PISA 2006: Schülerleistungen in Deutschland im Bereich Naturwissenschaften über OECD-Schnitt

 

Werte für Lesen und Mathematik nicht signifikant verändert – Bildungserfolg weiter vergleichsweise stark vom Elternhaus abhängig – Große Defizite bei Migrantenkindern


(Berlin/Paris 4. Dezember 2007) Schülerinnen und Schüler an deutschen Schulen haben in der PISA-Studie zum ersten Mal ein Ergebnis signifikant über dem OECD-Durchschnitt erreicht. Im Bereich Naturwissenschaften, dem Schwerpunkt von PISA 2006, erzielten sie durchschnittlich 516 Punkte. Berücksichtigt man die statistische Unsicherheit liegt Deutschland damit zwischen Rang 7 und 13 unter den 30 OECD-Ländern. In den Bereichen Lesen und Mathematik liegen die Ergebnisse wie bei vergangenen Untersuchungen im OECD-Durchschnitt. Das geht aus dem internationalen Bericht zu PISA 2006 hervor, der heute u.a. in Berlin veröffentlicht wurde.

Zum ersten Mal waren die Naturwissenschaften Schwerpunktbereich bei PISA. Rahmenkonzept und Fragenkatalog wurden stark erweitert und modernisiert. Erfasst wurden Fähigkeiten in drei Bereichen: so wurden die Jugendlichen darauf geprüft, ob sie in der Lage sind, naturwissenschaftliche Fragestellungen zu erkennen, ob sie Phänomene naturwissenschaftlich erklären können und ob sie mit naturwissenschaftlicher Beweisführung umgehen können. Alle Aufgaben wurden in Lebenssituationen eingebunden, wie sie Jugendlichen täglich begegnen. Insgesamt will PISA mit diesem Rahmen kein bloßes Lehrplanwissen abfragen, sondern erfassen, in wie weit Jugendliche auf das Leben in der modernen Wissensgesellschaft vorbereitet sind.

„Die Studie hat hier im internationalen Vergleich eindeutig Stärken des deutschen Schulsystems aufgedeckt“, sagte der Leiter des Berliner OECD-Büros Heino von Meyer bei der Präsentation der Studie. Die besseren Ergebnisse im Bereich Naturwissenschaften sind allerdings vor allem dem neuen Erhebungskonzept geschuldet und stehen für keinen Leistungszuwachs gegenüber früheren Studien. Bei den 22 Fragen, die die Schülerinnen und Schüler sowohl bei PISA 2003 wie bei PISA 2006 beantworten mussten, zeigten sich keine besseren Ergebnisse. In Mathematik liegen die Leistungen von 2006 mit 504 Punkten um einen Punkt über den durchschnittlichen Ergebnissen von 2003. Diese Werte unterscheiden sich nicht bedeutsam.

Im Bereich Lesen, wo vergleichbare Werte über alle drei PISA-Erhebungen vorliegen, liegt der Durchschnittswerte in Deutschland mit 495 Punkten leicht über PISA 2003 (491 Punkte) und PISA 2000 (484 Punkte). Auch dieser Unterschied von 11 Punkten ist aber zu gering, um statistisch bedeutsam zu sein. „Man kann angesichts dieser Zahlen die Hoffnung haben, dass bei einer kommenden PISA-Untersuchung deutlichere und statistisch gesicherte Leistungsverbesserungen ergeben“, sagte Heino von Meyer bei der Präsentation der Studie.

Einen statistisch signifikanten Kompetenzzuwachs im Bereich Lesen verzeichneten die Jugendlichen in insgesamt sieben Ländern, darunter auch Polen. Dort haben sich der Schülerdurchschnitt zwischen 2000 und 2006 um 29 Punkte auf 508 Punkte verbessert. Das Land ist von einem unterdurchschnittlichen Platz in die Spitzengruppe innerhalb der OECD aufgerückt. Durch zusätzliche nationale Untersuchungen lässt sich dieser Kompetenzzuwachs den Bildungsreformen aus dem Jahr 2000 zuordnen, die kurz nach der ersten PISA-Erhebung stattgefunden hatten. Teil der Reformen war, dass das Alter in dem die Jugendlichen auf unterschiedliche Schultypen verteilt werden, um ein Jahr heraufgesetzt wurde. Als Folge haben sich zwischen 2000 und 2003 zunächst die Ergebnisse der schwächeren Schüler verbessert. Zwischen 2003 und 2006 fand der Kompetenzzuwachs dagegen im oberen Leistungsspektrum statt.

Die Chancengleichheit bleibt weiterhin das Problem des deutschen Bildungssystems. So lässt sich in den Naturwissenschaften ein vergleichsweise großer Anteil der Leistungsunterschiede durch den sozioökonomischen Status der Eltern erklären (19% gegenüber 14,4% im OECD-Mittel). Innerhalb der OECD spielt nur in Luxemburg, Ungarn, Frankreich, Belgien und der Slowakei das Elternhaus beim Bildungserfolg eine ähnlich große Rolle.

