Höchste Zeit für Hochqualifizierte: Trotz besserer Arbeitsmarktchancen geringer Zuwachs bei weiterführenden Abschlüssen in Deutschland

 

(Berlin/ Paris - 13. September 2011) Der Anteil der Hochqualifizierten ist in Deutschland seit fünf Jahrzehnten kaum gewachsen. Wie aus dem heute veröffentlichten Bericht "Bildung auf einen Blick 2011" der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hervorgeht, erwarb in Deutschland vor 50 Jahren knapp jeder fünfte junge Erwachsene einen Hoch- oder Fachschulabschluss beziehungsweise einen Meisterbrief. Heute ist es etwa jeder Vierte (26 Prozent). Lag Deutschland vor einem halben Jahrhundert mit diesen Werten im Mittelfeld aller 24 Länder, für die Daten vorhanden sind, so ist es nunmehr auf einen der untersten Plätze abgerutscht.

 

Zum ersten Mal seit Erscheinen der Reihe enthält “Bildung auf einen Blick” in diesem Jahr Zahlen, die einen so langfristigen Trend aufzeigen. Die Entwicklung innerhalb der OECD ist dabei positiv: Ende der 50er/Anfang der 60er Jahre machten im OECD-Schnitt nur 13 Prozent aller Menschen einen Abschluss im tertiären Bereich, im Jahr 2009 hatte sich diese Zahl auf 37 Prozent fast verdreifacht. Die größten‌Fortschritte erzielten Korea und Japan, die von niedrigem beziehungsweise mittlerem Niveau starteten und heute mit 63 und 56 Prozent aller 25 bis 34-Jährigen über den höchsten Anteil von Hochqualifizierten verfügen. Die USA – historisch gesehen eines der bestausgebildeten Länder – liegen heute mit 41 Prozent Universitäts-, Fachschul- und Berufsakademieabsolventen nur noch knapp über dem OECD-Schnitt. Deutschland hat mit 7 Prozentpunkten die geringste Zuwachsrate aller OECD-Länder.

 

 

Ein Abschluss im tertiären Bereich ist in mehrerlei Hinsicht vorteilhaft: Die Arbeitslosigkeit ist so niedrig wie sonst in keiner Bevölkerungsgruppe. Im Durchschnitt reduziert ein Abschluss im Tertiärbereich den Erwerbslosenanteil unter den nicht in Ausbildung befindlichen 25- bis 29-Jährigen um 2,1 Prozentpunkte. Zudem sind die Verdienstmöglichkeiten so stark wie nie zuvor an die Ausbildung geknüpft: In der Hälfte aller OECD-Länder können Universitäts- und Fachhochschulabsolventen mit mindestens 50 Prozent mehr Einkommen rechnen als jene, die zwar über (Fach-)Hochschulreife, nicht aber über ein Studium verfügen. In Deutschland beträgt der Unterschied bei Männern 68 und bei Frauen 65 Prozent. In Österreich ist er sogar noch ausgeprägter (Männer 71 und Frauen 65 Prozent).

 

Ein klarer Zusammenhang besteht auch zwischen der Zufriedenheit sowie einer positiven Einstellung zur Gesellschaft und der Ausbildung. In Deutschland etwa gab die Hälfte aller Menschen ohne Sekundarausbildung an, zufrieden zu sein. Mit Sekundarabschluss sind es bereits 61 Prozent und unter den Hochqualifizierten steigt der Anteil auf 77 Prozent. Zudem arbeiten in der am besten ausgebildeten Gruppe fast dreimal so viele Menschen ehrenamtlich wie in jener ohne Sekundarabschluss (10,4 versus 27,5 Prozent). Auch die Wahlbeteiligung steigt mit der Qualität der Abschlüsse: von 77 Prozent bei jenen, die unterhalb des Sekundarbereichs ausgebildet sind bis auf 95 Prozent unter den am besten Ausgebildeten.

 

 

Auch wenn der Trend in allen OECD-Ländern dahin geht, dass höher gebildete Menschen sich stärker gesellschaftlich einbringen und mit ihrem Leben glücklicher sind, so ist die Gesellschaft in Deutschland doch besonders stark gespalten. Ähnlich massive Unterschiede zwischen den Bevölkerungsgruppen gibt es OECD-weit nur noch in Tschechien, der Slowakei und Slowenien. Die nordischen Länder hingegen haben insgesamt bessere Ergebnisse, aber auch wesentlich geringere Unterschiede zwischen den einzelnen Bildungsschichten.

 

Zu den privaten und gesellschaftlichen Vorteilen tertiärer Bildung kommt in Deutschland noch ein klarer wirtschaftlicher Gewinn für den Staat: Außer den USA gibt es kein anderes Land, in dem staatliche Investitionen in Universitäts-, Fachschul- oder gleichwertige Bildung einen so großen Kapitalwert abwerfen wie in Deutschland. 169.000 US-Dollar bleiben kaufkraftbereinigt und auf ein Arbeitsleben gerechnet übrig, wenn man die vom Staat erbrachten Kosten für den höheren Abschluss eines Mannes mit dem Nutzen für die öffentliche Kasse verrechnet. (Tabelle A9.4)

 

Gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) sind die Investitionen in Bildung in den vergangenen Jahren allerdings eher zurückgegangen: Gaben private und öffentliche Stellen in Deutschland 1995 noch 5,1 Prozent des BIP für Bildungseinrichtungen aus, so waren es 2008 nur noch 4,8 Prozent. Mitte der 90er Jahre rangierte Deutschland mit diesem Satz im Mittelfeld der OECD-Länder, heute fallen die Investitionen fast überall in der OECD höher aus (Ausnahme: Tschechien und die Slowakei). Besonders problematisch ist dabei das niedrige Ausgabenniveau im Grundschulbereich. Während hier im OECD-Mittel pro Schüler jährlich 7200 US-Dollar fließen, investiert Deutschland umgerechnet nur 5900 US-Dollar.

 

> Grafiken (xls, 292kB)

Länderanalyse Deutschland (pdf, 632kB)

> Zur Hauptseite Bildung auf einen Blick 2011

 

 

 

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