OECD Regions at a Glance 2007 - Pressemitteilung

Berlin war in den vergangen Jahren wachstumsschwächste Region in der OECD

Auch Nordrhein-Westfalen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und das Saarland sind besonders langsam gewachsen - vor allem regionale Faktoren ausschlaggebend

(Paris/Berlin 30. Mai 2007) Berlin war in den vergangen Jahren innerhalb der OECD die Region mit dem geringsten Wirtschaftswachstum. Das geht aus der Publikation "Regionen auf einen Blick - Regions at a Glance 2007" hervor, die die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) heute in Paris veröffentlicht hat. So hat die deutsche Hauptstadt zwischen 1998 und 2003 (letzter Fünfjahreszeitraum mit vergleichbaren Daten) rund ein Siebtel ihres Anteils an der Gesamtwirtschaftsleistung der OECD eingebüßt.

Auch Nordrhein-Westfalen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und das Saarland gehören zu den 20 Regionen in den OECD-Ländern mit besonders geringem Wachstum. Besonders stark gewachsen sind hingegen die Regionen Northwest Territories und Alberta in Kanada, Southern and Eastern in Irland sowie die Hauptstadtregion und Chungcheong in Südkorea. In Europa finden sich weitere Wachstumspole in Tschechien, Ungarn, Spanien und Griechenland.

Berlins Wachstumsschwäche erklärt sich zum Teil aus der vergleichsweise schwachen wirtschaftlichen Entwicklung Gesamtdeutschlands. Deutlich größer ist jedoch der Effekt regionaler Faktoren. So war zwischen 1998 und 2003 das Wirtschaftswachstum in Berlin nicht einmal halb so hoch wie im Bundesdurchschnitt. Grund dafür ist vor allem die schlechte Entwicklung der Wirtschaftsleistung je Einwohner und pro Erwerbstätigen. So hat der Strukturwandel zu einer Spezialisierung auf weniger produktive Branchen geführt. Gleichzeitig hat sich die Produktivität in den einzelnen Branchen schlechter entwickelt als im OECD-Schnitt.

Während in vielen Regionen in den OECD-Ländern die Bevölkerungsentwicklung zu einem guten Teil die Dynamik der Wirtschaftsleistung erklärt, spielt dieser Faktor für das schlechte Abschneiden Berlins kaum eine Rolle. Zwar verzeichnete Berlin in den Jahren 1998 bis 2003 einen Bevölkerungsrückgang. Diese Entwicklung wurde jedoch weitgehend dadurch ausgeglichen, dass sich der Anteil der jungen, produktiven Altersgruppen erhöht hat. "Im Vergleich zu anderen Regionen in der OECD hat Berlin hat gute Voraussetzungen für eine dynamische Wirtschaftsentwicklung. Die Hauptstadt sollte sich aber stärker um die regionalen Ursachen seiner Wachstumsschwäche kümmern und kann sich nicht darauf verlassen, dass es im gleichen Umfang wie der Bundesdurchschnitt von der derzeit guten Konjunktur in Deutschland profitiert", sagte der Autor der Studie Vincenzo Spiezia.

In Nordrhein-Westfahlen und Niedersachsen ist es vor allem die schleppende Entwicklung der Produktivität, die jenseits nationaler Faktoren zum schlechten Abschneiden geführt hat. In Mecklenburg-Vorpommern und im Saarland sind Bevölkerungsrückgang und der Rückgang der Erwerbstätigkeit die wesentlichen regionalen Faktoren für die vergleichsweise schlechte Wirtschaftsentwicklung. In beiden Fällen hat ein leichter Produktivitätszuwachs jedoch einen Teil dieser Entwicklung ausgeglichen.

Für diese Berechnungen wurde als Region die größte territoriale Einheit unterhalb des Nationalstaats zugrund gelegt (insgesamt 284 Regionen in den 30 OECD-Ländern - für Deutschland sind das die Bundesländer). Bis auf Neuseeland, die Schweiz und die Türkei wurden die Regionen aller OECD-Länder berücksichtigt. Der OECD-Band "Regionen auf eine Blick" liefert alle zwei Jahre umfangreiche Daten zum Entwicklungspotential auf regionaler Ebene. Neben Wirtschaftskraft und Beschäftigung werden auch regionale Unterschiede im Bildungsniveau, bei der Gesundheitsversorgung sowie weitere Daten zur Lebensqualität analysiert.

Bei Fragen oder Interviewwünschen an die OECD-Experten wenden Sie sich bitte an Matthias Rumpf im OECD Berlin Centre Tel.: +49 (30) 28 88 35 41 oder Matthias.Rumpf@oecd.org. Journalisten können über das OECD Berlin Centre ein Presseexemplar dieser Studie als PDF-Datei beziehen. Anfragen an das Berlin Centre richten Sie bitte an berlin.centre@oecd.org.

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