|
Migranten durch die Wirtschaftskrise besonders stark betroffen – Demografischer Wandel erfordert eine langfristige Migrationsstrategie
(Berlin/Paris – 30. Juni 2009) Angesichts der Wirtschaftskrise dürften die OECD-Länder zum ersten Mal seit den 1980er Jahren einen deutlichen Rückgang der Arbeitsmigration verbuchen. In Irland, Spanien oder Großbritannien ist diese Entwicklung bereits in vollem Gange. Gleichzeitig sind Migranten und ihre Familien in den OECD-Ländern besonders stark von der Krise betroffen. Das geht aus dem Internationalen Migrationsausblick der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hervor, der am Dienstag in Paris vorgestellt wurde.
Migrantinnen und Migranten sind häufig die ersten, die bei einem Anstieg der Arbeitslosigkeit ihren Job verlieren. So hat sich etwa in Irland oder Spanien die Arbeitslosenquote bei Zuwanderern seit Beginn der Krise fast verdoppelt. In Spanien lag im ersten Quartal 2009 bei Zuwanderern die Arbeitslosenquote bei 27,1 Prozent. Die Arbeitslosenquote der übrigen Bevölkerung lag im gleichen Zeitraum dagegen bei 15,2 Prozent.

In Deutschland gehörten Migranten schon vor der Krise zu den benachteiligten Gruppen. So lag die Arbeitslosenquote für Migranten im Jahr 2007 knapp doppelt so hoch wie bei im Inland geborenen. In Österreich und der Schweiz ist die Arbeitslosenquote bei Migranten aktuell sogar mehr als doppelt so hoch. So lag in Österreich im ersten Quartal 2009 die Arbeitslosenquote unter den Migranten bei 10 Prozent, unter im Land geborenen Personen dagegen nur bei 3,7 Prozent.

Hintergrund ist, dass Migranten häufig in Branchen arbeiten, die besonders stark von der Krise betroffen sind, wie etwa in der Bauwirtschaft, im Tourismus oder im Gastgewerbe. Außerdem sind sie häufig in unsicheren Arbeitsverhältnissen und Jobs mit geringen Qualifikationen beschäftigt. „Politiker sollten angesichts dieser Herausforderungen die Arbeitsmarktintegration von Migranten zu einer Priorität machen", sagte OECD-Generalsekretär Angel Gurría bei der Präsentation der Studie.
Die Auswirkungen der Krise und eine restriktivere Migrationspolitik haben in den OECD-Ländern auch zu einem Rückgang der Zahl der Arbeitsmigranten geführt. Zum ersten Mal seit langer Zeit wurde etwa in den USA das Kontingent für temporäre Arbeitsvisa nicht ausgeschöpft. In Australien ging die Zahl der qualifizierten Migranten in den ersten vier Monaten dieses Jahres um mehr als 25 Prozent zurück. In Großbritannien und Irland ist die Zuwanderung aus den neuen EU-Staaten um mehr als die Hälfte eingebrochen.
Tschechien, Japan und Spanien versuchen bereits durch spezielle Angebote, Migranten zur Rückkehr in ihre Herkunftsländer zu bewegen. Erfahrungen aus der Vergangenheit zeigen jedoch, dass solche Programme meist nur geringe Wirkung zeigen. Die OECD warnt davor, angesichts der Krise die langfristigen Herausforderungen durch den demografischen Wandel nicht aus den Augen zu verlieren.
"Migration funktioniert nicht wie der Wasserhahn, der sich nach Belieben auf und zudrehen lässt", sagte Gurría. Vielmehr sei eine Zuwanderungspolitik erforderlich, die den kurzfristigen konjunkturellen Bedingungen Rechnung trägt, ohne die strukturellen Bedürfnisse auszublenden. In der Studie schlägt die OECD deshalb ein Bündel von Maßnahmen vor, um Arbeitsmigration an den langfristigen Bedarf anzupassen und gleichzeitig irreguläre Migration und illegale Beschäftigung in legale Kanäle zu überführen. Gleichzeitig fordert die Studie mehr Anstrengungen, um die Arbeitsmarktintegration von Migranten und ihrer Kinder zu verbessern.
"Wir brauchen eine bedarfsgerechte, faire und effektive Migrations- und Integrationspolitik, die sowohl in wirtschaftliche guten wie in wirtschaftlich schlechten Zeiten funktioniert ", so der OECD-Generalsekretär. "Gleichzeitig müssen wir sicherstellen, dass sowohl die Herkunfts- wie auch die Zielländer von Migration profitieren. Dazu bedarf es auch einer verantwortlichen Rekrutierungspolitik, mit der ein "Brain Drain" aus den Herkunftsländern vermieden wird."
Zur Hauptseite "Internationaler Migrationsausblick"
|