OECD fordert Mitgliedsregierungen auf, die Rekrutierung der Lehrer und die Konzeption der Schulsysteme zu überdenken

15/03/2004 - Der Mangel an Lehrkräften, insbesondere in Schlüsselfächern wie Computerwissen, Mathematik, Technologie, Fremdsprachen und Naturwissenschaften zwingt die Bereitsteller von Bildungsdienstleistungen zu einem Überdenken der Schulorganisation und der Organisation des Unterrichts. Dies wird eines der Hauptthemen des OECD Bildungsministertreffens vom 18. bis 19. März 2004 in Dublin sein (siehe www.oecd.org/edumin2004).

Gemäß Forschungserkenntnissen der OECD stellen die Überalterung und die ungenügende Qualifikation der Lehrer eine zweifache Bedrohung für die Bildungsqualität in vielen OECD-Ländern dar. Im Durchschnitt sind in den OECD Ländern drei von 10 Lehrern in der Sekundarstufe älter als 50 Jahre, wobei Deutschland und Italien die größte Anzahl von Lehrern in dieser Altersgruppe aufweisen, gefolgt von Schweden, den Niederlanden, Norwegen und Finnland. Demnächst drohen viele Ruhestände und einige Länder haben große Schwierigkeiten, qualifizierte neue Lehrer einzustellen.

In vielen Fällen besetzen Lehrer Posten, die sie auf Grund mangelnder Qualifikationen nicht ausreichend erfüllen können. Dies ist laut Forschungserkenntnissen der OECD für mehr als 20 % der Vollzeitlehrer in der Sekundarstufe in Mexiko, Norwegen, Portugal und Schweden der Fall.

Ein Anheben der Gehälter für Lehrer könnte eine mögliche Antwort auf den sich abzeichnenden Lehrermangel sein. In 14 von 19 OECD-Ländern, für die relevante Daten vorliegen, stieg das Gehalt eines Lehrers mit einer 15-jährigen Unterrichtserfahrung in der Unterstufe zwischen 1994 und 2001 langsamer als das Bruttoinlandprodukt pro Kopf. Der Wettbewerb mit höher dotierten Jobs in anderen Bereichen ist besonders intensiv auf den Gebieten Wissenschaft und Technologie, Sprachen und Mathematik.

Die Regierungen müssen sich aber auch mit Fragen bezüglich des Status des Berufsstandes Lehrer und der Jobzufriedenheit auseinandersetzen. Umfragen unter Lehrern haben ergeben, dass sie großen Wert auf gute Beziehungen zu den Schülern und Kollegen legen. Darüber hinaus ist es ihnen wichtig, das Gefühl zu haben, von den Schulleitern anerkannt und unterstützt zu werden. Außerdem legen sie Wert auf gute Arbeitsbedingungen und Weiterbildungsmöglichkeiten sowie Karrierechancen. Wie die Erhebung auch zeigt, bleibt die Wirklichkeit nur allzu oft weit hinter den Erwartungen zurück. Das kann besonders demotivierend für neue Ankömmlinge im Lehrberuf sein. Viele von ihnen scheiden nach nur wenigen Jahren aus dem Lehrberuf wieder aus.

Eine der Möglichkeiten, den Lehrermangel zu bekämpfen, besteht nach Ansicht der OECD Analysten in der Erkenntnis, dass es keinen alleinigen einheitlichen Arbeitsmarkt für Lehrer gibt, sondern eher mehrere Märkte, die sich nach Schulart - Grundschule, Sekundarbereich, Berufsbildung usw. - und nach persönlichen Merkmalen von Lehrern - Geschlecht, Alter, Erfahrung und fachspezifische Spezialisierung - unterscheiden. Es sind daher gezielte Politiken erforderlich, um Lehrer für bestimmte Fächer zu rekrutieren, bei denen der Mangel besonders ausgeprägt ist. Die Politiken müssen auch darauf abzielen, junge Lehrer am Beginn ihrer Karriere zu unterstützen. Außerdem gilt es, die Qualifikationen der Lehrer bereits in der Schule zu verbessern.
Phillip McKenzie, OECD Direktorat für Bildung (Tel: 0033 1 4524 9227) steht Journalisten für weitere Informationen zur Verfügung.

Siehe auch OECD Webseite unter www.oecd.org/edu/teacherpolicy

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