Germany

Das Geld ist nicht ausgerichtet auf bedürftige Gruppen

 

Interview mit Monika Queisser, Leiterin der Abteilung Sozialpolitik der OECD
Saarbrücker Zeitung (T. Schäfer), 2.September 2009

 

Frage: Frau Queisser, Deutschland gibt viel mehr Geld für Kinder aus als viele andere Länder. Der Erfolg ist gering. Woran liegt das?

 

Queisser: Die Familien bekommen zwar viel Geld, aber es ist nicht ausgerichtet auf bedürftige Gruppen. Ein weiterer Grund ist, dass relativ wenig für Sachleistungen wie Kinderbetreuungsstätten ausgegeben wird.

 

F: Aber wenn die Betreuung unzureichend ist, ist es für Eltern sehr, sehr schwierig, Arbeit und Familie zu kombinieren. Mit welchen Folgen?

 

Queisser: Daraus entsteht ein Armutsrisiko, vor allem bei Alleinerziehenden. In vielen dieser Haushalte müssen die Menschen von Sozialleistungen leben, weil sie nicht die Möglichkeit haben, ihre Kinder betreuen zu lassen.

 

F: Deutschland gibt also nicht genug Geld speziell für Kinder aus?

 

Queisser: Ja, die Leistungen kommen der Familie insgesamt zugute. Zudem ist das Steuersystem immer noch so ausgerichtet, dass es sich für den möglichen Zweitverdiener nicht unbedingt lohnt zu arbeiten.

 

F: Was kann verbessert werden?

 

Queisser: Beispiel Kindergeld. Das wird häufig bis zum 25. Lebensjahr gezahlt, doch es sind ja nicht unbedingt jene Kinder die bedürftigsten, die später zur Uni gehen. Man müsste das gesamte Transfer- und Steuersystem unter die Lupe nehmen, um zu sehen, ob man nicht mit verschiedenen Instrumenten gegensetzliche Ziele erreicht.

 

F: Jedes sechste Kind im reichen Deutschland lebt in relativer Armut. Warum ist das so?

 

Queisser: Menschen mit geringem Einkommen oder jene, die auf Sozialleistungen angewiesen sind, landen automatisch unterhalb der Armutsgrenze. Wenn sich eine Familie dann Kinderbetreuung aber nicht leisten kann, bleibt sie in der Armutsfalle stecken.

 

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