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17/09/2003 - Die Regierungen müssen mehr tun, um die Beschäftigungschancen von Frauen, älteren Arbeitnehmern, behinderten Personen und Geringqualifizierten zu verbessern, fordert die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in ihrem diesjährigen Beschäftigungsausblick. Ohne mehr und bessere Arbeitsplätze für diese Gruppen innerhalb der erwerbsfähigen Bevölkerung, deren Angehörige sich am Rand des Arbeitsmarktes befinden, werden die Wachstumsperspektiven in vielen Ländern gefährdet, da die Bevölkerung altert, warnt die Studie.
Ein höherer Beschäftigungsgrad der erwerbsfähigen Bevölkerung würde die Belastung der öffentlichen Haushalte verringern und zur Reduzierung der soziale Ausgrenzung beitragen, so eine der Schlussfolgerungen der Studie. Die OECD schätzt, dass sich das jährliche Beschäftigungswachstum in den 30 Mitgliedsländern von durchschnittlich 1.3 % in den letzten dreissig Jahren auf 0,3 % in den kommenden dreissig Jahren verringert, wenn zuwenig unternommen wird, um mehr Personen zu einer Beschäftigungsaufnahme zu ermutigen und bestehende Beschäftigungshindernisse abzubauen. In einigen Ländern wie Italien und Japan wird die Beschäftigung schrumpfen.
Analog dazu wird, sollten die gegenwärtigen Trends anhalten, der Anteil der über 65-Jährigen an der erwerbsfähigen Bevölkerung von 27 % im Jahr 2000 auf 47 % im Jahr 2030 ansteigen und damit die Pensionssysteme belasten sowie den Lebensstandard verringern.
Reformen sollten sich daher nicht nur auf die Arbeitslosen konzentrieren - d.h. jene, die Arbeit suchen - sondern auch die viel größere Gruppe der "Nichtbeschäftigten" miteinbeziehen. Der Ausblick definiert diese Personengruppe als Menschen im erwerbsfähigen Alter, die sich vom Arbeitsmarkt zurückgezogen haben, aber an einem Job interessiert wären. Die Frauen repräsentieren eine große Gruppe unter den Nichtbeschäftigten, aber diese umfasst auch eine Reihe anderer Personengruppen wie jene, die von Unterstützungsleistungen abhängen, Vorruheständler, Alleinerziehende und Behinderte.
Ein Schlüsselanreiz für Personen, eine Arbeit aufzunehmen, besteht darin, die Arbeit lohnend zu gestalten. Die Studie bewertet eine Reihe von Anreizsystemen, die von Regierungen entwickelt wurden, um Arbeitslose zur Arbeitsaufnahme zu ermutigen. Finanzielle Anreizsysteme, bei denen Vergünstigungen wie Steuervorteile an die Beschäftigung gekoppelt sind oder solche, bei denen die Arbeitgeber von den Sozialabgaben befreit werden, wenn sie geringqualifizierte Arbeitskräfte einstellen, haben sich als erfolgreich herausgestellt, wenn sie zielgerichtet umgesetzt wurden, so ein Fazit der Studie.
Aber finanzielle Anreize reichen nicht aus. Die Unterstützung von Kinderbetreuungsdiensten, mehr Flexibilität für Arbeitskräfte mit Familie oder die Ausweitung von Teilzeitarbeit könnten wirksame Wege sein, den Zugang zur Beschäftigung insbesondere von Frauen zu ermöglichen. Verbesserte Karriereperspektiven für ältere Arbeitnehmer erfordern allerdings eine Reihe koordinierter Maßnahmen, insbesondere die Beseitigung von Anreizen zur Frühverrentung.
Größere Anstrengungen sind auch erforderlich, um Arbeitslosenunterstützungs- und Sozialhilfeempfänger in Arbeit zu bringen. In den neunziger Jahren fiel die Abhängigkeit von Arbeitslosenhilfe in einigen Länder enorm, was teilweise auf den vermehrten Einsatz von "Aktivierungspolitiken" zurückzuführen war, die die Leistungsempfänger ermutigte, aktiv nach Arbeit zu suchen oder ihre Beschäftigungsfähigkeit durch Weiterbildungsmaßnahmen zu verbessern. Zur gleichen Zeit hat sich aber der Anteil der Empfänger von Einkommensersatzleistungen an der Erwerbsbevölkerung weiter erhöht, insbesondere bei Altersrenten, Invaliditätsrenten, Leistungen für Alleinerziehende und Sozialhilfe. Die Regierungen suchen nun nach Wegen, das Sozialsystem als Ganzes effektiver auf die Beschäftigungsförderung auszurichten.
Eine zentrale Rolle in der Strategie sollte dabei die arbeitsplatzbezogene Aus- und Weiterbildung einnehmen. Manche Arbeitskräfte können, wenn sie eine Beschäftigung finden, in Niedriglohnfallen geraten und durch Trainingsmaßnahmen kann diese Gefahr möglicherweise verringert werden, weil sie den Betreffenden helfen, ihr Produktivitäts- und Verdienstpotenzial effektiv zu realisieren. Wie der Beschäftigungsausblick allerdings feststellt, erhalten die am Arbeitsmarkt unterrepräsentierten Gruppen in der Regel relativ wenig Training.
Die Studie fügt hinzu, dass strukturelle Verbesserungen an den Arbeitsmärkten während des letzten Jahrzehnts in Nordamerika, der Europäischen Union, Australien und Neuseeland zu einem begrenzten Anstieg der Arbeitskosten geführt haben, obwohl die Arbeitslosigkeit wieder im Ansteigen begriffen ist. Trotz der Verschlechterung der Lage auf den Arbeitsmärkten in den OECD Ländern seit 2000/2001 ist der Anstieg der Arbeitslosigkeit bisher weniger ausgeprägt als in früheren konjunkturellen Abschwungphasen. Mit dem Aufschwung, der sich derzeit in den USA abzeichnet, werden die Weichen für eine wirtschaftliche Erholung im gesamten OECD Raum gestellt, sodass sich die Lage auf den Arbeitsmärkten im OECD Raum 2004 verbessern könnte.
Journalisten können sich den OECD Employment Outlook 2003 von der passwortgeschützten OECD Webseite herunterladen. Kontaktstelle für weitere Anfragen und für die Zustellung eines gedruckten Presseexemplars bzw. eines Passwortes: OECD Pressestelle (Tel: 0033145249700). Raymond Torres, OECD Direktorat für Beschäftigung, Arbeitsmarkt und Soziales, steht Journalisten für weitere Informationen (Tel: 0033 1 4524 9153) zur Verfügung.
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