Transfers an Langzeitarbeitslose in Österreich über dem OECD-Schnitt

Anreize zur Aufnahme niedrig bezahlter Arbeit gering - Besonders Ehepaare sind betroffen


(Berlin/Paris 13. Dezember 2007) Langzeitarbeitslose und deren Familien erhalten in Österreich im Vergleich zu den meisten andern OECD Ländern großzügigere finanzielle Ersatzleistungen. Für kurzzeitig Arbeitslose fallen die Transferzahlungen in Österreich, obwohl sie leicht über denen für Langzeitarbeitslose liegen, im OECD-Vergleich dagegen nur durchschnittlich aus. Dennoch sind in Österreich die Anreize für Kurzzeitarbeitslose vergleichsweise gering, eine schlechter bezahlte Arbeit aufzunehmen. Je nach Haushaltskonstellation haben Arbeitslose sogar weniger Geld in der Tasche, wenn sie schnell einen schlechter bezahlten Job annehmen, als weiter von staatlichen Transfers zu leben. Dies geht aus der Studie "Benefits and Wages 2007", die die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) heute in Paris veröffentlicht hat.

So erhält ein Alleinstehender in Österreich, der zuletzt durchschnittlich verdient hat, nach 5 Jahren Arbeitslosigkeit noch die Hälfte seines letzten Nettoverdienstes als Transferzahlung. Im OECD-Schnitt sind es dagegen nur ein Drittel. Die höchsten Transfers in der OECD erhält mit 59 Prozent des letzten Nettos ein Langzeitarbeitsloser in Dänemark. Die Familie eines verheirateten Durchschnittsverdieners mit zwei Kindern erhält in Österreich nach 5 Jahren Arbeitslosigkeit noch 64 Prozent des letzten Nettos. Im OECD-Schnitt sind es nur 53 Prozent. Auch hier liegen die Transfers mit 77 Prozent des letzen Nettos in Dänemark (bzw. in Finnland) am höchsten.

Obwohl für kurzzeitig Arbeitslose die Unterstützung in Österreich nur durchschnittlich ist, sind die Anreize zur Aufnahme einer schlechter bezahlten Arbeit vergleichsweise gering. So bleiben im OECD-Mittel einem Verheirateten mit 2 Kindern, der zuvor durchschnittlich verdient hat und nach kurzer Arbeitslosigkeit einen Job mit 2/3 des Durchschnittsverdienstes annimmt, nach Abzug von Steuern, Abgaben und entgangenen Transferzahlungen noch 28 Prozent seines neuen Bruttoverdienstes. In Österreich sind es dagegen nur 11 Prozent. Wenn der Ehepartner auch arbeitet, dann bleiben nach Abzug von Steuern, Abgaben und entgangener Transfers nur noch 9 Prozent des neuen Bruttoverdienstes übrig.

Wäre ein verheirateter Durchschnittsverdiener mit zwei Kindern in Österreich bereit, nach Verlust seines Jobs für die Hälfte des alten Lohns zu arbeiten, dann würde er sich finanziell schlechter stellen, als wenn er nicht arbeitet. Innerhalb der OECD sind in dieser Konstellation die Arbeitsanreize nur in Italien, Tschechien und Deutschland vergleichbar gering. "Es kann für Arbeitslose durchaus sinnvoll sein, zunächst schlechter bezahlte Angebote abzulehnen. Allerdings birgt eine zu lange Wartezeit die Gefahr, dass Qualifikationen entwertet werden und der Weg in die Arbeit umso schwerer wird", sagte Michael Förster, Ökonom im OECD-Direktorat für Beschäftigung, Arbeitsmarkt und Sozialpolitik und Mitautor der Studie. "Deshalb ist es wichtig, dass das Steuer- und Transfersystem Anreize zur Arbeitsaufnahme setzt", so Förster.

Dass sich Arbeit auch lohnen kann, ohne dass die soziale Absicherung reduziert wird, zeigt etwa das Beispiel der nordischen Länder aber auch das der Schweiz. Obwohl hier das Arbeitslosengeld wie auch die Unterstützung von Langzeitarbeitslosen vergleichsweise großzügig sind, stellen sich Arbeitslose in jedem Fall besser, wenn sie eine Arbeit aufnehmen. Grund dafür ist, dass in den unteren Einkommensgruppen entweder die Belastung des Faktors Arbeit gering ist oder für Arbeitslose das Einkommen durch Kombilohnmodelle aufgestockt wird.

Den Berechnungen liegt das Durchschnittseinkommen der Vollzeitarbeitnehmer in der Privatwirtschaft aus dem Jahr 2005 zugrunde (Average Worker Income – AW). In Österreich lag dieser Wert bei 35.128 Euro brutto im Jahr.

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