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Vor allem für Alleinerziehende sind die Hürden zur Arbeitsaufnahme groß
(Berlin/Paris 13. Dezember 2007) Die Schweiz bietet sowohl für Kurzzeit- wie für Langzeitarbeitslose eine im OECD-Vergleich großzügige finanzielle Absicherung. Gleichzeitig ist nach Verlust der Arbeit auch die Annahme eines schlechter bezahlten Jobs attraktiver als in anderen europäischen OECD-Ländern. Für Zweitverdiener in Familien und Alleinerziehende lohnt sich die Arbeitsaufnahme aufgrund der sehr hohen Kinderbetreuungskosten dagegen kaum. Dies geht aus der Studie "Benefits and Wages 2007" hervor, die die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) heute in Paris veröffentlicht hat.
So erhält ein Alleinstehender in der Schweiz, der zuletzt durchschnittlich verdient hat, nach 5 Jahren Arbeitslosigkeit noch 48 Prozent (2001: 53 Prozent) seines letzten Nettoverdienstes als Transferzahlung. Im OECD-Schnitt sind es dagegen nur 32 Prozent. Die höchsten Transfers in der OECD erhält mit 59 Prozent des letzten Nettos ein Langzeitarbeitsloser in Dänemark. Die Familie eines verheirateten Durchschnittsverdiener mit zwei Kindern erhält in der Schweiz nach 5 Jahren Arbeitslosigkeit noch 70 Prozent (2001: 79 Prozent) des letzten Nettos. Im OECD-Schnitt sind es nur 53 Prozent. Auch hier liegen die Transfers mit 77 Prozent des letzen Nettos in Dänemark (bzw. in Finnland) am höchsten.
Ein alleinstehender Durchschnittsverdiener erhält in der Schweiz, wenn er seinen Job verliert noch 70 Prozent seines letzten Nettoverdienstes. Im OECD-Mittel sind es nur 56 Prozent. Ist der Arbeitslose verheiratet und hat zwei Kinder, werden der Familie gar 85 Prozent ihres letzten Nettos ersetzt. Nur in Luxemburg ist dieser Wert mit 89 Prozent höher. Der OECD-Schnitt liegt für diesen Haushaltstyp bei 64 Prozent.
In der Regel ist es in der Schweiz für einen Durchschnittsverdiener, der seinen Job verloren hat, lukrativ, schnell eine geringer bezahlte Arbeit anzunehmen. Wenn man vom Bruttoverdienst Steuern, Abgaben und entgangene Transferleistungen abzieht, dann bleiben je nach Haushaltskonstellation zwischen 20 und 30 Prozent des neuen Bruttoverdienstes übrig. Das entspricht ungefähr dem OECD-Schnitt. Will allerdings in einer Familie mit Kindern der zweite Partner oder ein oder eine Alleinerziehende einen gering bezahlten Job annehmen, dann sind die Hürden in der Schweiz besonders hoch.
So bleiben bei einem Zweitverdiener, der eine Stelle mit 2/3 des Durchschnittsverdiensts annimmt nach Abzug von Steuern und Kinderbetreuungskosten gerade einmal 19 Prozent des Bruttoverdienstes übrig. Im OECD-Mittel sind es 39 Prozent. Ein Alleinerziehender stellt sich finanziell deutlich schlechter, wenn er in der Schweiz eine Arbeit zu 2/3 des Durchschnittslohns annimmt. Im OECD-Mittel bleiben dagegen nach Abzug von Steuern, Abgaben, entgangener Transfers und Kinderbetreuungskosten noch 22 Prozent des Bruttoverdienstes übrig.
Den Berechnungen liegt das Durchschnittseinkommen der Vollzeitarbeitnehmer in der Privatwirtschaft aus dem Jahr 2005 zugrunde (Average Worker Income – AW). In der Schweiz lag dieser Wert bei 71.638 Franken brutto im Jahr.
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