2003 sanken die ausländischen Direktinvestitionen in den OECD Ländern zum dritten Mal in Folge

28/07/2004 - Laut den neuesten Schätzungen der OECD sind die ausländischen Direktinvestitionen in den OECD-Ländern von 535 Milliarden Dollar im Jahr 2002 auf 384 Milliarden Dollar im Jahr 2003 gesunken. Das entspricht einem Rückgang von 28 %. Im Jahr 2001 flossen insgesamt 662 Milliarden Dollar an Direktinvestitionen in die OECD-Länder. Im Vergleich zum Rekordjahr 2000 (1,3 Billionen Dollar) verringerten sich die ausländischen Direktinvestitionen in den OECD-Ländern sogar um 70 Prozent.

Der laue Konjunkturaufschwung der Weltwirtschaft, Befürchtungen bezüglich der internationalen Sicherheit und die Präferenz seitens vieler Unternehmen, keine neuen Unternehmen zu erwerben sondern eher bestehende Akquisitionen zu konsolidieren, trugen zum Rückgang bei den ausländischen Direktinvestitionen bei, so eine der Kernaussagen des soeben veröffentlichten OECD Berichts Trends and Recent Developments in Foreign Direct Investment. Ausländische Direktinvestitionen umfassen z.B. Fusionen und Übernahmen, den Bau von Produktionsanlagen sowie Kapitaltransfers an im ausländischen Besitz befindliche Unternehmen.

Im Gegensatz dazu verzeichneten die aus den OECD-Ländern abfließenden Direktinvestitionen mit einem Plus von 9 Milliarden Dollar im Jahr 2003 einen leichten Aufwärtstrend. Aus den OECD-Ländern flossen 2003 Direktinvestitionen in Höhe von 576 Milliarden Dollar ab, verglichen mit 567 Milliarden Dollar im Jahr 2002, 662 Milliarden Dollar in 2001 und 1,2 Billionen Dollar im Spitzenjahr 2000. Daraus resultiert, dass die 30 OECD-Länder 2003 den Rekordwert von 192 Milliarden Dollar in den Entwicklungs- und Schwellenländern investiert haben. Das ist mehr als sechsmal so viel wie im Jahr 2002, als der Nettoabfluss an Direktinvestitionen aus den OECD-Ländern in Nicht-OECD-Länder 31,7 Milliarden Dollar betrug. (Der Nettoabfluss an Direktinvestitionen zwischen den OECD-Ländern und dem Rest der Welt ermittelt sich aus der Differenz zwischen den einfließenden und den ausfließenden Direktinvestitionen).

China, das aus OECD- und Nicht-OECD-Ländern 2003 insgesamt 53 Milliarden Dollar an ausländischen Direktinvestitionen ins Land holte, zog damit erstmals an den USA, dem bis dahin größten Empfängerland von Direktinvestitionen, vorbei. Vor allem die Größe der Binnenmärkte in den großen aufstrebenden Volkswirtschaften, insbesondere China, sei es, die ausländische Unternehmen anziehe, so der OECD-Bericht. Dies steht im Kontrast zu früheren Jahrzehnten, als Unternehmen aus OECD-Ländern vorwiegend aus finanziellen Gründen - niedrige Lohn- und Produktionskosten - in Entwicklungsländern investierten.

Indien erhielt 2003 aus den OECD-Ländern ausländische Direktinvestitionen in Höhe von 4 Milliarden Dollar; lediglich 1 Milliarde Dollar flossen nach Russland, das ist der niedrigste Betrag seit Mitte der neunziger Jahre. Die Auslandsinvestoren in Russland engagierten sich vor allem im Energiesektor. Russland könnte allerdings mehr Direktinvestitionen anziehen, wenn es die erforderlichen Regulierungsreformen in anderen Sektoren der Wirtschaft durchführen würde.

Die USA haben den größten Einbruch bei den ausländischen Direktinvestitionen hinnehmen müssen, allerdings waren auch andere große OECD-Länder wie Kanada, Deutschland und Großbritannien davon betroffen. In den Vereinigten Staaten fielen die ausländischen Direktinvestitionen 2003 auf 40 Milliarden Dollar, von 72 Milliarden Dollar im Jahr 2002 und 167 Milliarden Dollar im Jahr 2001. Dies ist das zweite Jahr in Folge, dass die USA zu einem Nettoexporteur von ausländischen Direktinvestitionen geworden sind - amerikanischen Unternehmen investierten mehr im Ausland als ausländische Unternehmen in den USA.

In Europa fielen die ausländischen Direktinvestitionen um 23 Prozent, was sich allerdings in den verschiedenen Ländern unterschiedlich auswirkte:

  • Frankreich konnte mit 47 Milliarden Dollar die meisten ausländischen Direktinvestitionen ins Land holen, zwar etwas weniger als 2002, aber rund dreimal mehr als Deutschland und das Vereinigte Königreich. Frankreich zog große Beträge von "konventionellen" ausländischen Direktinvestitionen (im Gegensatz zur so genannten "Neuen Wirtschaft") an, was zum Teil darauf zurückzuführen ist, dass der Erwerb von Unternehmen in Frankreich für Auslandsinvestoren leichter ist als in den meisten anderen europäischen Ländern.
  • Die ausländischen Direktinvestitionen in Deutschland gingen von 45 Milliarden Dollar 2002 auf 12 Milliarden Dollar im Jahr 2003 zurück.
  • Im Vereinigten Königreich fielen die ausländischen Direktinvestitionen von 27,8 Milliarden Dollar im Jahr 2002 auf 14,6 Milliarden im Jahr 2003 - ein Rückgang von fast 50 Prozent.
  • Einen erheblichen Rückgang bei den ausländischen Direktinvestitionen gab es auch in Mitteleuropa. In der Slowakischen Republik gingen die ausländischen Direktinvestitionen um 85 Prozent zurück - von 4,1 Milliarden Dollar 2002 auf 0,6 Milliarden Dollar 2003. In der Tschechischen Republik sanken die ausländischen Direktinvestitionen um 70 Prozent - von 8,5 Milliarden Dollar 2002 auf 2,6 Milliarden Dollar 2003. Der große Einbruch in der Tschechischen Republik war allerdings teilweise bedingt durch den einmaligen Effekt großer Investitionsprojekte (Automobil- und Energiesektor) im Jahr 2002.

Der Bericht wird in einem Kapitel des im September 2004 erscheinenden Jahresberichts OECD International Investment Perspectives veröffentlicht werden.

Hans Christiansen, Experte für internationale Investitionen, OECD Direktorat für Finanz- und Unternehmensangelegenheiten (Tel: 0033 1 4524 8817) steht Journalisten für weitere Informationen zur Verfügung.

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