Nachkommen von Migranten: schlechtere Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt auch bei gleichem Bildungsniveau

 

In Deutschland und Österreich sind Defizite bei den Höherqualifizierten besonders ausgeprägt - in der Schweiz gelingt die Arbeitsmarktintegration vergleichsweise gut

 

(Paris/Berlin - 15. Oktober 2009) Nachkommen von Einwanderern haben in Deutschland und Österreich deutlich schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt als junge Menschen mit zumindest einem im Inland geborenen Elternteil. Dies gilt auch, wenn sie das gleiche Bildungsniveau erreichen. In der Schweiz gelingt die Arbeitsmarktintegration der sogenannten „zweiten Generation“ dagegen vergleichsweise gut. Zu diesem Ergebnis kommt eine Vergleichsstudie zur Arbeitsmarktintegration (pdf, 1,3MB, engl.) der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die heute in Paris vorgestellt wurde.

Zum ersten Mal liegen mit dieser Studie Vergleichszahlen für 16 OECD-Länder zur Arbeitsmarktintegration der im Inland geborenen Nachkommen von Migranten vor. Die Daten sind ein wichtiger Indikator für den Integrationserfolg, da sowohl die Nachkommen von Migranten als auch die Vergleichsgruppe ohne Migrationshintergrund (schließt auch Personen mit nur einem im Ausland geborenen Elternteil ein) ihre gesamte Sozialisation und Ausbildung im gleichen Land erhalten haben. Die Studie ist Teil eines gemeinsamen Projektes von OECD und Europäischer Kommission und wurde Anfang Oktober in Brüssel unter Fachleuten diskutiert.

Geringqualifizierte unter Migrantenkindern deutlich überrepräsentiert

In Deutschland ist unter den 20 bis 29-Jährigen mit Migrationshintergrund der Anteil der Geringqualifizierten ohne Abitur oder abgeschlossene Berufsausbildung doppelt so hoch wie in der gleichen Altersgruppe ohne Migrationshintergrund, in Österreich sogar dreimal so hoch. Auch bei den PISA-Studien zeigt sich ein ähnliches Bild: Der vergleichsweise hohe Anteil an Geringqualifizierten bei den 20 bis 29-Jährigen mit Migrationshintergrund korrespondiert in Deutschland und in Österreich mit großen Defiziten, die Jugendliche mit Migrationshintergrund in ihren schulischen Leistungen aufweisen.

 

Daten und Grafiken (xls, 69kB)


In Deutschland scheint das Berufsbildungssystem die schulischen Defizite etwas aufzufangen: Der Rückstand von jungen Erwachsenen mit Migrationshintergrund ist bei den Ausbildungsabschlüssen etwas geringer, als der Rückstand von Migrantenkindern bei PISA erwarten ließe. In Österreich ist es dagegen umgekehrt: Hier gehen große schulische Defizite einher mit noch größeren Defiziten bei der Berufsausbildung.

Auch in Luxemburg, Dänemark, den Niederlanden und Belgien zeigt sich ein ähnliches Bild. Ganz anders in der Schweiz: hier zeigen die PISA-Studien ebenfalls schulische Defizite bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Dennoch liegt bei jungen Erwachsenen mit Migrationshintergrund der Anteil der Geringqualifizierten auf dem gleichen niedrigen Niveau wie bei der Vergleichsgruppe ohne Migrationshintergrund.

Schlechtere Arbeitsmarktchancen selbst bei gleichem Bildungsniveau

Auch bei gleichem Bildungsstand haben junge Erwachsene mit Migrationshintergrund deutlich geringere Beschäftigungschancen als die Vergleichsgruppe ohne im Ausland geborene Eltern. In den meisten Ländern, insbesondere in Belgien, Frankreich und den Niederlanden, sind es die geringqualifizierten Migrantenkinder, die im Vergleich zu Personen mit ähnlichem Abschluss, aber ohne Migrationshintergrund, die relativ größten Beschäftigungsdefizite aufweisen. Nicht so in Deutschland und in Österreich: Hier sind niedrigqualifizierte Nachkommen von Migranten vergleichsweise gut in den Arbeitsmarkt integriert.

