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Deutschland hat durch umfassende Reformen Rentensystem nachhaltiger gestaltet
Nur mit privater Zusatzvorsorge bleiben Renten im OECD-Vergleich auf Durchschnittsniveau – Altersarmut könnte zur Gefahr werden
(Paris/Berlin – 7. Juni 2007) Deutschland hat in den vergangen Jahren im Vergleich zu den meisten OECD-Ländern umfassende Strukturreformen im Rentensystem beschlossen und so wichtige Fortschritte auf dem Weg zur Nachhaltigkeit des Systems gemacht. Das geht aus der Studie „Renten auf einen Blick“ hervor, die die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) heute in Paris vorgestellt hat.
Die Reformen haben, wie in den meisten OECD-Ländern, in mehreren Stufen stattgefunden. Angesichts der ungünstigen deutschen Alterspyramide und den nach Italien, Österreich, Frankreich, Polen und Griechenland höchsten Aufwendungen für die Alters- und Hinterbliebenenversorgung (11,7 Prozent am BIP im Jahr 2003 – OECD-Schnitt 7,7 Prozent) waren und sind sie in Deutschland von besonderer Dringlichkeit.
So wurde im Zuge der Reformen das künftige Rentenniveau für eine Standarderwerbsbiografie (in Deutschland 45 Beitragsjahre) von 48,7 auf 39,9 Prozent des Bruttoeinkommens gesenkt. Damit hat sich die Bruttoersatzrate der gesetzlichen Rente in Deutschland weiter vom OECD-Durchschnitt entfernt. Im OECD-Mittel würde ein 20-jähriger Durchschnittsverdiener, der heute seine Erwerbsbiografie beginnt, 58,7 Prozent seines Bruttoverdienstes als Rente erhalten.
Der Nachhaltigkeitsfaktor, mit dem die Rentenentwicklung an die Beitragshöhe gekoppelt ist, und der Übergang zur nachgelagerten Besteuerung der Renten dürfen das Niveau der gesetzlichen Rente in Zukunft noch weiter senken. Aufgefangen werden die Kürzungen zum Teil durch die staatlich geförderte private Vorsorge im Rahmen der Riester-Rente. So kann ein Arbeitnehmer, der über seine gesamte Erwerbsbiografie private Vorsorge im Rahmen der Riester-Förderung betreibt, auf eine Rente hoffen, die 56 Prozent seines Bruttoverdienstes entspricht und damit knapp unter der Durchschnittsrente in der OECD liegt. Bei Fehlzeiten in der Riester-Vorsorge von 10 oder 20 Jahren verringert sich die gesamte Bruttoersatzrate allerdings auf 51,4 bzw. auf 47,5 Prozent.
„Deutschland hat mit den Reformen der vergangen Jahre die finanzielle Nachhaltigkeit des Systems deutlich erhöht. Allerdings müssen Arbeitnehmer nun verstärkt privat vorsorgen, um eine ausreichende und im OECD-Vergleich übliche Rente zu erhalten“, sagte Monika Queisser, Rentenexpertin bei der OECD und Co-Autorin der Studie. Deutschland ist zudem eines der ersten Länder innerhalb der OECD, das eine Erhöhung des Rentenalters auf über 65 Jahre beschlossen hat. „Dieser Schritt ist ebenso notwendig wie die Anpassungen bei der Rentenhöhe“, so Queisser. „Ein höheres Rentenalter verringert den Druck in Zukunft weitere Anpassungen bei der Rentenhöhe vorzunehmen. Allerdings müssen die Unternehmen älteren Arbeitnehmern dann auch die Möglichkeit bieten, länger am Erwerbsleben teilzunehmen.“
Im Gegensatz zu den meisten OECD-Ländern sind die Leistungen aus der Gesetzlichen Rente in Deutschland linear an das Einkommen gekoppelt. Auch die Rentenanpassungen wurden linear vorgenommen. Dies hat zur Folge, dass für Geringverdiener der Abstand zwischen den Leistungen in Deutschland und dem OECD-Schnitt besonders groß ist. Deutschland liegt innerhalb der OECD hier an letzter Stelle. Für Arbeitnehmer mit höheren Einkommen liegen die Zielrenten dagegen näher am OECD-Schnitt. „Deutschland sollte der Rentenentwicklung für Geringverdiener besondere Aufmerksamkeit schenken und einem Anstieg der Altersarmut vorbeugen“, so Queisser.
Die Rentenhöhe für die Standarderwerbsbiografie wurde für einen Arbeitnehmer berechnet, der im Jahr 2004 als 20-jährigen zu arbeiten beginnt, über sein gesamtes Erwerbsleben ein durchschnittliches Einkommen erzielt und zum im jeweiligen Land gültigen gesetzlichen Rentenalter in Rente geht. Grundlage für die Berechnungen waren in der Regel die im Jahr 2004 gültigen Bestimmungen für die Rentenversicherung. Bei der Berechnung der Ersatzraten werden alle verpflichtenden Rentensysteme für Arbeitnehmer im Privatsektor berücksichtigt, unabhängig davon ob sie privat oder staatlich organisiert sind. Für die Umrechnung der Ansprüche aus Defined Contribution Systemen werden eine Reihe von allgemein anerkannten Annahmen getroffen. Unter anderem wird eine reale Verzinsung der Beiträge von 3,5 Prozent p.a. unterstellt. Das den Berechnungen zugrunde liegende Durchschnittseinkommen für Deutschland war 41.046 Euro im Jahr (2004).
Bei Fragen oder Interviewwünschen wenden Sie sich bitte an Matthias Rumpf im OECD Berlin Centre (Tel.: +49 (30) 28 88 35 41 oder Matthias.Rumpf@oecd.org) oder direkt an die OECD-Experten Monika Queisser (Monika.Queisser@oecd.org oder Tel.: +33-1-45 24 96 34) oder Edward Whitehouse (Edward.Whitehouse@oecd.org oder Tel.: +33-1-45 24 80 79). Journalisten können über das OECD Berlin Centre ein Presseexemplar dieser Studie als PDF-Datei beziehen. Anfragen an das Berlin Centre richten Sie bitte an berlin.centre@oecd.org.
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