Belastungen auf Arbeitseinkommen sind in Österreich in den vergangen Jahren entgegen dem OECD-Trend gestiegen

Abzüge für Familien und Alleinerziehende steigen von vergleichsweise niedrigem Niveau besonders stark

(Paris/Berlin - 11. März 2008) Die Belastungen der Arbeitseinkommen durch Steuern und Sozialbeiträge sind in Österreich 2007 das dritte Jahr in Folge gestiegen, während im OECD-Mittel für die meisten Haushaltstypen leichte Entlastungen verbucht wurden. In allen untersuchten Haushaltstypen lag in Österreich im vergangenen Jahr die Abgabenlast höher als im Jahr 2000. Besonders deutlich war die Steigerung bei Gering- und Durchschnittsverdienern. Dies geht aus den jüngsten Berechnungen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zur Steuer- und Abgabenlast hervor, die heute in Paris veröffentlicht wurden.

So blieben 2007 laut der Studie Taxing Wages 2007 bei einem zum Durchschnittslohn beschäftigten Single von 100 Euro, die dieser seinem Arbeitgeber kostet, nach Abzug von Steuer und Sozialbeiträgen (Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil) noch 51,5 Euro netto übrig (52,7 Euro im Jahr 2000). In der OECD sind nur in Belgien, Ungarn, Deutschland und Frankreich die Gesamtabzüge höher. Im OECD-Mittel blieben der gleichen Personengruppe bei 100 Euro Arbeitskosten 62,3 Euro netto in der Tasche (entspricht 37,7 Prozent Gesamtabgabenquote auf die Arbeitskosten).

Für Alleinstehende ohne Kinder liegen die Abzüge vom Bruttolohn um rund ein Viertel über dem OECD-Schnitt. Für Familien mit Kindern und Alleinerziehende ist der Abstand zum OECD-Mittel kleiner, dafür sind hier die Belastungen in den vergangenen Jahren weit stärker gestiegen. Für einen verheirateten Durchschnittsverdiener mit zwei Kindern (Partner arbeitet nicht) etwa stiegen die Steuern und Sozialabgaben zwischen 2000 und 2007 um 2,7 Prozentpunkte auf 37,9 Prozent der Arbeitskosten. Für einen unverheirateten gut verdienenden Arbeitnehmer ohne Kinder (167 Prozent des Durchschnittsgehalts) stieg die Steuer und Abgabenquote im gleichen Zeitraum dagegen nur um 0,4 Prozentpunkte auf 50,8 Prozent.

Für Alleinerziehende (2 Kindern und 2/3 des Durchschnittsgehalts) erhöhte sich die Abgabenlast im gleichen Zeitraum von 25,1 auf 28,1. Dieser Sprung kommt zustande, obwohl die Steuer- und Abgabenpolitik für diese Personengruppe die größten Entlastungen vorgesehen hatte. Grund dafür ist einerseite die sogenannte kalte Progression, die die Steuerlast in einem progressiven Steuersystem schon allein dadurch steigen lässt, dass sich die Nominallöhne erhöhen, aber auch die Tatsache, dass Zuschüsse an Alleinerziehende nicht an die Lohnentwicklung angepasst wurden. So beliefen sich die Zulagen für Alleinerziehende im Jahr 2000 auf 11,6 Prozent des Durchschnittslohns. Im Jahr 2006 stand der gleiche Betrag nur noch für 7,4 Prozent des jetzt höheren Durchschnittslohns.

Im Vergleich zu den meisten anderen Ländern mit einer hohen Steuer- und Abgabenlast fallen in Österreich die Abzüge für höhere Einkommen moderat aus. Grund dafür sind die Beitragsbemessungsgrenzen für die Sozialabgaben. Anders es als das progressive Steuersystem vermuten lässt, nimmt die Gesamtbelastung ab einem bestimmten Einkommen deshalb wieder ab. Wer mehr als das Doppelte des Durchschnittslohns verdient hat somit anteilig die gleichen Abgaben wie ein Durchschnittsverdiener.

Die Steuer- und Sozialabgabenlast auf das Bruttoeinkommen berechnet sich aus Einkommenssteuer plus Sozialversicherungsbeiträge des Arbeitnehmers abzüglich Bartransfers (z.B. Kindergeld). Bei der Berechung für die Arbeitskosten werden auch die Sozialversicherungsbeiträge der Arbeitgeber und lohnbezogene Steuerzahlungen berücksichtigt. Pauschale Absetzungen von der Steuer für Werbungskosten oder Sozialversicherungsbeiträge werden ebenfalls berücksichtigt. Nicht enthalten in der Berechnung sind positive oder negative Einkünfte aus anderen Einkunftsarten (Kapital, selbständige Arbeit, Vermietung und Verpachtung etc.), Steuerabschläge, die an bestimmte Voraussetzungen gebunden sind (z.B. für Berufspendler) und Transfers, die ausschließlich für Bezieher geringer Einkommen gezahlt werden (z.B. Wohngeld). Für detaillierte Angaben zu Österreich siehe S. 149ff Taxing Wages.

Als Durchschnittslohn wird der durchschnittliche Jahresbruttoverdienst eines Vollzeitarbeiters in der Industrie herangezogen (Österreich 2007: 37.644 Euro). Ausgedrückt in US-Dollar zu Kaufkraftparitäten (US-Dollar PPP) entspricht das 43.856 US-Dollar PPP. Im OECD-Schnitt lag das durchschnittliche Jahresbrutto bei 34.033 US-Dollar PPP (ungewichtetes Mittel). Siehe auch S. 130/131 Taxing Wages.

 

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