Die OECD fordert Deutschland auf, den Verbleib älterer Menschen im Erwerbsleben stärker zu fördern

22/11/2005 - Deutschland sollte seine Beschäftigungspolitiken und Arbeitsmarktpraktiken reformieren, um zu ermöglichen, dass ältere Menschen, die dies wünschen, länger im Erwerbsleben bleiben können, so ein neuer OECD-Bericht.

 Heutzutage scheiden viele ältere Deutsche weit vor dem gesetzlichen Rentenalter von 65 Jahren aus dem Arbeitsmarkt aus. Dies hat zur Konsequenz, dass nur zwei von fünf Menschen zwischen 55 und 64 Jahren erwerbstätig sind; eine Quote, die weit unter dem Durchschnitt der meisten anderen OECD Ländern liegt. Im Vergleich dazu sind in Großbritannien und den USA in derselben Altersgruppe drei von fünf Menschen erwerbstätig, in Schweden beträgt der Anteil 70% .

 Wenn sich die Situation nicht ändert, könnte Deutschland mit einer Abnahme der Erwerbsbevölkerung, einem geringeren Wirtschaftswachstum und einer Verschlechterung der öffentlichen Finanzen konfrontiert werden, warnt der OECD-Bericht. Dieses Problem gilt insbesondere für die neuen Bundesländer, wo die Geburtenrate niedriger ist und viele ausgebildete junge Arbeitskräfte aufgrund besserer Berufsmöglichkeiten in den Westen Deutschlands auswandern.

 Im Rahmen ihrer Länderberichte zu Alterung und Beschäftigungspolitik weist der OECD-Bericht über Deutschland auf Beschäftigungshindernisse für ältere Arbeitnehmer hin und spricht Politikempfehlungen für Maßnahmen zu deren Überwindung aus, die sich an die Bundesregierung, die Arbeitgeber, die Gewerkschaften und auch die älteren Arbeitskräfte selbst richten.

 In den letzten Jahren wurden zahlreiche Reformen eingeleitet, um ältere Arbeitnehmer dazu zu bewegen, länger im Erwerbsleben zu verbleiben. Es ist jedoch notwendig, dass die neue Bundesregierung diesen Reformkurs beibehält. Die OECD empfiehlt Deutschland insbesondere:

  • Das Rentenalter an die steigende Lebenserwartung anzupassen. Die OECD begrüsst zwar die Pläne der zukünftigen Bundesregierung, das Rentenalter auf 67 Jahre anzuheben; Maßnahmen könnten jedoch noch vor 2008, wie es zur Zeit geplant ist, notwendig werden.
  • Die Verpflichtung zur Arbeitssuche auf alle Arbeitslose auszudehnen, unabhängig vom Alter. Frühverrentungsanreize oder andere Möglichkeiten, frühzeitig aus dem Arbeitsmarkt auszuscheiden, wie z.B. Erwerbsminderungsrenten oder Arbeitslosengeldansprüche kombiniert mit einer Befreiung von der Verpflichtung zur Arbeitssuche, sollten abgebaut werden. Die Fristen für den schrittweisen Abbau der Frühverrentungsregelungen aufgrund Langzeitsarbeitslosigkeit sollten gekürzt werden. Jeder, der als arbeitslos registriert ist, sollte auch dazu verpflichtet sein, eine Arbeit zu suchen.
  • Die Beschäftigungsfähigkeit älterer Arbeitnehmer zu verbessern. Weiterbildungsmaßnahmen für ältere Arbeitnehmer, speziell für diejenigen mit niedriger und mittlerer Qualifikation, werden dringend benötigt, um denen, die ihren Arbeitsplatz verloren haben, zu helfen, eine neue Anstellung zu finden.

Journalisten, die ein Exemplar des Länderberichts beziehen möchten, wenden sich bitte an news.contact@oecd.org.
Wegen weiterer Informationen können sich Journalisten an den Autor des Berichts, Christopher Prinz (33-1 45 24 94 83), oder den Leiter der zuständigen Abteilung für die thematischen Berichte zu Alterung und Beschäftigungspolitik, Mark Keese (33-1 45 24 87 94), wenden.

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