Leichter Anstieg der Steuer- und Abgabenlast auf unselbständige Erwerbseinkommen in den OECD-Ländern im Jahr 2004

09/03/2005 - Der Steuer- und Abgabekeil auf Arbeitnehmereinkommen - d.h. die Differenz zwischen der Summe aus vom Arbeitgeber bezahltem Lohn und Sozialbeiträgen, und dem, was dem Arbeitnehmer nach Steuer- und Sozialabgaben übrig bleibt - ist 2004 in mehr als der Hälfte der 30 OECD-Länder angestiegen. Gemäß der neuesten Ausgabe des OECD Jahresberichts Taxing Wages hat der Anteil der gesamten Lohnkosten, der von Steuern und Sozialversicherungsabgaben - nach Abzug von Zulagen wie Familienbeihilfen und ähnliche Transferleistungen - verschlungen wird, in der Mehrzahl der OECD-Länder eher zu- als abgenommen.

Der so genannte Abgabenkeil für einen durchschnittlich verdienenden Industriearbeiter (Single/ohne Kinder) verzeichnete 2004 in 18 Ländern einen Anstieg, während er in 11 Ländern zurückging und in einem Land unverändert blieb (siehe Tabelle 1). Für einen Alleinerzieher mit zwei Kindern, der um ein Drittel weniger als der Durchschnitt verdient, war der Abgabenkeil in 15 Ländern höher, in 12 Ländern niedriger und in drei Ländern unverändert. Für eine Familie mit zwei Kindern (Alleinverdiener mit Durchschnittseinkommen) stieg die Steuer- und Abgabenbelastung in 17 Ländern, während sie in 12 Ländern zurückging und in einem Land unverändert blieb.

Obwohl die Abweichungen in den meisten Fällen lediglich den Bruchteil eines Prozentpunktes ausmachten, betrug der Anstieg des Abgabenkeils auf OECD weiter Basis im Endeffekt zwischen 0,1 und 0,3 Prozentpunkte, je nach Familienstatus. Der Abgabenkeil bezeichnet den Anteil der gesamten Lohnkosten, der vom Staat in Form der Einkommensteuer sowie der Arbeitgeber- und Arbeitnehmersozialversicherungsbeiträge erhoben wird, abzüglich der an den Arbeitnehmer geleisteten Transfers (z.B.: Familienbeihilfe).

Der leichte Anstieg 2004, der dem Trend einer sinkenden Steuer- und Abgabenlast auf unselbständige Einkommen in den zurückliegenden Jahren entgegensteht, ist auf mehrere Ursachen zurückzuführen wie z.B. exorbitante Lohnsteigerungen und das damit verbundene Phänomen der Steuerprogression (heimliche Steuererhöhung), da der Einkommenszuwachs eine höhere Steuerstufe für die Beschäftigten nach sich zieht oder Veränderungen bei der Steuerpolitik. In einer Zeit, in der viele Regierungen die Vermögensbesteuerung und die Besteuerung der Unternehmensgewinne reduzieren, dienen diese Zahlen als Hinweis darauf, dass hohe Steuern den Anreiz für den Einzelnen, mehr zu arbeiten/wieder in den Arbeitsmarkt einzutreten, erheblich dämpft bzw. die Bereitschaft Arbeitgeber, Arbeitsplätze zu schaffen, erheblich beeinträchtigt. Die Daten in der Studie Taxing Wages beleuchten auch die großen Unterschiede in der Steuerpolitik zwischen den einzelnen OECD-Ländern.

In den meisten Ländern genießen verheiratete Arbeitnehmer mit Kindern Steuervorteile gegenüber Singles mit ähnlichen Einkommen; das Ausmaß variiert jedoch beträchtlich. Darüber hinaus zielen die Steuersysteme in einigen Ländern darauf ab, bestimmte Arbeitnehmer mit höheren effektiven Grenzsteuersätzen (jener Anteil des zusätzlichen Einkommens, der an den Staat gezahlt wird) zu belasten, was diese davon abschreckt oder abhält, ihr Einkommen durch mehr Arbeit zu steigern.

