Österreichs Pensionen bleiben auch nach Reformen auf hohem Niveau

Zweitteuerstes Pensionssystem in der OECD – Anreiz zur Frühverrentung nach wie vor hoch

 

(Paris/Berlin – 7. Juni 2007) Die Pensionsreformen der vergangen Jahre haben in Österreich zu einer leichten Verringerung der zu erwartenden Pensionszahlungen geführt und damit auch die finanzielle Nachhaltigkeit des Systems verbessert. Allerdings bleiben auch nach der Reform die Pensionen im internationalen Vergleich auf hohem Niveau. Gleichzeitig beanspruchen die Pensionszahlungen aus öffentlichen Kassen bereits heute einen so großen Teil der Wirtschaftsleistung wie in fast keinem anderen OECD-Land. Berücksichtigt man die vergleichsweise ungünstige Alterspyramide, so werden in Zukunft weitere und entschlossenere Reformen nötig sein. Das geht aus der OECD-Studie „Renten auf eine Blick“ hervor, die die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung heute in Paris vorgestellt hat.

 

So wendete Österreich im Jahr 2003 für Alters- und Hinterbliebenenversorgung 13,2 Prozent seiner Wirtschaftsleistung auf. Nach Italien ist das der zweithöchste Wert innerhalb der OECD. Im Mittel der OECD-Länder lag der Anteil der Pensionszahlungen aus öffentlichen Quellen bei 7,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Im Zuge der Pensionsreformen ist das Pensionsniveau für eine Standarderwerbsbiografie von 90,0 auf 80,1 Prozent des durchschnittlichen Bruttoeinkommens gesunken. Für den Durchschnittsverdiener liegt diese Bruttoersatzrate damit weiter deutlich über dem OECD-Durchschnitt von 58,7 Prozent. In Deutschland etwa ist mit einer Ersatzrate von 39,9 Prozent die Rente für einen Durchschnittsverdiener nur halb so hoch.

 

Während Geringverdiener in Österreich eine mit anderen OECD-Ländern vergleichbare Pension erhalten, fallen die Pensionen für höhere Einkommen im OECD-Vergleich besonders hoch aus (78,5 Prozent in Österreich gegenüber 49,2 im OECD-Schnitt bei 150 Prozent des Durchschnittseinkommens). Erst bei sehr hohen Einkommen schließt sich die Schere wieder.

 

Da die bereits beschlossenen Rentenanpassungen erworbene Ansprüche nicht antasten, werden die Auswirkungen auf die Finanzen der Rentenkassen nur auf lange Sicht spürbar sein. Weitere Risiken für die Finanzen des Rentensystems ergeben sich aus den nach wie sehr attraktiven Regelungen zur Frühverrentung. So sind die Abschläge pro Jahr von 4,2 Prozent auf die Pension deutlich unter dem, was in den meisten OECD-Ländern üblich ist.


„Österreich hat mit den Reformen der vergangen Jahre die finanzielle Nachhaltigkeit des Systems erhöht. Angesichts von Demografie und schon heute hohen Kosten sind weitere und entschlossenere Reformen dringend geboten“, sagte Edward Whitehouse, Rentenexperte bei der OECD und Co-Autor der Studie.
Die Rentenhöhe für die Standarderwerbsbiografie wurde für einen Arbeitnehmer berechnet, der im Jahr 2004 als 20-jährigen zu arbeiten beginnt, über sein gesamtes Erwerbsleben ein durchschnittliches Einkommen erzielt und zum im jeweiligen Land gültigen gesetzlichen Rentenalter in Rente geht. Grundlage für die Berechnungen waren in der Regel die im Jahr 2004 gültigen Bestimmungen für die Rentenversicherung. Bei der Berechnung der Ersatzraten werden alle verpflichtenden Rentensysteme für Arbeitnehmer im Privatsektor berücksichtigt, unabhängig davon ob sie privat oder staatlich organisiert sind. Für die Umrechnung der Ansprüche aus Defined Contribution Systemen werden eine Reihe von allgemein anerkannten Annahmen getroffen. Unter anderem wird eine reale Verzinsung der Beiträge von 3,5 Prozent p.a. unterstellt. Das den Berechnungen zugrunde liegende Durchschnittseinkommen für Österreich war 32.872 Euro im Jahr (2004).

 

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