Deutsches Gesundheitssystem leistungsfähig aber teuer

 

  • Deutschlands Gesundheitssystem ist leistungsfähig und sichert die Versorgung für nahezu die gesamte Bevölkerung
  • In vielen OECD-Ländern sind die Menschen jedoch gesünder, leben länger und das bei geringeren Kosten. 
  • Hohe Kosten durch viele Krankenhausbetten, hohe Ausgaben für Medikamente, hohe Ärztehonorare und hohe Verwaltungskostenviele
  • Jugendliche leben sehr ungesund

Gesamtausgaben

 

Deutschland gab im Jahr 2007 10,4 Prozent der Wirtschaftsleistung für die Gesundheitsversorgung aus (Grafik). Das ist nach den USA, Frankreich und der Schweiz der höchste Wert in der OECD.

Die Ausgaben pro Kopf liegen kaufkraftbereinigt um 20 Prozent über dem OECD-Schnitt (Grafik).

Anders als in den meisten anderen Ländern sind die Gesundheitsausgaben nicht schneller gewachsen als die Wirtschaftsleistung und das bei einer vergleichsweise rasch alternden Bevölkerung.

 

Gesundheitszustand und Lebensweise

 

Bei den Gesundheitsausgaben liegt Deutschland innerhalb der OECD an 10. Stelle, bei der Lebenserwartung an Platz 14 (Grafik).

Herzinfarkt (Grafik) und unterschiedlichen Krebsleiden (Grafik) liegt die Todesrate mal knapp über, mal unter dem OECD-Schnitt. Auch die Kindersterblichkeit ist etwa so hoch wie im OECD-Schnitt (Grafik).

 

 

Ungesunde Lebensweise ist in Deutschland in gleichem Maße verbreitet, wie in anderen Ländern. Allerdings geht die Entwicklung häufig in die falsche Richtung.

Bei der erwachsenen Bevölkerung liegt der Alkohol- und Tabakkonsum etwa im OECD-Schnitt. Deutschland gehört jedoch zu den wenigen Ländern, in denen der Anteil der rauchenden Frauen in den vergangen Jahren zugenommen hat.

Jugendlichen bewegen sich vergleichsweise wenig und essen nur selten Obst. Bei 15-jährigen Mädchen etwa liegt Deutschland mit einem Raucherinnenanteil von 22 Prozent nach Österreich und Tschechien an 3. Stelle in der OECD (Grafik).

Bei den 15-Jährigen Mädchen hat sich der Anteil der Fettleibigen zwischen 2001 und 2006 verdoppelt und ist damit so schnell gestiegen wie in fast keinem anderen OECD-Land (Grafik).

 

Nutzung und Kosten in einzelnen Bereichen

 

Trotz eines erheblichen Rückgangs in den vergangenen Jahren hat Deutschland im Verhältnis zur Bevölkerung sehr viele Krankenhausbetten. Auf 1.000 Einwohner kommen hier 5,7 Krankenhausbetten, im OECD-Schnitt sind es 3,8 Betten (Grafik). Das deutlich dünner besiedelte und damit schwerer zu versorgende Schweden kommt mit 2,1 Krankenhausbetten je 1000 Einwohner aus. 

Deutschland hat bezogen auf die Bevölkerung nach Österreich und Frankreich die höchste Zahl an Krankenhauseinweisungen (227 je 1000 Einwohner, OECD-Mittel 158, Niederlande 109) und nach Japan die längsten Krankenhausaufenthalte (7,8 Tage, OECD-Mittel 6,5 Tage, Dänemark 3,5 Tage) in der OECD.

 

 

Die Gesamtausgaben für Medikamente liegen pro Kopf kaufkraftbereinigt um 17 Prozent über dem OECD-Schnitt (Grafik). Die von den Krankenkassen finanzierten Kosten für Medikamente sind mit die höchsten in der OECD.

Mit 1,5 Allgemeinmedizinern je 1000 Einwohner hat Deutschland eine deutlich höhere Ärztedichte als die OECD-Länder im Schnitt (0,9 Allgemeinmediziner je 1000 Einwohner, Grafik). Regional sind die Ärzte in Deutschland gleichmäßiger verteilt als in fast allen anderen OECD-Ländern, für die diese Daten verfügbar sind. Die Facharztdichte liegt mit 2,0 je 1000 Einwohnern etwas über dem OECD-Schnitt von 1,8.

Mit 7,5 Arztbesuche pro Jahr pro Einwohner gehen den Menschen in Deutschland etwas häufiger zum Arzt als im OECD-Mittel (6,8 Arztbesuche pro Einwohner pro Jahr). Allerdings hat in Deutschland die Zahl der Arztbesuche so schnell zugenommen wie in fast keinem anderen OECD-Land (Grafik).

Die Bruttoeinkommen der selbständigen Allgemeinmediziner liegen nach Abzug der Praxiskosten in Deutschland beim 3,3-fachen des Durchschnittslohns. Das ist nach Großbritannien, Mexiko und den USA das höchste relative Einkommen in den 13 OECD-Ländern, für die diese Daten erhältlich sind. Selbstständige Fachärzte verdienen in Deutschland das 4,1-fache des Durchschnittslohns. Dieser Wert wird in acht OECD-Länder übertroffen.

Der Anteil der Verwaltungskosten an den Gesundheitsausgaben ist mit 5,7 Prozent deutlich höher als in den meisten anderen OECD-Ländern. Bei einem vergleichbaren Anteil der Gesundheitsausgaben am BIP machen in der Schweiz die Verwaltungskosten nur 4,8 Prozent der Gesamtausgaben aus, in Österreich gar nur 3,8 Prozent.

Der vergleichsweise guten Ausstattung mit Ärzten steht eine eher mäßige Versorgung mit anderem medizinischen Fachpersonal gegenüber. So gibt es in Deutschland pro Arzt weniger Krankenschwestern oder Krankenpfleger als im OECD-Mittel.

Der Nachwuchs bei Krankenpflegern und Krankenschwestern ist deutlich schlechter gesichert als bei Medizinern. Auf knapp 1000 Krankenpfleger und Krankenschwestern kommen in Deutschland pro Jahr nur rund 30 Absolventen, im OECD-Mittel sind es dagegen 40. Auch die Bezahlung von Krankenschwestern liegt anderes als bei Ärzten nur im OECD-Durchschnitt.

(8. Dezember 2009)

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