In einigen OECD Ländern stieg die Steuerbelastung im Jahr 2003, in anderen Ländern ging sie zurück

20/10/2004 -  Nachdem die Steuer- und Abgabenbelastung zwischen den Jahren 2000 und 2002 in den meisten OECD-Ländern gesunken ist, stagnierte der Anteil des Steuer- und Abgabenaufkommens am Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2003 oder ist sogar in einigen Ländern wieder im Steigen begriffen, so das Fazit der neuesten Ausgabe des OECD Jahresberichts Revenue Statistics.

Vorläufige Zahlen für 2003 zeigen, dass die Steuer- und Abgabenquote in 13 von 23 Ländern, für die Daten verfügbar waren, gestiegen ist. Die größten Anstiege zwischen 2002 und 2003 verzeichneten Island, wo der Anteil der Steuern und Abgaben von 38,1 % des BIP auf 40,3 % gestiegen ist, Türkei (von 31,1 % auf 32,9 %) und Irland (von 28,4 % auf 30,0 %).

Andererseits kam es in einer Reihe von Ländern zwischen 2000 und 2003 zu einem erheblichen Rückgang der Steuerquoten, was auf niedrigere Einkommenssteuersätze oder höhere Steuergutschriften (die die zu entrichtenden Steuern reduzieren) zurückzuführen war und zu niedrigeren Einnahmen aus Einkommens- und Gewinnsteuern führte (Tabelle B). In den Vereinigten Staaten fiel z.B. der Anteil der Steuern und Abgaben am BIP um 4.5 Prozentpunkte, von 29.9 % auf 25,4 %. Erhebliche Rückgänge bei der Steuer- und Abgabenbelastung verzeichneten auch Finnland (3,1 Punkte), Schweden (3,0 Punkte), die Niederlande (2,4 Punkte), Irland (2,2 Punkte) und das Vereinigte Königreich (2,1 Punkte).

Wie die Daten der Studie Revenue Statistics insgesamt zeigen, bewegte sich die durchschnittliche Steuer- und Abgabenquote der OECD Länder in den letzten Jahren nach unten, nachdem sie zwischen 1975 und 2000 stark angestiegen war. Die Quote erreichte den höchsten Wert im Jahr 2000 (37,2 %) und fiel dann auf 36,8 % im Jahr 2001 und 26,3 % im Jahr 2002 (Tabelle A). Eine durchschnittliche Steuer- und Abgabenquote aller OECD Länder für 2003 ist nicht verfügbar, da einige Länder für das letzte Jahr noch keine Daten geliefert haben. Aus den vorläufigen Zahlen kann jedoch geschlossen werden, dass der Trend nach unten vorläufig gestoppt ist, was wahrscheinlich zum Teil auf das stärkere Wirtschaftswachstum zurückzuführen ist.

Die Steuer- und Abgabenquoten sind ein nützlichen Indikator für Bedeutung des Staates in der Volkswirtschaft eines Landes sowie für die Rolle des Steuersystems bei der Finanzierung öffentlicher Dienstleistungen und der Einkommensumverteilung. Eine steigende Steuerquote eines Landes deutet oft auf eine umfangreichere Bereitstellung steuerfinanzierter Dienstleistungen und/oder auf eine größere Rolle des Steuersystems bei der Einkommensumverteilung hin.

Unterschiede bei den Steuersystemen können jedoch zu unterschiedlichen Steuer- und Abgabenquoten für Länder mit sehr ähnlichen Sozial- und Steuerpolitiken führen. Wenn z.B. Familienbeihilfen über das Steuersystem in Form von Steuernachlässen gewährt werden, dann werden weniger Einnahmen aus Steuern erzielt als es der Fall wäre, wenn die Beihilfen aus Steuereinnahmen finanziert und als Transferleistungen bar an die Haushalte bezahlt werden.

Die Ausgestaltung der Steuersysteme der einzelnen Länder spiegelt die Zielsetzungen der Politiken von der Einkommensverteilung über Investitions- und Beschäftigungsanreize bis zum Finanzausgleich zwischen den verschiedenen Regierungsebenen wieder. Die Länder überprüfen ihre Steuerpolitiken kontinuierlich im Lichte der politischen Zielsetzungen. Und die OECD stellt ein Forum dar, wo Regierungen Erfahrungen in solchen Fragen austauschen.

Ein soeben veröffentlichter OECD Bericht mit dem Titel Recent Tax Policy Trends and Reforms in OECD Countries (OECD Tax Policy Studies No. 9) befasst sich mit den jüngsten Veränderungen in diesem Bereich.

In den letzten Jahren hat eine Kombination von Faktoren wie z.B. unterschiedliche Wachstumsraten und Veränderungen bei der Struktur der Steuersysteme das Verhältnis zwischen Steuereinnahmen und Bruttoinlandsprodukt in den OECD-Ländern beeinflusst. Höhere Einnahmen aus Einkommens- und Gewinnsteuern führten zu einem Anstieg der Steuerquote in Neuseeland zwischen 2001 und 2002. Aus demselben Grund erhöhte sich die Steuerquote zwischen 2002 und 2003 in Island, Irland, Mexiko und Korea. In Island, Mexiko und der Türkei trugen auch erhöhte Einnahmen aus Verbrauchssteuern zum jüngsten Anstieg der Steuerquote bei, während sinkende Sozialabgaben in den Niederlanden zu einem Rückgang der Steuer- und Abgabenquote führten.

Einige der stärksten Reduktionen der Steuer- und Abgabenquote in den vergangenen Jahren vollzogen sich in Ländern mit einer relativ hohen Steuer- und Abgabenbelastung wie z.B. Schweden, Finnland und Frankreich, während in Ländern mit einer relativ niedrigen Steuer- und Abgabenbelastung wie z.B. Mexiko, Korea und Neuseeland die höchsten Anstiege bei der Steuer- und Abgabenquote zu verzeichnen waren. Dies trifft aber nicht generell zu, wie das Beispiel der Vereinigten Staaten zeigt.

Revenue Statistics enthält detaillierte Informationen über die Trends beim Steuer- und Abgabenaufkommen, einschließlich einer Untergliederung nach Steuerarten und Regierungsebenen. Beide Publikationen, Revenue Statistics und Recent Tax Policy Trends and Reforms in OECD Countries stehen Journalisten auf der passwortgeschützten OECD Webseite zur Verfügung bzw. können von der OECD Pressestelle  
(Tel: + 33 1 45 24 35 41) angefordert werden.

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