Belastungen auf Arbeitseinkommen sind in den vergangen Jahren entgegen dem OECD-Trend gestiegen

Abzüge für Familien und Alleinerziehende steigen von vergleichsweise niedrigem Niveau besonders stark

(Paris/Berlin – 28. Februar 2007) Die Belastungen der Arbeitskosten und Arbeitseinkommen durch Steuern und Sozialbeiträge sind in Österreich in den vergangenen Jahren entgegen dem OECD-Trend teils deutlich gestiegen. Vor allem für Singles und kinderlose Ehepaare liegt die Belastung deutlich über dem OECD-Schnitt. Betrachtet man die gesamte Steuer- und Abgabenlast auf die Arbeitskosten (einschl. Sozialbeiträge der Arbeitgeber, Kommunalsteuer und Familienlastenausgleichsfonds), dann liegt die Abgabenquote in Österreich etwa 20 Prozent über dem OECD-Mittel. Dies geht aus den jüngsten Berechnungen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zur Steuer- und Abgabenlast hervor, die heute in Paris veröffentlicht wurden.

So blieben 2006 bei einem zum Durchschnittslohn beschäftigten Single von 100 Euro, die dieser seinem Arbeitgeber kostet, nach Abzug von Steuer und Sozialbeiträgen (Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil) noch 51,9 Euro netto übrig (52,7 Euro im Jahr 2000). In der OECD sind nur in Belgien, Deutschland, Ungarn und Frankreich die Gesamtabzüge höher. Im OECD-Mittel blieben der gleichen Personengruppe bei 100 Euro Arbeitskosten 62,5 Euro netto in der Tasche (entspricht 37,5 Prozent Gesamtabgabenquote auf die Arbeitskosten; siehe auch Grafik 1).

Für Alleinstehende ohne Kinder liegen die Abzüge vom Bruttolohn um rund ein Viertel über dem OECD-Schnitt. Für Familien mit Kindern und Alleinerziehende ist der Abstand zum OECD-Mittel kleiner, dafür sind hier die Belastungen in den vergangenen Jahren weit stärker gestiegen (siehe Grafik 2). Für einen verheirateten Durchschnittsverdiener mit zwei Kindern (Partner arbeitet nicht) etwa stiegen die Abzüge vom Bruttolohn zwischen 2000 und 2006 um 3,5 Prozentpunkte auf 18,6 Prozent. Für einen unverheirateten gut verdienenden Arbeitnehmer ohne Kinder (167 Prozent des Durchschnittsgehalts eines Vollzeitindustriearbeiters) stieg die Steuer und Abgabenquote auf das Bruttoentgelt im gleichen Zeitraum dagegen nur um 1,4 Prozentpunkte auf 37,7 Prozent. Für Alleinerziehende mit zwei Kindern und nur zwei Drittel des Durchschnittsgehalts verdreifachte sich die Abgabenlast im gleichen Zeitraum von 1,8 auf 5,4 Prozent.

Die Steuer- und Sozialabgabenlast auf das Bruttoeinkommen berechnet sich aus Einkommenssteuer plus Sozialversicherungsbeiträge des Arbeitnehmers abzüglich Bartransfers (z.B. Kindergeld). Bei der Berechung für die Arbeitskosten werden auch die Sozialversicherungsbeiträge der Arbeitgeber und lohnbezogene Steuerzahlungen berücksichtigt. Pauschale Absetzungen von der Steuer für Werbungskosten oder Sozialversicherungsbeiträge werden ebenfalls berücksichtigt. Nicht enthalten in der Berechnung sind positive oder negative Einkünfte aus anderen Einkunftsarten (Kapital, selbständige Arbeit, Vermietung und Verpachtung etc.), Steuerabschläge, die an bestimmte Voraussetzungen gebunden sind (z.B. für Berufspendler) und Transfers, die ausschließlich für Bezieher geringer Einkommen gezahlt werden (z.B. Wohngeld). Für detaillierte Angaben zu Österreich siehe S. 127ff Taxing Wages.

Als Durchschnittslohn wird der durchschnittliche Jahresbruttoverdienst eines Vollzeitarbeiters in der Industrie herangezogen (Österreich 2006: 36.009 Euro). Ausgedrückt in US-Dollar zu Kaufkraftparitäten (US-Dollar PPP) entspricht das 39.553 US-Dollar PPP. Im OECD-Schnitt lag das durchschnittliche Jahresbrutto bei 32.053 US-Dollar PPP (ungewichtetes Mittel). Quelle: S. 108/109 Taxing Wages.

weitere Informationen zum Bericht

Grafiken

 

Grafik 1 

Grafik 2 

 

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