Entwicklungszusammenarbeit: Positive Zahlen für 2010, negativer Ausblick

(Paris/Berlin - 6. April 2011) Mit rund 129 Milliarden US Dollar haben die Länder des OECD-Entwicklungsausschusses (DAC) im Jahr 2010 so viel Finanzmittel zur Verfügung gestellt wie noch nie zuvor. Im Vergleich zu 2009 erhöhte sich die Summe um 6,5 Prozent auf 0,32 Prozent des kombinierten Bruttonationaleinkommens der DAC-Mitglieder. Die Zahlen zeigen, dass die Zusagen an die bedürftigsten Länder der Welt weiterhin gelten, sie zeigen aber auch, dass einige Geber weit davon entfernt sind, die Ziele zu erreichen, die sie sich auf dem G8-Gipfel in Gleneagles oder auf anderen Foren gesetzt hatten.


“Dieser Anstieg beweist die anhaltende Verpflichtung zu Entwicklung und Entwicklungszusammenarbeit –  zwei zentralen Zielen der OECD seit ihrer Gründung vor 50 Jahren“, sagte OECD-Generalsekretär Angel Gurría.   “Ich möchte die Geber ermuntern, zu ihren Gleneagles-Zusagen zu stehen und alles zu tun, damit die UN-Milleniumsziele erreicht werden. Das Thema wird auch bei unserem OECD-Ministertreffen im nächsten Monat eine wichtige Rolle spielen.“


Deutschland gehört neben den USA, Großbritannien, Frankreich und Japan zu den größten Gebern sogenannter öffentlicher Mittel für Entwicklungszusammenarbeit (ODA) im Jahr 2010.


Zusammengenommen kam der Hauptteil der Entwicklungsfinanzierung von den DAC-Mitgliedern der EU: 70,2 Milliarden US-Dollar oder auch 54 Prozent aller Aufwendungen, die von den Mitgliedern des OECD-Entwicklungsausschusses geleistet wurden.  Dänemark, Luxemburg, die Niederlande, Norwegen und Schweden gaben weiterhin mehr als die von den Vereinten Nationen anvisierte Marke von 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens.  Den größten prozentualen Zuwachs im Vergleich zum Vorjahr verzeichneten Australien, Belgien, Kanada, Korea, Japan, Portugal und Großbritannien.


Die Zukunftsaussichten sind allerdings weniger positiv: Eine aktuelle OECD-Studie zeigt für die kommenden drei Jahre eine signifikant geringere Steigerung der ODA-Mittel als zuvor. Die entwicklungspolitischen Finanzmittel werden zwischen 2011 und 2013 voraussichtlich lediglich um zwei Prozent jährlich anwachsen, während sie in den vergangenen drei Jahren um jeweils acht Prozent stiegen. Die Mittel für Afrika werden den Berechnungen zufolge sogar nur um ein Prozent jährlich wachsen, von 2008 bis 2010 waren es im Schnitt 13 Prozent. Diese Aufstockung würde komplett vom Bevölkerungswachstum des Kontinents in den Schatten gestellt werden.


“Wenn Länder entwicklungspolitische Verpflichtungen eingehen, dann müssen sie auch die politische, budgetäre und planerische Arbeit machen, die nötig ist, um diese Zusagen einzuhalten”, sagte der Vorsitzende des OECD-Entwicklungsausschusses Brian Atwood. “Allzu oft stellen Geberländer eine Summe in Aussicht, ohne eine Deckung dafür zu haben. Wir plädieren daher für einen neuen Kodex, der sicherstellen soll, dass Versprechen auch durch konkrete Pläne abgesichert sind.“


Der Kodex wird auch auf dem internationalen Forum zur Effizienz der Entwicklungszusammenarbeit im koreanischen Busan eine zentrale Rolle spielen. Das Treffen wird vom 29. November bis zum 1. Dezember Geber- und Nehmerländer sowie die Zivilgesellschaft und den privaten Sektor zusammen bringen, um verschiedene Lösungsansätze für Entwicklungspolitik zu diskutieren.

 

Die ODA-Zahlen im Detail

Studie über die Vorhersehbarkeit von Entwicklungsfinanzierung (pdf, 1,2MB, engl.)

 

Daten und Grafiken

Weitere Informationen


www.oecd.org/de/oda

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