Für einen kinderlosen Single mit Durchschnittsverdienst war die Nettosteuerbelastung (Einkommensteuer und Arbeitnehmersozialversicherungsbeitrag abzüglich Zulagen) des Einkommens mit 41,2 % in Dänemark am höchsten, gefolgt von Deutschland und Belgien mit 40,5 %, und am niedrigsten in Mexiko (4,5 %) und Korea (9,3 %) - siehe Tabelle 2. Im Gegensatz dazu betrug die Nettosteuerbelastung für eine Familie mit zwei Kindern (Alleinverdiener mit Durchschnittseinkommen) lediglich 29,4 % in Dänemark, 18,1 % in Deutschland und 16,4 5 in Belgien. In Korea war der Vorteil eines verheirateten Ehepaares in dieser Kategorie bei einer Nettobelastung von 8,4 % allerdings nur marginal, und in Mexiko war er gleich Null.

In Irland und Luxemburg erhielten Familien mit zwei Kindern (Alleinverdiener mit Durchschnittsverdienst) mehr Geld vom Staat in Form von Transferleistungen als sie an Einkommensteuer und Sozialversicherungsbeiträgen entrichten mussten, und in keinem dieser Länder waren höhere effektive Grenzsteuersätze ein Hindernis für solche Familien, mehr zu verdienen (siehe Abbildung 1).

Im Gegensatz dazu waren die nachteiligen Wirkungen höherer effektiver Nettogrenzsteuersätze für Familien mit zwei Kindern (Alleinverdiener mit Durchschnittseinkommen) besonders ausgeprägt im Vereinigten Königreich, Australien, Kanada und den Vereinigten Staaten. Aufgrund der progressiven Ausrichtung von Steuergutschriften und Transferleistungen in diesen Ländern sanken die Steuervergünstigungen, da die Einkommen stiegen, was zu einer Erhöhung der marginalen Belastung eines jeden zusätzlich verdienten Dollars bzw. Pfundes führte.

Der Abgabenkeil für einen durchschnittlich verdienenden unverheirateten Single im Jahr 2004 schwankte von einem Höchstwert von 54,2 % der gesamten Arbeitskosten in Belgien und 50,7 % in Deutschland bis zu einem Niedrigstwert von 15,4 % in Mexiko und 16,6 % in Korea. Das heißt, dass die Kosten der Arbeitgeber für die Einstellung neuer Arbeiter in Deutschland und Belgien mehr als doppelt so hoch sind wie der Nettoverdienst der Arbeitnehmer, während diese Kosten in Mexiko und Kanada weniger als das 1 ¼-fache des Nettoverdienstes ausmachen.

Der Abgabenkeil für einen unterdurchschnittlich verdienenden Alleinerzieher mit zwei Kindern (zwei Drittel des Durchschnittseinkommens) schwankte zwischen 41,8 % in der Türkei (Höchstwert) und - 20,2 % in Irland bzw. -11,2 % im Vereinigten Königreich (Niedrigstwerte). In diesen beiden Ländern überstiegen die Zulagen, die der Alleinerzieher erhielt, die von ihm zu leistende Einkommensteuer und Sozialversicherungsbeiträge. Der größte Anstieg für diesen Familientyp betrug 6,2 Prozentpunkte in Australien; den größten Rückgang verzeichnete Österreich mit 2,0 Prozentpunkte. Für ein verheiratetes Ehepaar mit zwei Kindern (Alleinverdiener mit Durchschnittsverdienst) schwankte die Steuer- und Abgabenbelastung von einem Niedrigstwert von 5,9 % in Irland und 9,3 % in Luxemburg bis zu einem Höchstwert von 42,7 % in der Türkei.

Journalisten können sich eine elektronische Ausgabe der Studie Taxing Wages von der passwortgeschützten OECD Webseite herunterladen oder ein gedrucktes Pressexemplar von der OECD Pressestelle (Tel: + 33 1 4524 97 00) anfordern. Christopher HeadyOECD Zentrum für Steuerpolitik und Analyse  steht Journalisten für weitere Information (Tel: + 33 1 45 24 93 22) zur Verfügung.

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