Wie in anderen Ländern mit gegliederten Schulsystemen bestehen auch in Deutschland große Leistungsunterschiede zwischen den Schulen. Diese sind ungefähr doppelt so groß wie im OECD-Mittel. Insgesamt zeigt sich, dass Jugendliche in gegliederten Schulsystemen im Schnitt weder besser noch schlechter abschneiden als Jugendliche in Systemen mit nur einem Schultyp. Allerdings spielt das Elternhaus beim Schulerfolg eine größere Rolle, je früher die Kinder auf verschiedene Schultypen verteilt werden. Deutschland ist neben Österreich das einzige OECD-Land in dem Kinder schon mit 10 Jahren auf verschiedene Bildungswege verteilt werden.

Doppelt benachteiligt das deutsche Schulsystem Jugendliche mit Migrationshintergrund. Migrantenkinder kommen nicht nur häufiger aus einem Elternhaus mit einem niedrigeren sozioökonomischen Status, der Leistungsabstand gegenüber einheimischen Schülern ist über die sozioökonomischen Effekte hinaus zudem deutlich höher als in anderen Ländern mit vergleichbarem Migrantenanteil. Bei Migranten zweiter Generation (im Land geboren, aber beide Elternteile im Ausland geboren), die ihre gesamte Schullaufbahn in Deutschland verbracht haben ist der Abstand zu einheimischen Schülern mit 93 Punkten so groß wie in keinem anderen OECD-Land. 38 Punkte auf der PISA-Skala entsprechen etwa dem Leistungszuwachs eines Schuljahrs. Im Bereich Lesen, wo Veränderungen über alle drei PISA-Studien berichtet werden, lassen die Daten hinsichtlich Chancengleichheit auf keine signifikante Verbesserung schließen. „In Punkto Chancengleichheit hat Deutschland noch große Defizite abzubauen“, sagte von Meyer.

Mittlerweile liegen aus einzelnen Ländern auch Untersuchungen über die Vorhersagekraft der PISA-Ergebnisse für den weiteren Bildungs- und Berufsweg der Jugendlichen vor. So wurden in Kanada 29.330 Jugendliche, die als 15-jährige an PISA-2000 teilgenommen hatten, vier Jahre später, also dann mit 19 Jahren, auf ihre weitere Bildungskarriere hin untersucht. Dabei zeigte sich, dass Jugendliche, die bei PISA nur eine Lesekompetenz der Stufe 1 oder darunter aufwiesen, nur zu 28 Prozent eine postsekundäre Ausbildung aufgenommen hatten. Bei Jugendlichen mit Fähigkeiten der Kompetenzstufe 5 waren es hingegen 88 Prozent. Die PISA-Ergebnisse haben damit in stärkerem Umfang die Teilnahme an weiterführender Bildung vorhergesagt als andere wichtige Faktoren wie Elternhaus, Muttersprache, Familieneinkommen oder Wohnort. Vergleichbare Studien in Dänemark und Australien kamen zu ähnlichen Ergebnissen.

Untersucht wurde auch die Einstellung der Jugendlichen zu den Naturwissenschaften. So zeigen 15-jährige in Deutschland wie in anderen OECD-Ländern ein großes Interesse an Naturwissenschaftlichen Fragestellungen. 91 Prozent stimmen zu, dass Naturwissenschaften wichtig sind, um die natürliche Welt zu verstehen (OECD-Durchschnitt: 93 Prozent). Immerhin 34 Prozent der Jugendlichen geben an, dass sie in einem Beruf arbeiten wollen der mit Naturwissenschaften zu tun hat (OECD-Durchschnitt: 37 Prozent) Auffällig ist allerdings dass sich in Deutschland etwas weniger Jugendliche der wirtschaftlichen und sozialen Erträge der Naturwissenschaften bewusst sind, als in andern Ländern. So geben nur 76 Prozent der Jugendlichen an, dass Naturwissenschaften für die Gesellschaft wertvoll sind. Im OECD-Schnitt sind es immerhin 87 Prozent.

Die Schülerinnen und Schüler in Deutschland weisen eine leicht überdurchschnittliche Vertrautheit mit Umweltthemen auf und entwickeln ein durchschnittliches Verantwortungsbewusstsein für nachhaltige Entwicklung. Dies gilt aber nur, sofern dies nicht zu höheren Kosten für die Verbraucher führt. So befürworten nur 66 Prozent der Jugendlichen, dass Strom auch dann aus erneuerbaren Quellen produziert werden soll, wenn dies zu höheren Kosten für die Verbraucher führt. Im OECD-Schnitt sind es 79 Prozent.

An PISA 2006 haben insgesamt etwa 400.000 Schülerinnen und Schüler im Alter von 15-Jahren teilgenommen. Sie wurden nach dem Zufallsprinzip ausgewählt und stehen für rund 20 Millionen Jugendliche in den 57 Teilnehmerstaaten.

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