 

Daten und Grafiken (xls, 69kB)


Der Abstand zu gleichqualifizierten Personen ohne Migrationshintergrund ist hingegen bei Hoch- und Fachhochschulabsolventen und Absolventen höherer beruflicher Bildung vergleichsweise stark ausgeprägt. „Dieser Befund überrascht, da beide Gruppen ihre Bildungsabschlüsse in der Regel im Inland erworben haben. Eine Erklärung könnte sein, dass in Deutschland und Österreich auf dem Arbeitsmarkt die Erwartung vorherrscht, dass Migranten und deren Nachkommen eher gering qualifiziert sind. Bildungserfolge von Migranten und deren Nachkommen werden entsprechend noch nicht ausreichen honoriert“, sagte OECD-Migrationsexperte Thomas Liebig.

So haben in Deutschland 90 Prozent der 20 bis 29-jährigen hochqualifizierten Männer ohne Migrationshintergrund einen Arbeitsplatz. Bei der vergleichbaren Gruppe mit Migrationshintergrund sind es dagegen nur 81 Prozent. Bei den Geringqualifizierten gibt es hingegen kaum Unterschiede (56 Prozent für Personen ohne Migrationshintergrund und 54 Prozent für Nachkommen von Migranten). Ein ähnliches Bild ergibt sich in Österreich. Allerdings haben hier geringqualifizierte Nachkommen von Migranten sogar tendenziell eine höhere Beschäftigungsquote als geringqualifizierte Personen ohne Migrationshintergrund.

In der Schweiz sind hingegen, unabhängig vom Bildungsniveau, kaum Unterschiede in den Beschäftigungsquoten festzustellen. Damit sind die Intregationsergebnisse diesbezüglich deutlich besser als in den übrigen europäischen OECD-Ländern.

Auch junge Frauen mit im Ausland geborenen Eltern haben in den meisten Ländern eine geringere Beschäftigungsquote als Altersgenossinnen ohne Migrationshintergrund. Hier ist allerdings in Rechnung zu stellen, dass Frauen mit Migrationshintergrund im Schnitt früher heiraten und früher Kinder bekommen. Berücksichtigt man diese Faktoren, gehen die Unterschiede deutlich zurück, vor allem in Deutschland und Österreich.

Die Daten erlauben auch eine Bewertung der Arbeitsmarktintegration von Migrantenkindern getrennt nach dem Herkunftsland ihrer Eltern. Für Kinder von aus der Türkei stammenden Eltern ist auch ein länderübergreifender Vergleich für Belgien, Deutschland, Österreich und die Schweiz möglich. Diese Daten bestätigen das allgemeine Bild, wenn man gleichzeitig auch das unterschiedliche Bildungsniveau in Rechnung stellt: So haben Kinder türkischer Einwanderer in Belgien und Österreich die größten Beschäftigungsdefizite. Auch in Deutschland sind die Unterschiede beträchtlich, in der Schweiz sind die Defizite dagegen gering.

Betrachtet man die Verteilung auf die verschiedenen Wirtschaftszweige, so sind Nachkommen von Migranten in Deutschland, Österreich und der Schweiz im Handel überrepräsentiert. In Deutschland ist das auch im verarbeitenden Gewerbe der Fall. Unterrepräsentiert sind junge Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland dagegen in der öffentlichen Verwaltung. Hier sind nur drei Prozent der 20 bis 29-Jährigen mit Migrationshintergrund beschäftigt. Bei jungen Erwachsenen ohne Migrationshintergrund sind es dagegen zehn Prozent. In keinem anderen untersuchten Land waren die Unterschiede ähnlich groß.

Daten und Grafiken (xls, 69kB)

Kostenloser PDF-Download des Bericht (pdf, 1,3MB, engl.)


Weitere Informationen: www.oecd.org/de/migration

 

 

 

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