Österreichs Gesundheitssystem leistungsfähig aber teuer

 

Viele Krankenhausbetten und hohe Ärztehonorare machen das System teuer – Ausgaben für Prävention gering – ungesunde Lebensweise bei Jugendlichen

 

(Berlin/Paris – 8. Dezember 2009) Österreich hat ein leistungsfähiges Gesundheitssystem, das eine Versorgung für nahezu die gesamte Bevölkerung gewährleistet. Allerdings gibt Österreich im Vergleich zu anderen Ländern, die eine ähnlich breite Versorgung gewährleisten, viel Geld für sein Gesundheitssystem aus. Wichtige Kostenfaktoren in Österreich sind viele Krankenhausbetten und relativ hohe Ärztehonorare. Dies geht aus der internationalen Vergleichsstudie Gesundheit auf einen Blick  der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hervor, die heute in Paris veröffentlicht wurde.

 

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So gab Österreich im Jahr 2007 10,1 Prozent seiner Wirtschaftsleistung für die Gesundheitsversorgung aus. Das ist der siebt höchste Wert in der OECD (Grafik). Auch die Ausgaben pro Kopf liegen kaufkraftbereinigt um 26 Prozent über dem OECD-Schnitt (Grafik). Allerdings sind in Österreich, anders als in den meisten anderen Ländern, die Gesundheitsausgaben nicht schneller gewachsen als die Wirtschaftsleistung und das bei einer vergleichsweise rasch alternden Bevölkerung. Liegt Österreich bei den Gesundheitsausgaben innerhalb der OECD an 7. Stelle, steht es bei der Lebenserwartung nur an Platz 13 (Grafik). Alle Länder können die Leistungen ihres Gesundheitssystems verbessern. Solche Verbesserungen bedeuten nicht unbedingt höhere Ausgaben“, sagte OECD-Generalsekretär Angel Gurría.

Vor allem Jugendliche haben in Österreich einen deutlich ungesünderen Lebenswandel als in anderen OECD-Ländern. In keinem anderen OECD-Land ist unter den 15-Jähringen der Anteil der Raucher so hoch wie in Österreich. Besonders deutlich ist der Abstand zu anderen Ländern bei Mädchen. Nach Dänemark, Großbritannien und Finnland berichten in keinem andern OECD-Land mehr Jugendliche über Alkoholexzesse. 36 Prozent der Mädchen und 41 Prozent der Jungen in Österreich im Alter von 15 Jahren geben an, schon mindestens zwei Mal im Leben betrunken gewesen zu sein (Grafik).

Abgesehen von Finnland gibt es kein Land in der OECD in dem weniger Jungen regelmäßig Obst essen als in Österreich (Mädchen an acht letzter Stelle, Grafik). Gleichzeitig hat sich bei den Jungen der Anteil der Fettleibigen in den vergangen Jahren fast verdoppelt und ist damit so schnell gestiegen wie in keinem anderen OECD Land, für das diese Daten vorliegen (Grafik). Insgesamt liegt bei den Jungen jetzt der Anteil der Fettleibigen über dem OECD-Schnitt.

Unter Erwachsenen ist der Anteil der Fettleibigen dagegen geringer als im OECD-Schnitt und hat in den vergangen Jahren nur langsam zugenommen. Auch liegt der Anteil der Raucher liegt mit gut 23 Prozent etwa im OECD-Durchschnitt, er ist aber bei den Frauen gestiegen, während die meisten Länder bei beiden Geschlechtern einen deutlichen Rückgang der Raucher verzeichnen. Beim Alkoholkonsum liegt Österreich mit 12,9 Liter je Einwohner über 15 Jahre und Jahr nach Luxemburg, Irland, Ungarn und Frankreich an 5. Stelle in der OECD (Grafik).

 

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Die Ausgaben für öffentliche Gesundheits- und Präventionsprogramme etwa gegen Alkohol- oder Tabakkonsum liegen mit 1,9 Prozent der gesamten Gesundheitsausgaben deutlich niedriger als im OECD-Mittel (3,0 Prozent). Kanada gibt 7,3 Prozent seines Gesundheitsbudgets, Finnland 5,8 Prozent und die Niederlande 5,1 seines Gesundheitsbudgets für solche Programme aus (Grafik).

Trotz eines Rückgangs in den vergangenen Jahren hat Österreich nach wie im Verhältnis zur Bevölkerung sehr viele Krankenhausbetten. Auf 1.000 Einwohner kommen hier 6,1 Krankenhausbetten. Das ist nach Japan und Korea der höchste Wert in der OECD. Im OECD-Schnitt sind es 3,8 Betten je 1.000 Einwohner (Grafik). Das deutlich dünner besiedelte und damit schwerer zu versorgende Schweden kommt mit 2,1 Krankenhausbetten je 1000 Einwohner aus. Entsprechend hat Österreich bezogen auf die Bevölkerung die höchste Zahl an Krankenhauseinweisungen (278 je 1000 Einwohner, OECD-Mittel 158, Niederlande 109). Allerdings sind die Krankenhausaufenthalte kürzer als im OECD-Schnitt (5,7 Tage, OECD-Mittel 6,5 Tage, Deutschland 7,8 Tage).

Die Gesamtausgaben für Medikamente liegen pro Kopf kaufkraftbereinigt um 8 Prozent über dem OECD-Schnitt. Bei den von den Krankenkassen finanzierten Kosten für Medikamente liegt Österreich leicht über dem OECD-Mittel (Grafik).

Mit 1,5 Allgemeinmedizinern je 1000 Einwohner hat Österreich eine deutlich höhere Ärztedichte als die OECD-Länder im Schnitt (0,9 Allgemeinmediziner je 1000 Einwohner, Grafik). Regional sind die Ärzte in Österreich gleichmäßiger verteilt als in fast allen anderen OECD-Ländern, für die diese Daten verfügbar sind. Die Facharztdichte liegt mit 2,2 je 1000 Einwohnern etwas über dem OECD-Schnitt von 1,8. Mit 6,7 Arztbesuchen pro Jahr pro Einwohner gehen den Menschen in Österreich etwas seltener zum Arzt als im OECD-Mittel (6,8 Arztbesuche pro Einwohner pro Jahr, Grafik).

Die Bruttoeinkommen der selbständigen Allgemeinmediziner liegen nach Abzug der Praxiskosten in Österreich beim 2,9-fachen des Durchschnittslohns. Selbstständige Fachärzte verdienen in Österreich das 4,8-fache des Durchschnittslohns. Das ist Platz vier unter den 12 OECD-Ländern, für die diese Daten vorliegen.

=> Gesundheit auf einen Blick

 

 

 

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