In Zeiten volatiler Ölpreise plädiert die OECD für Politikänderungen zur Förderung der Biomasse

06/09/2004 - Pflanzen und Dung könnten sich bezüglich der Bereitstellung von Energie und Materialien zu echte Alternativen gegenüber den fossilen Brennstoffen entwickeln, wenn die Regierungen ihre Strategien ändern würden, so das Fazit eines neuen OECD-Berichts, der heute vorgestellt wurde.

Statt finanzieller Anreize oder Subventionen zur Stimulierung der Nutzung dieses organischen Materials, besser bekannt als Biomasse, sollten die Regierungen technologische Innovationen fördern, um die Preislücke zwischen der Biomasse und den Öl- und Gasprodukten zu schließen. Dies würde die Nachfrage stimulieren und das Angebot von Bioprodukten drastisch erhöhen. Die jüngste Volatilität der Ölpreise unterstreicht in der Tat die potenziell höhere Wettbewerbsfähigkeit von Energie und Materialien, die aus Biomasse hergestellt werden.

Der Bericht stellt fest, dass finanzielle Anreize für Bioprodukte, die gegenwärtig in vielen Ländern gegeben werden, vermieden werden sollten, da sie die Märkte verzerren und zu einer Langzeitabhängigkeit von Subventionen führen. Die Landwirtschaft steht ingesamt unter Druck, das Unterstützungsniveau zu reduzieren, marktwirtschaftliche Konzepte einzuführen und sorgfältig abgestimmte Politiken umzusetzen. In ähnlichem Sinne argumentiert der Bericht gegen Subventionen, die die Nutzung fossiler Brennstoffe begünstigen.

Laut dem Bericht sollten Lanzeitstrategien entwickelt werden, die das Potenzial lokaler Ressourcen einbeziehen und die Errichtung von Bioraffinerien fördern, um eine Reihe von landwirtschaftlichen Nebenprodukten zusätzlich zur Nutzung von Getreide, Ölsaaten und Zucker wiederzuverwerten. Solche Komplexe wären in der Lage, Energie wie Rohstoffe zu produzieren, die nicht nur aus Jahresfrüchten, sondern auch aus Gras, Stroh, Sträuchern und anderen Nebenprodukten gewonnen werden.

Der Bericht Biomass and Agriculture: Sustainability, Markets and Policies der eine Reihe von Papieren umfasst, die von internationalen Experten auf einer Fachtagung präsen-tiert wurden, argumentiert, dass eine beträchtliche Verschiebung in diesem Jahrhundert von der auf fossilen Brennstoffen beruhenden auf eine auf Biomasse basierende Volkswirtschaft stattfinden könnte. Um diesen Prozess zu unterstützen, schlägt der Bericht vor, Karbonmärkte zu schaffen, die den Biomasseproduzenten für den Ersatz fossiler Brennstoffe Gutschriften gewähren würden.

Der Bericht enthüllt auch, dass:

  • die Preise von einigen Nischenbioproduktmärkten wie z.B. Kunststoff, das aus kultivierten Feldfrüchten gewonnen wird, bereits wettbewerbsfähig sind gegenüber bestimmten Kunststoffen, die auf Öl basieren. So nutzt z.B. die Automobilindustrie vermehrt Biokunststoff.
  • ungefähr 7 % der Wärmeerzeugung und 1 % der gesamten Elektrizität in den OECD-Ländern aus landwirtschaftlicher Bioenergie gewonnen werden. Schätzungen zufolge entfallen 25 % der gesamten Energie in Entwicklungsländern auf Biomasse, hauptsächlich in Form von tierischen Dung und Brennholz.
  • weil Bioäthanol, das aus Zucker und Getreide gewonnen wird, bei den derzeitigen Maschinen mit nur geringen Modifikationen genutzt werden kann, ist es einfacher einzusetzen als andere alternative Transportkraftstoffe wie z.B. Wasserstoff.

Der Bericht plädiert für internationale Standards und Anwendungscodes, die für Biomasseprodukte festgelegt werden, um sicherzustellen, das Treibhausgasemissionen reduziert und die Vorteile für die Umwelt maximiert werden. Eine bessere Einschätzung der Kosten/Nutzen, die ökonomische, ökologische und soziale Gesichtspunkte mit einbezieht, ist daher dringend erforderlich. Der Bericht macht auch deutlich, dass klare Kommunikationsverbindungen zwischen den Anbietern, den Verarbeitern und potenziellen Nutzern eingerichtet werden sollten. Darüber hinaus sollten öffentliche Aufklärungskampagnen über den Biomassesektor durchgeführt werden.

Journalisten können ein Presseexemplar von der OECD Pressestelle (Tel: 0033 1 4524 9700) anfordern. Weitere Informationen dazu siehe OECD Webseite: www.oecd.org/agr/env
oder die eigens dafür eingerichtete Biomass and Agriculture website oder Kevin Parris, OECD Abteilung für Landwirtschaft, Ernährung und Fischerei (Tel: 0033 1 4524 9568).

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