Halle (Sachsen-Anhalt), Studienbesuch, 28. bis 30. Juni 2006

 

Ein internationales Expertenteam begleitete das OECD-Sekretariat vom 28. bis 30. Juni 2006 auf einem einwöchigen Studienbesuch in die Stadt Halle in Sachsen-Anhalt. In einem regionalen Workshop am 27. September 2006 in Halle wurden die vorläufigen Ergebnisse dieser Vor-Ort-Untersuchungen zur Diskussion gestellt. Der Workshop, gedacht als interaktiver Erfahrungsaustausch, bat zudem die Möglichkeit ausgewählte internationale Modellprogramme/-projekte auch hinsichtlich ihrer Übertragbarkeit zu begutachten.

 

Der Schwerpunkt der OECD Studie über Politiken und Maßnahmen für Unternehmertum in Halle liegt auf der Fragestellung wie der Beitrag des örtlichen Hochschulsektors zur Entwicklung eines lokalen Unternehmertums maximiert werden kann, unter besonderer Berücksichtigung der Entwicklung innovativer und wachstumsorientierter Unternehmen durch Nutzung des hallensischen Wissens- und Technologiebestands. Die Förderung von innovativen und wachstumsorientierten Unternehmen birgt das Potential für relativ stärkere wirtschaftliche Auswirkungen verglichen mit einer eher allgemein ausgerichteten Förderung von Unternehmertum, welche oftmals durch hohe Verlagerungseffekte auf lokalen Produktmärkten in Mitleidenschaft gezogen werden können. Darüber hinaus bestehen Entwicklungschancen für innovatives Unternehmertum, anlehnend an Kernstärken von Wissenschaft und Technologie, auch im Umfeld einer geschwächten regionalen Wirtschaft. In den meisten Fällen resultiert die wirtschaftliche Nutzung universitärer Forschung in der Entstehung von hochtechnologieorientierten Unternehmen, oder von Unternehmen deren Gewinnzuwachs stark von Innovation abhängig ist. Ein Erfolg dieser Unternehmen hängt in der Regel von der Fähigkeit ab globale, oder zumindest nationale und kontinentale Märkte, von Beginn an anzusprechen. Die regionale wirtschaftliche Situation sowie Arbeitslosenquoten sind daher von geringerer Bedeutung. Ein relevanter Faktor ist jedoch das Vorhandensein von Investitionsfinanzierung im regionalen Umfeld der Universität.

 

Es besteht ein großes Potential, um innovatives Unternehmertum rund um die Kernkompetenzen Wissenschaft und Technik der Martin- Luther-Universität Halle-Wittenberg sowie anderer höherer Bildungseinrichtungen im Raum Halle zu entwickeln. Die höheren Bildungseinrichtungen in Halle sind ein starker und effektiver Motor, um das Unternehmertum an höheren Bildungseinrichtungen voranzubringen. Ebenso werden andere Beteiligte durch die Bereitstellung von Infrastruktur, Humankapital, Kapital und anderer Ressourcen zur Gründung von Start-Ups aus der Universität heraus erfolgreich eingebunden. Die seitens der Universität unternommenen Bemühungen scheinen in Partnerschaft mit Förderinstitutionen sowohl auf lokaler als auch auf Landesebene eingebunden zu sein. Dies erlaubt auch einen Wissens- und Technologietransfer zu Unternehmen, die nicht aus einer höheren Bildungseinrichtung heraus gegründet wurden. Die bestehenden Netzwerkstrukturen bilden die Grundlage für Politik und Maßnahmen zur Unterstützung des lokalen Unternehmertums, um auch weiterhin die Zusammenarbeit zwischen der Forschungsgemeinschaft und der regionalen Wirtschaft zu unterstützen. Obwohl durchaus dynamische, unternehmerische Aktivitäten in den Hochschulen bestehen, erfordert der Wissens- und Technologietransfer in regionale KMU doch die Aufnahmebereitschaft beider Seiten. Diese trägt zur Kommunikation und zur Zusammenarbeit zwischen den beiden Seiten bei, welche sich oft doch unabhängig voneinander entwickeln. 

 

Während es bereits einige kurz- und mittelfristige Ansätze gibt, um den Wissens- und Technologiebeitrag zum lokalen Unternehmertum zu stärken, sollte sich die Politik hauptsächlich darauf konzentrieren, längerfristige Veränderungen anzustreben. Dazu zählt auch, die Einstellung und Motivation zum Unternehmertum zu ändern sowie die Voraussetzungen für unternehmerisches Handeln zu stärken sowie die Distanz und Hindernisse zwischen der Universität und lokalen Unternehmen abzubauen. Ebenso sollten Akademiker aus ganz Deutschland und der Welt nach Halle geholt werden sowie die lokalen, regionalen und globalen Verbindungen zwischen Universität und Wirtschaft rund um Halles Forschungsspezialgebiete ausgebaut und die Programme und Maßnahmen an die Bedürfnisse der Region angepasst werden. Die öffentlichen Gelder spielen eine bedeutende Rolle, um die derzeitigen Innovationen und die Unterstützung von Unternehmen weiterhin aufrecht zu erhalten. Die derzeitig bestehenden Initiativen seitens der Politik sind beeindruckend, aber ohne fortlaufende öffentliche finanzielle Unterstützung ist ihre Nachhaltigkeit gefährdet. Die bereits begonnene schrittweise Reduzierung der öffentlichen Anschubfinanzierung sowie die gezielte Einbeziehung von Sponsoren aus der Wirtschaft können als Beispiele einer zukunftsorientierten Politik genannt werden.

 

Sowohl die Erörterung von Stärken und Schwächen als auch die Liste von Empfehlungen sind nicht dazu gedacht, eine vollständige Beschreibung der gegenwärtigen Situation zu geben und sofortige und konkrete Lösungen vorzuschlagen. Vielmehr besteht das Ziel dieses Diskussionspapiers darin, einen Prozess anzuregen und zu katalysieren, der es den Ländern, Landkreisen und Städten in Ostdeutschland ermöglicht, anhand eines Informations- und Ideenaustausches zu Neuerungen und Beispielen Guter Praxis aus einer Reihe von OECD-Mitgliedsländern, über ihre Handlungsoptionen, Bedürfnisse und Prioritäten zu reflektieren. Die zur Diskussion vorgeschlagenen Handlungsempfehlungen, sind als „ActionPlan“ im Anhang dieses Dokuments zusammengefasst.

 

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