Bildung lohnt sich, gerade auch in der Krise

Tertiäre Ausbildung nimmt in der Schweiz weiter zu – Hohe Renditen durch Einkommensvorteile

 

(Berlin/Paris – 8. September 2009) Der durch die Wirtschaftskrise zu erwartende Anstieg der Arbeitslosigkeit wird in den kommenden Jahren auch die Jobaussichten für junge Menschen verschlechtern. Umso mehr lohnt es sich für Schulabgänger, sich in dieser Zeit durch die Aufnahme eines Studiums weiter zu qualifizieren. Auf diese Entwicklung sollten die OECD-Länder vorbereitet sein und sie in ihrer Bildungsplanung berücksichtigen. Zu diesem Ergebnis kommt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in der diesjährigen Ausgabe der Studie "Bildung auf einen Blick", die heute in Berlin vorgestellt wurde.

 

"Wenn die Schweiz gestärkt aus dieser Wirtschaftskrise hervorgehen will, dann ist jetzt der Zeitpunkt, in Bildung und höhere Qualifikation zu investieren", sagte die OECD-Direktorin für Bildung, Barbara Ischinger, bei der Präsentation der Studie. „Dies gilt für die Erstqualifikation wie auch für die Weiterbildung.“

 

Schon vor dieser tiefsten Rezession der Nachkriegszeit wiesen ein wachsender Einkommensvorsprung sowie eine deutlich niedrigere Arbeitslosigkeit für Erwerbstätige mit tertiärer Ausbildung darauf hin, dass der Bedarf der Wirtschaft an Hochqualifizierten durch das schweizerische Bildungssystem nicht ausreichend gedeckt wird. Der Einkommensvorteil für Inhaber von tertiären Abschlüssen gegenüber einer Berufsausbildung lag 2007 in der Schweiz bei 59 Prozent und hat sich in den vergangenen Jahren kaum verändert. Im OECD-Vergleich ist das ein durchschnittlicher Gehaltsaufschlag für die höhere Qualifikation.


Jenseits wirtschaftlicher Renditen haben Investitionen in Bildung auch hohe soziale Erträge. Menschen mit einem höheren Bildungsabschluss sind im Schnitt politisch interessierter, gesünder und vertrauen eher ihren Mitmenschen als es Menschen mit mittlerer Qualifikation tun. "Diese hohen finanziellen und sozialen Renditen sollten ein starker Anreiz sein, mehr in tertiäre Bildung zu investieren, seien diese Investitionen privat oder öffentlich", so Ischinger.


Wie in fast allen anderen OECD-Ländern ist auch in der Schweiz in den vergangen Jahren der Anteil der Hochqualifizierten kontinuierlich gestiegen. So schlossen 2007 in der Schweiz 31 Prozent eines Jahrgangs ein Hoch- oder Fachhochschulstudium ab, 1995 waren es nur neun Prozent. In den OECD-Ländern, für die die Daten für beide Zeitpunkte vorliegen, stieg die Absolventenquote von 18 auf 36 Prozent.

 

Der Anteil der Studienanfänger an Hoch- und Fachhochschulen ist 2007 mit 39 Prozent eines Jahrgangs weiter leicht gestiegen, blieb aber im OECD-Vergleich auf eher niedrigem Niveau. Nach der Türkei, Belgien, Mexiko und Deutschland ist das der geringste Wert in der OECD. Gleichzeitig weisen Belgien und die Türkei deutlich höhere Studienanfängerquoten in der höheren beruflichen Bildung auf als die Schweiz. Im OECD-Mittel lag die Studienanfängerquote an Hoch- und Fachhochschulen bei 56 Prozent. Die Abbrecherquote lag 2005 in der Schweiz bei 30 Prozent und damit ungefähr im OECD-Mittel.

 

Gerade die Wirtschaftskrise und der sich abzeichnende Strukturwandel sollte zum Anlass genommen werden, Weiterbildung und lebenslanges Lernen stärker in den Fokus der politischen Debatte zu stellen. Nur so kann Beschäftigung für ältere Arbeitnehmer auf Dauer gesichert werden. EAG 2009 bietet hier keinen umfassenden Überblick über all Weiterbildungsformen. Daten zur Teilnahme Älterer an der formalen tertiären Ausbildung offenbaren jedoch große Unterschiede zwischen den OECD-Ländern. Während in Australien, Finnland oder Schweden 13 Prozent und mehr der 30 bis 39-Jährigen für ein Vollzeit- oder Teilzeitstudium eingeschrieben sind, sind es in der Schweiz nur 3,8 Prozent. Im OECD-Mittel studieren 5,9 Prozent dieser Altersgruppe. Bei den über 40-Jährigen liegt die Studienteilnahme in der Schweiz bei 0,4 Prozent, Länder wie Belgien, Finnland oder Australien erreichen hier noch Quoten zwischen drei und sechs Prozent. (Tabelle C1.1)

 

 

Der Anteil der Bildungsausgaben an der Wirtschaftsleistung lag 2006 mit 5,9 Prozent etwas niedriger, als die OECD-Länder insgesamt an ihrer Wirtschaftsleistung für Bildung ausgeben (6,1 Prozent). Die Ausgaben pro Schüler bzw. Student liegen aber in der Schweiz deutlich über dem OECD-Schnitt. Sowohl in der Sekundarstufe als auch im Tertiärbereich sind die Ausgaben pro Schüler bzw. Student die zweithöchsten in der OECD (nach Luxemburg bzw. den USA).

 

Mit einem Anteil von 19,3 Prozent war die Schweiz 2007 im OECD-Vergleich eine beliebte Destination für internationale Studenten. Nur in Neuseeland, Australien und Großbritannien lag der Anteil der ausländischen Studierenden höher. Allerdings ist in der Schweiz der Anteil ausländischer Studierender von 2000 bis 2007 lediglich um gut die Hälfte gewachsen. Im OECD-Schnitt hat sich der Anteil der ausländischen Studierenden im gleichen Zeitraum hingegen mehr als verdoppelt.

 

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