sich auf ganz spezielle Märkte in der Stadt, national, aber auch international konzentrieren muss.

 

Die Politik hat wahrscheinlich den größten Einfluß auf die Förderung der Entwicklung kleiner Unternehmen in dem Bezirk, indem sie einen strategischen Ansatz in der Unternehmensförderpolitik verwirklicht, der darauf abzielt, eine unternehmerische Kultur in der gesamten Bevölkerung aufzubauen, neue Start-Ups zu entwickeln und zum Wachstum bestehender Unternehmen, die sich auf vielversprechende Märkte konzentrieren, beizutragen.

 

Sowohl die Erörterung von Stärken und Schwächen als auch die Liste von Empfehlungen sind nicht dazu gedacht, eine vollständige Beschreibung der gegenwärtigen Situation zu geben und sofortige und konkrete Lösungen vorzuschlagen. Vielmehr besteht das Ziel dieses Diskussionspapiers darin, einen Prozess anzuregen und zu katalysieren, der es den Ländern, Landkreisen und Städten in Ostdeutschland ermöglicht, anhand eines Informations- und Ideenaustausches zu Neuerungen und Beispielen Guter Praxis aus einer Reihe von OECD-Mitgliedsländern, über ihre Handlungsoptionen, Bedürfnisse und Prioritäten zu reflektieren. Die zur Diskussion vorgeschlagenen Handlungsempfehlungen, sind als „ActionPlan“ im Anhang dieses Dokuments zusammengefasst.

 

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